04. März 2021

Covid-19

Hohe Exzessmortalität in Wuhan im ersten Quartal 2020

In der chinesischen Region Wuhan kann man auf die längsten Erfahrungen mit Covid-19 zurückblicken. Chinesische Wissenschaftler haben jetzt die Mortalitätsraten in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 mit dem Vorjahr und anderen, weniger betroffenen Regionen in China verglichen.1

Lesedauer: 1 Minute

Ursprungsort der Pandemie

Bis Ende März 2020 war Wuhan mit Abstand die am stärksten von der Pandemie betroffenen Region in China. 50.000 der 80.000 SARS-CoV-2-Infektionen sowie 3.870 der 4.600 Covid-19-bedingten Todesfälle wurden hier registriert. Dies gab Jiangmei Liu und Kollegen aus Beijing, China, die Möglichkeit, anhand des landesweiten Mortalitätsregisters (DSP) die Exzessmortalität in diesem Zeitraum zu bestimmen.

Insgesamt wurden im DSP-System von Januar bis März 2020 580.819 Todesfälle registriert. In den drei zur Wuhan-Region gehörenden DSP-Distrikten war die Gesamtmortalitätsrate insgesamt 56 % höher als die erwartete Rate.

Dies war hauptsächlich auf eine achtfache Erhöhung der Todesfälle durch Pneumonien (275 vs. 33 pro 100.000) bedingt, die überwiegend im Zusammenhang mit Covid-19 auftraten. Aber auch bei anderen Todesursachen war ein Anstieg zu verzeichnen. Dazu gehörten u.a. kardiovaskuläre Erkrankungen (RR 1,29) und Diabetes (RR 1,83).

In Wuhan-City verstarben in den ersten drei Monaten 2020 5.954 mehr Menschen im als im gleichen Zeitraum 2019 – davon 4.573 an Pneumonien. Die Exzess-Mortalität war dabei im Innenstadtbereich deutlich höher als in den Außenbezirken (50 vs. 15 %).

Außerhalb der Wuhan-Region kein Anstieg der Mortalität

In anderen Regionen der Hubei-Provinz (zu der auch Wuhan gehört) war die Mortalitätsrate für Pneumonien und chronische respiratorische Erkrankungen trotz der Exzess-Todesfälle an Covid-19-Pneumonien eher etwas niedriger als erwartet.  

Außerhalb von Hubei entsprach die Mortalitätsrate insgesamt dem erwarteten Wert – es verstarben aber signifikant weniger Menschen an Pneumonien (RR 0,53), chronisch respiratorischen Erkrankungen (RR 0,82) und an Verkehrsunfällen (RR 0,77).

In den ersten drei Monaten der Corona-Pandemie wurde somit mit Ausnahme von Wuhan in China keine Erhöhung der Exzessmortalität beobachtet. Die beobachtete Reduktion der Todesraten an einzelnen Erkrankungen könnten nach Aussage der Autoren vorwiegend durch Verhaltensänderungen während des Lockdowns bedingt sein.

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