14. Mai 2020

Covid-19

Chinesische Ärzte teilen klinische Erfahrungen

Obwohl der Lockdown in Deutschland langsam ein Ende findet, werden auch weiterhin Patienten mit schwerer Covid-19-Pneumonie behandelt. Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Medizin hat deshalb in einer Videokonferenz Erfahrungen mit ärztlichen Kollegen aus der Tongji-Klinik in Wuhan ausgetauscht. 

Lesedauer: 2 Minuten

Anmerkung der Redaktion: Die chinesischen Kollegen berichteten aus eigener klinischer Erfahrung. Studienergebnisse, die diese Aussagen untermauern, befinden sich aktuell noch im Veröffentlichungsprozess, weshalb dieser Artikel lediglich der Orientierung dient.  

Auskunft gaben:  

  • Prof. Dr. ZHONG Qiang, Professor of Emergency Department 
  • Prof. Dr. MA Ke, Associate Professor of Infectious Disease 
  • Dr. CHEN Lei, Physician of Respiratory Department 

Interleukine und Lymphozyten im Verlauf kontrollieren 

Die regelmäßige Kontrolle des C-reaktiven Proteins (CRP) sowie der D-Dimere als Verlaufsparameter bei der Covid-19-Erkrankung wird in Deutschland bereits vielerorts praktiziert.  

Wie die chinesischen Kollegen berichten, gehören auch der Interleukin-6-Wert (IL-6) sowie der Interleukin-2-Rezeptor-Wert (IL-2R) zu den prognostischen Markern, da sie auf einen drohenden Zytokin-Sturm hinweisen können. Bei erhöhten IL-6 und IL-2R-Werten sollte man darauf vorbereitet sein, dass die Notwendigkeit einer Intubation beim Patienten absehbar wird. 

Ebenfalls legt Dr. Ma nahe, dass es wichtig sei, die Lymphozyten-Zahl zu monitoren, auch bei Patienten mit einem zunächst milden Verlauf. Das kontinuierliche Absinken der Lymphozyten-Zahl sei ein Warnsignal für eine Zustandsverschlechterung. 

Unter Tocilizumab auch Verschlechterung beobachtet 

Tocilizumab, ein humanisierter monoklonaler Interleukin-6-Rezeptor-Antagonist, der zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis eingesetzt wird, gilt derzeit als mögliches Medikament zur Eindämmung des Zytokin-Sturms, der zu kritischen Covid-19-Verläufen führt. Dr. Zhong gibt jedoch zu bedenken, dass er unter Tocilizumab auch Zustandsverschlechterungen beobachtet habe. 

Kann die Plasmatherapie kritisch Kranken helfen?

Die chinesischen Kollegen sind sich einig, dass diese Frage schwer zu beantworten sei. Eindeutige Erfahrungswerte bei kritisch Erkrankten konnten noch nicht geschildert werden. Wahrscheinlich ist die Wirkung der Plasmatherapie abhängig von der Antikörper-Konzentration im Blut des Spenders. 

Wie effektiv sind Intubation und Beatmung? 

Bei der schweren Covid-19-Pneumonie besteht kein klassisches ARDS. Eine PEEP-Beatmung scheint nicht zu dem gleichen, guten Ansprechen zu führen. Insgesamt herrscht unter den berichtenden Ärzten die Meinung, dass häufig zu spät intubiert würde. Eine Verschlechterung der Prognose durch Intubation habe sich jedoch bei ihnen nicht gezeigt. 

Dr. Zhong empfiehlt bei respiratorischer Insuffizienz zunächst eine High-Flow-Sauerstofftherapie über zwei Stunden und eine Intubation bei ausbleibender Besserung.  

Eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) solle eingesetzt werden, wenn 3-4 Stunden lang ein Oxygenierungsindex < 80 mm Hg bei einem FiO2 über 90% besteht. 1 Noch liegen keine ausgewerteten Daten vor, wie effektiv die ECMO bei Covid-19-Patienten ist. 

Probleme der Bauchlagerung 

Zur Bauchlagerung gibt es einiges zu bedenken: Da die Patienten 16 Stunden in Bauchlage verbringen sollten, besteht das Risiko eines Dekubitus. Der Kopf muss alle zwei Stunden bewegt werden. Dazu kommt, dass es durch die Bauchlagerung in Kombination mit dem Tubus zu trachealen und ösophagealen Fissuren kommen kann. In diesem Zusammenhang haben die chinesischen Kollegen auch Pneumothoraces gesehen. 

  1. Chinesische Leitlinie: „Leitlinie zum Umgang mit der COVID-19- Epidemie“ (Version 7.0) Stand 16.03.2020, in deutscher Übersetzung

Bildquelle: © Getty Images/filmfoto

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