14. Oktober 2021

Fallgeschichte

Anales Missempfinden nach Covid-19 könnte RLS-Variante sein 

Covid-19 kann bekanntlich mit einem breiten Spektrum von Symptomen einhergehen. Dazu gehören auch verschiedene neurologische Symptome. Kollegen aus Tokio berichten jetzt von einem seltenen Fall eines Restless-Anal-Syndroms bei einem Patienten, der gerade von der Coronavirus-Infektion genesen war.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Besondere Form des Restless-Legs-Syndroms

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) betrifft zwar wie der Name sagt, meist die Beine – in seltenen Fällen können aber auch andere Lokalisationen wie Kopf, Mundhöhle oder Abdomen von dem Unbehagen betroffen sein, das sich bei Bewegung bessert. Ein Restless-Anal-Syndrom wurde aber bisher noch nicht beschrieben.

Itaru Nakamura und seine Kollegen aus Tokio, Japan, berichten von einem 77-jährigen Patienten, der aufgrund von Covid-19 mit Fieber und leichteren Atemwegbeschwerden stationär behandelt worden war. Nach seiner Entlassung litt er weiterhin unter Schlaf- und Angststörungen. Mehrere Wochen nach der Entlassung entwickelte sich zudem ein tiefes anales Missempfinden, das sich auch nach dem Stuhlgang nicht besserte und mit einem starken Bewegungsdrang verbunden war.

Bewegung verschafft Erleichterung

Nur durch Laufen, Rennen oder enthusiastisches Computerspielen kam es zu einer Erleichterung. In Ruhe und am Abend nahmen die Beschwerden zu und Schlaf war nur mit starken Schlafmitteln möglich. Eine Koloskopie zeigt bis auf geringgradige Hämorrhoiden keinen auffälligen Befund – ebenso wie die neurologische Untersuchung.

Aufgrund der typischen Symptomatik (Bewegungsdrang, Besserung bei Bewegung, Verschlechterung in Ruhe und am Abend) tippten die Kollegen auf eine Variante des RLS – möglicherweise ausgelöst durch die SARS-CoV-2-Infektion.

Erfolgreich behandelt

Die Therapie mit Clonazepam (1,5 mg/d) führte zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Der Patient hatte keine auffällige Familienanamnese bezüglich RLS und auch auslösende Erkrankungen wie Diabetes, Niereninsuffizienz oder Eisenmangel waren nicht nachweisbar.

Die Autoren empfehlen, in der Langzeitbetreuung von Covid-19-Patienten auch auf ein RLS achten, das ohnehin zu den unterdiagnostizierten Erkrankungen gehört.

  1. Itaru Nakamura et al; Case report of restless anal syndrome as restless legs syndrome variant after COVID-19; BMJ Infectious Diseases 2021; 21993; DOI: https://doi.org/10.1186/s12879-021-06683-7

Bildquelle: © gettyImages/Peter Dazeley

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