18. Juni 2020

Covid-19

Genetisches Risiko auf zwei Chromosomen

Die Bedeutung der Blutgruppe beim Verlauf von Covid-19 ist in aller Munde. Dabei ist die Assoziation eines anderen Genlocus noch robuster. Lesen Sie hier die Zusammenfassung der Studie von David Ellinghaus und Kollegen, die kürzlich im NEJM erschienen ist.1

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Artikel basiert auf der Publikation von Ellinghaus et al. (2020), die im New England Journal of Medicine erschienen ist. Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera.

Italienische und spanische Patienten

Insgesamt 1980 hospitalisierte Patienten aus Italien und Spanien mit einer schweren Covid-19-Erkrankung wurden in der Studie untersucht und mit 2381 Kontrollprobanden verglichen, etwa 1000 davon waren Blutspender ohne Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung. Die restlichen Kontrollen stammten aus italienischen und spanischen Gendatenbanken.

Verschiedene Eskalationsstufen der Therapie

Untersucht wurden Patienten, die eine Atemunterstützung in jedweder Form benötigten, mindestens also durch Sauerstoffzufuhr, im Maximalfall per ECMO. Die Forscher untersuchten verschiedene Stellen der Erbsubstanz der Teilnehmer auf Einzel-Nukleotid-Polymorphismen (SNPs) in bestimmten Regionen, die vermeintlich einen Einfluss auf die Immunreaktion auf SARS-CoV-2 haben.

Neben fehlerhaften Daten wurden auch Gensätze ausgeschlossen, die nicht in die getestete Population passen („population outliers“), um eine möglichst homogene Stichprobe zu erhalten. Schließlich gingen 1610 Patienten-Datensätze und 2205 Kontrollen in die Analyse ein.

Sechs Gene auf Chromosom 3

Dabei entdeckten die Forscher zwei Genloci, die bei schwer Erkrankten mit hoher statistischer Signifikanz häufiger vorkamen. Auf dem Lokus 3p21.31 fiel eine Gruppe von 6 Genen auf.

Ein Risikoallel wurde identifiziert, das Patienten, die mechanische Atemunterstützung benötigten, signifikant häufiger aufwiesen als Patienten, die „nur“ Sauerstoff bekamen (p=0.0003). Außerdem waren die 19 Patienten, die homozygot für das Risikoallel waren, im Median 59 Jahre alt, während die anderen Patienten im Median 66 Jahre alt waren (p=0.005).

Im Preprint galt noch das Gen SLC6A20, das den Natrium/Iminosäuren-Transporter 1 (SIT1) kodiert, als ausschlaggebend für diesen Unterschied. In der NEJM-Publikation jedoch heißt es, dass eine kausative Zuordnung auf eines der 6 Gene nicht aus den Daten geschlossen werden könne.

Blutgruppe A als Risikofaktor

Bei den Blutgruppen schließlich fiel auf, dass die schwer Erkrankten signifikant häufiger Blutgruppe A aufwiesen als die Kontrollen. Die Forscher berechneten somit für Träger der Blutgruppe A eine Odds Ratio von 1.45 (95% KI, 1.20- 1.75, p=0.000148) für die Entwicklung einer schweren Covid-19-Erkrankung, während die Blutgruppe 0 als protektiv gilt (OR 0.65; 95% KI, 0.53 – 0.79; P=0.0000106). Diese Assoziationen blieben auch bei getrennter Betrachtung der spanischen und italienischen Gruppen bestehen.

Auch die HLA (Humanes Leukozyten-Antigen)-Region auf Chromosom 6 wurde gründlich untersucht. Allerdings fanden sich hier keinerlei Unterschiede zwischen den Gruppen.

Mögliche Verzerrungen

Damit ist diese Studie bereits die Dritte, wenn auch die erste mit einem Peer-Review, die eine Assoziation von Covid-19 mit dem AB0-System findet.2,3 Eine Verzerrung durch die Inklusion von gesunden Blutspendern könnten die Ergebnisse beeinflusst haben (Personen mit Blutgruppe 0 werden besonders zum Spenden animiert), doch die Autoren erklären, dass das Ausmaß nicht allzu groß sein dürfte.

Zudem steckt hinter der Auswahl der Kontrollgruppe das Problem, dass es sich grundsätzlich um Nicht-Infizierte handelt, während ein besserer Vergleich mit Infizierten mit milderen Symptomen gezogen werden könnte. Doch gerade dieses Problem scheint der Lokus auf dem 3. Chromosom nicht zu haben, da dieser auch innerhalb der Gruppe einen Unterschied in der Schwere der Erkrankung zeigte.

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