23. Juli 2020

Covid-19

Immer weniger Deutsche wollen sich impfen lassen

Lässt sich eine Herdenimmunität gegen SARS-CoV-2 über einen Impfstoff erzielen, wenn dieser verfügbar ist? Noch im April 2020 waren sich 70 Prozent der Menschen in Deutschland sicher, sich impfen zu lassen. Nun ist diese Zahl deutlich gesunken. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Mehr als 7.000 Menschen befragt

In einer Studie unter Leitung des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg wurden jeweils im April und Juni 2020 mehr als 7.000 Menschen in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal und dem Vereinigten Königreich befragt. Insgesamt sank die Impfbereitschaft in den befragten Ländern von 74 Prozent im April auf 68 Prozent nur zwei Monate später.

Sinkende Zahlen vor allem in Italien und Deutschland

Bis auf Portugal verzeichnen alle Länder geringere Zahlen, die größten Abweichungen gibt es in Italien (-13 Prozent) und Deutschland (-9 Prozent). Deutschland weist zudem neben Frankreich (56 Prozent) die geringste Zustimmung unter den befragten europäischen Ländern auf. Gleichzeitig verdoppelte sich hierzulande die Zahl der Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. In Deutschland sagt dies inzwischen jeder Fünfte. „Bedenklich ist, dass zunehmend mehr Menschen eine Impfung gegen Covid-19 ablehnen, und dies sind weit mehr Menschen als die, die grundsätzlich Impfungen ablehnen“, erklärt Professor Dr. Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE.

Zweifel in erster Linie wegen Nebenwirkungen und Wirksamkeit

Mit großem Abstand sorgen sich die meisten Menschen in allen befragten Ländern vor möglichen Nebenwirkungen und um eine nicht ausreichende Wirksamkeit eines möglichen Impfstoffes. 45 Prozent der Menschen, die eine Impfung ablehnen, und 61 Prozent derjenigen, die unsicher sind, nennen dies als die wichtigsten Gründe (im April waren dies noch 43 beziehungsweise 65 Prozent). Immerhin jeder Siebte, der gegen eine Covid-19-Impfung ist, glaubt nicht, dass das Virus gefährlich für die eigene Gesundheit ist. „Politik und Wissenschaft sollten daher über mögliche Nebenwirkungen sowie die Wirksamkeit eines Impfstoffes sehr transparent kommunizieren und für das Vertrauen der Bürger werben“, empfiehlt Jonas Schreyögg.

Nord-Süd-Gefälle in Deutschland

Zudem verteilt sich die Impfbereitschaft innerhalb Deutschlands unterschiedlich: Von Norden nach Süden nimmt die Impfbereitschaft ab (67 – 56 Prozent); in Bayern beispielsweise ist nur jeder Zweite (52 Prozent) bereit, sich impfen zu lassen. Zwischen alten und neuen Bundesländern gibt es dagegen nur geringe Unterschiede (60 zu 65 Prozent Impfbereitschaft).

Wer soll den Impfstoff verteilen?

Mit Verfügbarkeit eines Impfstoffes stellt sich zugleich die Verteilungsfrage, denn es wird nicht für alle impfbereiten Menschen unmittelbar Impfstoff bereitstehen. Wer sollte darüber bestimmen, wer einen Covid-19-Impfstoff als Erstes erhält? Hier sind sich die Befragten in allen Ländern einig: Sie sprechen die höchste Kompetenz Krankenhäusern und Ärzten (61, in Deutschland 54 Prozent), dem Gesundheitsministerium (55, in Deutschland 47 Prozent) oder einem nationalen Expertenteam (54, in Deutschland 46 Prozent) zu. Weniger geeignet sind aus Sicht der Befragten die Regierung oder das Parlament.

Die Entscheidung darüber dem Pharmaunternehmen zu überlassen, das den Impfstoff auf den Markt bringt, lehnt die Bevölkerung in allen befragten Ländern mehrheitlich ab (über alle Länder 55, in Deutschland 61 Prozent), ebenso wie eine Volksabstimmung (56, in Deutschland 54 Prozent) oder Verlosung (67, in Deutschland 71 Prozent).

Zur Studie:
In einer Online-Umfrage wurde die Bevölkerung in sieben europäischen Ländern mit mehr als 7.000 Teilnehmern in Bezug auf die Covid-19-Pandemie befragt. Die erste Welle der Feldforschung wurde zwischen dem 2. und 15. April 2020 und die zweite Welle zwischen dem 9. und 22. Juni 2020 durchgeführt. Etwa 60% der Befragten aus der ersten Welle nahmen auch an der zweiten Welle der Umfrage teil. Die verbleibende Stichprobe besteht aus neuen Befragten, um erneut die Repräsentativität der Stichprobe sicherzustellen. Die Befragten wurden mithilfe von Multi-Sourcing-Online-Panels des Marktforschungsunternehmens Dynata rekrutiert. 

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

1. Corona-Forschung am HCHE, Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg, 13.07.2020

Bildquelle: © GettyImages/Udom Pinyo

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653