11. September 2020

Covid-19

Mehr Schaden als Nutzen? EbM-Netzwerk übt Kritik an Corona-Maßnahmen

Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM-Netzwerk) hat vor wenigen Tagen eine umfangreiche Stellungnahme zur Evidenz hinter den aktuell gültigen Corona-Schutz-Maßnahmen veröffentlicht. Darin stellen die Autoren infrage, ob für die bestehenden Einschränkungen genügend Wirksamkeitsbeweise vorliegen, um die negativen Folgen zu rechtfertigen. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung der Kritikpunkte.

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Artikel basiert auf der Stellungnahme des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin e.V. vom 08.09.2020.

Keine Überlastung des Gesundheitssystems in Sicht

Die Zeiten des exponentiellen Anstiegs der Anzahl der Erkrankten und der Todesfälle seien im deutschsprachigen Raum, so die Autoren der Stellungnahme, seit fünf Monaten vorbei.

Im Gegensatz zu Regionen in einigen anderen Ländern (Italien, Frankreich) kam es weder in Deutschland noch in Österreich oder der Schweiz jemals zu einer Überlastung des Gesundheitssystems, wobei in der Schweiz die Kapazitätsgrenzen fast erreicht wurden.

Nach einem Minimum von ca. 500 neuen Testpositiven pro Tag in Deutschland von Mitte Mai bis Mitte Juni, kam es in den letzten Wochen zu einem leichten Wiederanstieg der Testpositiven, der allerdings nicht von einer relevanten Zunahme von hospitalisierten oder intensivpflichtigen Patienten oder Todesfällen begleitet ist (in Deutschland seit vielen Wochen <400 Hospitalislierte [Stand 31.08.2020]). Eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems sei somit, laut Stellungnahme, auch jetzt nicht zu fürchten.

Keine ungezielten Massentestungen mehr

Statt ungezielter Massentestungen sollten zum einen gezielte repräsentative Stichproben aus der Bevölkerung gezogen und angemessen berichtet werden, zum anderen die Testungen auf Hochrisikogruppen beschränkt werden, um die Vortestwahrscheinlichkeit zu erhöhen (also Personen mit Covid-typischer Symptomatik und vorangegangener Exposition). Hintergründe zu dieser Problematik finden Sie hier.

Nutzen und Schaden von Interventionen

Es gibt insgesamt noch sehr wenig belastbare Evidenz, weder zu Covid-19 selbst noch zur Effektivität der derzeit ergriffenen Maßnahmen, aber es ist nicht auszuschließen, dass die trotz weitgehend fehlender Evidenz ergriffenen Maßnahmen inzwischen größeren Schaden anrichten könnten als das Virus selbst.

Jegliche Maßnahmen sollten entsprechend wissenschaftlich begleitet werden, um den Nutzen und Schaden bzw. das Verhältnis von Nutzen und Schaden zu dokumentieren. Es werden insbesondere randomisierte Studien dringend benötigt um die politischen Entscheidungen angemessen zu stützen.

Der momentan zu verzeichnende Anstieg an Test-positiven ohne gleichzeitige Zunahme von Hospitalisierungen, Intensivbehandlungen und Todesfällen rechtfertige laut den Autoren zum aktuellen Zeitpunkt keine einschneidenden Maßnahmen, sofern diese nicht durch hochwertige Forschung vorab geprüft oder parallel begleitet sind.

Lesen Sie hier die komplette, 10-seitige Stellungnahme des EbM-Netzwerks mit allen epidemiologischen Statistiken und Literaturreferenzen.

  1. COVID-19: Wo ist die Evidenz?; Deutsches Netzwerk Evidenz- basierte Medizin e.V.; 10.09.2020.

Bildquelle: © gettyImages/nambitomo

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