12. Februar 2021

40 Herzen aus Bergamo obduziert

Forscher aus Italien und den USA berichten über die histopathologischen Befunde von 40 Patienten, die während der ersten Welle im schwer betroffenen Bergamo an einer Covid-19-Erkrankung verstorben sind. Die vollständigen Herzen und Lungen der Patienten wurden fixiert und in die USA gesendet. Die an der Untersuchung beteiligten Pathologen wussten nur, dass die Verstorbenen eine SARS-CoV-2-Infektion hatten. Letztere wurde bei allen Patienten per PCR-Testung nachgewiesen.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

Ein Drittel zeigte Nekrosen im Herzmuskel

Die Patienten waren im Schnitt 74 Jahre alt und 73% von ihnen waren männlich. Fast alle wurden vor ihrem Tod mit einer schweren respiratorischen Insuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert. Bei drei Patienten war die Erstdiagnose ein ST-Hebungsinfarkt, bei einem ein Schlaganfall.

Von allen Herzen gab es in 14 (35%) Nekrosen der Kardiomyozyten. Bei drei Patienten lag aufgrund der Nekrosefläche ein Myokardinfarkt vor (mindestens 1 cm²), bei den restlichen 11 Patienten eine fokale Myozyten-Nekrose (weniger als 1 cm²). Keines der Herzen erfüllte die Kriterien für eine akute Myokarditis.

Koronar-Lumina unterschieden sich nicht

Dann wurden die Patienten aufgeteilt in eine Gruppe mit Myokardnekrose (14) und eine Gruppe ohne (26).  Die beiden Gruppen hatten insgesamt ein vergleichbares Herzgewicht, linksventrikuläres Volumen sowie links- und rechtsventrikuläre Wanddicke. Fälle mit und ohne Nekrose wiesen mit gleicher Wahrscheinlichkeit hämodynamisch signifikante Koronararterienläsionen auf (mehr als 75%ige Verengung des Lumens).

Herzmuskelschäden eher bei Nierenkranken und Frauen

Verstorbene mit kardiomyozytären Nekrosen waren signifikant häufiger weiblich, litten eher unter einer chronischen Erkrankung der Nieren und wurden schneller hospitalisiert. Alle STEMI-Patienten fielen erwartungsgemäß in diese Gruppe.

Nekrotische Areale waren am häufigsten in der linksventrikulären lateralen und inferioren Wand sowie im Kammerseptum.

Am häufigsten waren Mikrothromben verantwortlich

In 9 Herzen war die Nekrose auf Mikrothromben in myokardialen Kapillaren und Arteriolen zurückzuführen. In diesen Mikrothromben fanden die Forscher eine größere Menge an Fibrin II und terminalem Komplement C5b-9, verglichen mit koronaren Thromben der STEMI-Patienten.

Dieser Unterschied zeigte sich auch im Vergleich zu koronaren Thromben von STEMI-Patienten, die kein Covid-19 hatten. Die Thromben bei STEMI-Patienten mit oder ohne Covid-19-Erkrankung unterschieden sich in ihrer Zusammensetzung nicht.

Das Virus selbst war insgesamt im Gewebe von 34 Lungen, aber nur 8 Herzen nachweisbar. Einen statistischen Zusammenhang mit den Myokardnekrosen gab es hier jedoch nicht.

  1. Pellegrini D et al. Microthrombi as a major cause of cardiac injury in COVID-19: A pathologic study. Circulation 2021 Jan 22; [e-pub].
  2. NEJM Journal Watch: Histopathology of Cardiac Injury in COVID-19. 02.02.2021

Bilquelle: © Getty Images/Razvan25

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