24. Juni 2021

Covid-19

Tofacitinib bessert Überlebenschancen bei stationären Patienten

Von JAK-Inhibitoren verspricht man sich, die überschießenden Immunreaktion bei einer schweren SARS-CoV-2-Infektion abzumildern und dadurch die Wahrscheinlichkeit eines respiratorischen Versagens zu vermindern und die Überlebenschancen zu verbessern. Dies kann auch mit dem Vertreter dieser Substanzklasse Tofacitinib gelingen, wie eine Phase 2- Studie jetzt gezeigt hat.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Immunsystem hoch aktiv

Schwere Covid-19-Maifestationen sind mit übermäßigen Immunreaktionen assoziiert, die durch Interleukin-6, TNF-alfa und andere Zytokine angetrieben werden. Als Januskinase (JAK)-Inhibitor greift oral verabreichtes Tofacitinib über verschiedene Mechanismen in diese inflammatorische Kaskade ein und könnte somit den Covid-19-Verlauf positiv beeinflussen.

In der doppelblinden randomisierten Multizenter-Studie der Arbeitsgruppe um Dr. Patrícia O. Guimarães vom Hospital Israelita Albert Einstein in Sao Paolo erhielten 289 hospitalisierte, noch nicht beatmete erwachsene Patienten (im Mittel 56 Jahre) mit einer bestätigten Covid-19-Pneumonie zusätzlich zur Standardtherapie (zumeist Sauerstoff, Glukokortikoide und Antikoagulation) entweder 10 %mg/d Tofacitinib oder Placebo. Die Behandlung erfolgte über bis zu 14 Tage bzw. bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus. Primärer Endpunkt waren respiratorisches Versagen mit Beatmungspflicht oder Tod innerhalb von 28 Tagen.

Todesfälle unter Tofacitinib halbiert

Diesen kombinierten Endpunkt erreichten 18,1 % der Patienten in der Tofacitinib-Gruppe im Vergleich zu 29,0 % in der Placebogruppe – dies entspricht einer Risikoreduktion um 37 %. Die Zahl der Todesfälle war in der Verumgruppe im Vergleich zu Placebo um die Hälfte reduziert (2,8 vs. 5,5 %). In der Subgruppenanalyse zeigte sich ein vergleichbares Ansprechen bei beiden Geschlechtern und über alle Altersgruppen.

Die Verträglichkeit des JAK-Inhibitors in dieser Indikation war gut. Schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 14,1 % der Patienten unter Tofacitinib auf, im Vergleich zu 12,0 % in der Placebogruppe. Besonders Augenmerk wurde auf das kardiovaskuläre Risikoprofil gelegt. Unter Tofacitinib wurde jeweils ein Fall von tiefer Venenthrombose, akutem Myokardinfarkt, ventrikulärer Tachykardie und Myokarditis beobachtet.

In der Kontrollgruppe kam es bei jeweils einem Patienten zu einem hämorrhagischen Schlaganfall und einem kardiogenen Schock. Schwere Infektionen traten in der Tofacitinib-Gruppe etwas seltener auf als unter Placebo mit (3,5 vs 4,2 %).

  1. Patrícia O. Guimarães et al; Tofacitinib in Patients Hospitalized with Covid-19 Pneumonia; N Engl J Med 2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2101643

Bildquelle: © gettyImages/Hispanolistic

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