12. November 2021

Genvariante verdoppelt Risiko für schwere Covid-19-Verläufe

Schon letztes Jahr haben genomweite Assoziationsstudien gezeigt, dass eine Genvariante auf dem Chromosom 3p21.31 mit einem doppelt so hohen Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf verbunden ist. Britischen Forschenden ist es jetzt gelungen, mehr über das dazugehörige Gen und seinen möglichen Einfluss auf den Verlauf der SARS-CoV-2-Infektion herauszufinden.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

SNP vor allem in Südostasien verbreitet

Der mit den schweren Verläufen assoziierte Einzelnukleotid-Polymorphismus (SNP) lässt sich bei etwa 60 % aller Menschen aus Südostasien nachweisen- dagegen nur bei 15 % der Menschen in Europa und Afrika. Dies könnte erklären, warum z.B. in Großbritannien Menschen asiatischer Herkunft häufiger schwer erkranken, schreiben die Autoren.

Man wusste schon letztes Jahr, dass es sich um einen vom Homo neanderthalensis übernommenen Genabschnitt handelt – es war aber unbekannt, auf welchem Gen sich die Variante findet und wie sie den Krankheitsverlauf beeinflusst. Bei Trägern dieser SNP findet man ein doppelt so hohes Risiko für schwere Verläufe mit der Notwendigkeit der Beatmung und ein über zweifach erhöhtes Mortalitätsrisiko bei Menschen unter 60 Jahren.

Entscheidende Stelle im Genom entdeckt

Hier ist das Team um Damien J. Downes von der Universität Oxford jetzt einen Schritt weitergekommen. Sie konnten nachweisen, dass SNP rs17713054 im Enhancer des Gens LZTFL1 („leucine zipper transcription factor like 1“) liegt. Es handelt sich offensichtlich um eine „Gain of function“-Mutation. Enhancer regeln, wie stark ein Gen in Messenger-RNA umgesetzt wird – dies war hier offensichtlich verstärkt zu beobachten.   

Die Forschenden konnten ebenfalls zeigen, dass LZTFL1 in den Epithelien der Atemweg gebildet wird und hier möglicherweise die unspezifische Abwehr der Zellen gegen Viren schwächt. Die klassische Immunantwort gegen SARS-CoV-2 mit Antikörpern und T-Zellen scheint dagegen nicht beeinflusst zu werden, sodass wahrscheinlich keine Abschwächung des Impferfolges droht.

Grundsätzlich ist bei „Gain-of-function“-Mutationen die Ausschaltung des Gens durch entsprechende Medikamente denkbar. Um zu beurteilen, ob diese Möglichkeit auch hier besteht, müsste man aber erst sehr genau wissen, welche lebenswichtigen Funktionen LZTFL1 ansonsten noch hat. Hier ist daher noch viel Forschungsarbeit notwendig.

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