25. Mai 2020

Kasuistik

Covid-19 und akutes Nierenversagen: Symptome & Verlauf

Ein 68-jähriger Mann wird aufgrund einer Covid-19-Erkrankung in der Klinik behandelt. Innerhalb weniger Tage kommt es zu einer Niereninsuffizienz. Erfahren Sie mehr über den Krankheitsverlauf und das Handeln der Ärzte.

Lesedauer: 2 Minuten

Diese Kasuistik wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht.1 Redaktion: Christoph Renninger

Limousinenfahrer mit diversen Vorerkrankungen

4 Tage vor der Einweisung in die Klinik ist der 68-Jährige, der als Fahrer einer Limousine arbeitet, ohne Beschwerden. Dann entwickelt er Fieber (bis zu 39,9°C) und Schüttelfrost. Er verliert den Appetit, isst und trinkt weniger als üblich. 3 Tage später tritt ein trockener Husten auf. Am folgenden Tag ruft er aufgrund von Kurzatmigkeit seinen Hausarzt an, der ihn an die Klinik verweist.

In der Notaufnahme berichtet er über anhaltende Atemnot, hat aber keine Brustschmerzen, Orthopnoe oder Schwellungen der Beine. Er gibt an, in der letzten Zeit nicht verreist zu sein und keinen bekannten Kontakt zu SARS-CoV-2-Infizierten zu gehabt zu haben.

Der Patient hat eine Reihe von Vorerkrankungen:

  • Diabetes mellitus
  • Hypertonie
  • Hyperlipoproteinämie
  • Koronare Herzkrankheit
  • Übergewicht (BMI: 37,1)
  • Obstruktive Schlafapnoe

Aufgrund seiner Erkrankungen nimmt er regelmäßig Medikamente ein. Er raucht nicht und konsumiert keine Drogen. Sein Vater litt ebenfalls an einer koronaren Herzkrankheit, seine Mutter an einem Lungenemphysem. Der Mann lebt mit seiner Freundin in einem Vorort von Boston.

Untersuchung und Aufnahme

Bei der Aufnahmeuntersuchung werden folgende Vitalparameter festgestellt:

  • Körpertemperatur: 37, 6°C
  • Blutdruck: 157/74 mmHg
  • Puls: 124/Minuten
  • Atemfrequenz: 40/Minute
  • Sauerstoffsättigung: 94%

Der Mann hat Atemprobleme, in beiden Lungen ist ein Rasselgeräusch zu hören, die Schleimhäute sind trocken. Sein Kreatininspiegel liegt mit 1,3 mg/dl im Normbereich (0,6-1,5 mg/dl), ist im Vergleich zu einer Untersuchung im Vorjahr (0,8 mg/dl) jedoch erhöht. Ein Röntgenthorax weist auf eine Pneumonie hin.

Es werden zur Untersuchung auf SARS-CoV-2 Blutproben und ein Nasen-Rachen-Abstrich entnommen. Der Patient erhält intravenös 2 Liter Ringerlösung mit Ceftriaxon und Azithromycin und wird stationär aufgenommen.

Verschlechterung des Zustands innerhalb eines Tages

3 Stunden nach der Aufnahme sinkt die Sauerstoffsättigung auf 87%, nach Anlegen einer Nasenkanüle und der Gabe von 2 Litern Sauerstoff/Minute steigt sie auf 92%. Weitere 5 Stunden später verschlechtern sich die Beschwerden erneut: Die Ärzte erhöhen die Sauerstoffrate auf 6 Liter/Minute. Der Patient wird auf die Intensivstation verlegt.

Der RNA-Nachweis für SARS-CoV-2 ist positiv und die Ärzte entscheiden sich, den Mann in eine klinische Studie mit Hydroxychloroquin aufzunehmen.2

Nach 16 Stunden auf der Intensivstation muss der 68-Jährige intubiert und mechanisch beatmet werden, da eine dauerhafte Tachypnoe und schlechte Sauerstoffsättigung bestehen. Im Laufe der folgenden 24 Stunden entwickelt er eine Hypotonie (Blutdruck: 78/45 mmHg), weshalb mit Noradrenalin (i.v.) behandelt wird.

Der Kreatininspiegel steigt auf 1,8 mg/dl, die Gabe von Hydroxychloroquin wird abgebrochen. Während der nächsten 5 Tage wird durch steigende Dosen von Schleifendiuretika die Urinausscheidung konstant bei 100 ml/Stunde gehalten, die Blutwerte für Kreatinin (6,9 mg/dl) und Harnstoff-Stickstoff (111 mg/dl; Normbereich 8-25 mg/dl) steigen jedoch stark an. Die Ärzte diagnostizieren eine gemischte metabolische und respiratorische Azidose.

Wie die Ärzte therapeutisch vorgehen und wie es dem Patienten ergeht, erfahren Sie im zweiten Teil des Beitrags.

  1. Sise ME et al. Case 17-2020: A 68-Year-Old Man with Covid-19 and Acute Kidney Injury. New England Journal of Medicine 2020; 13.05. DOI: 10.1056/NEJMcpc2002418
  2. Adaptive COVID-19 Treatment Trial (ACTT). NCT04280705

Bildquelle: © Getty Images/farosofa

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