01. Oktober 2021

Covid-19: Spezifische T-Gedächtniszellen als mögliche Therapieoption

Noch immer wird nach effektiven Therapien zur Behandlung einer Covid-19-Infektion gesucht. Eine Möglichkeit könnte eine passive Zell-Immuntherapie mit SARS-CoV-2-spezfischen T-Gedächtniszellen von genesenden Spendern sein. 1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Antivirale Substanzen und die Gabe von Rekonvaleszenten-Plasma haben bisher nicht den gewünschten Erfolg bei der Reduktion der Schwere der Symptome, der Hospitalisierungsrate und der Mortalität von Covid-19 gezeigt. Indikatoren für einen schweren Verlauf sind neben einer Pneumonie eine T-Zell-Lymphopenie, die möglicherweise auch ein therapeutisches Fenster darstellt.

In einer Phase-I-Dosis-Eskalationsstudie wurde jetzt überprüft, was SARS-CoV-2-spezfische T-Gedächtniszellen von genesenen Spendern in dieser Situation ausrichten können. Eingeschlossen wurden 9 Covid-19-Patienten mit einer Pneumonie und/oder Lymphopenie und mindestens einer HLA-Übereinstimmung mit dem Spender. Drei Patienten erhielten eine Infusion mit einer niedrigen Dosis an spezifischen T-Gedächtniszellen (1 × 105 Zellen/kg KG), drei mit einer mittleren Dosis (5 × 105 Zellen/kg KG) und drei die höchste Dosis (1 × 106 Zellen/kg KG).

Klinische Besserung ohne Zwischenfälle

Alle Teilnehmer zeigten sechs Tage nach der Infusion eine deutliche klinische Besserung und es traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. Die inflammatorischen Parameter stabilisierten sich nach der Infusion und innerhalb von zwei Wochen nach der Applikation der Gedächtniszellen erholten sich die Lymphozytenzahlen. Über mindestens drei Wochen nach der Infusion war ein Mikrochimärismus nachweisbar, d.h. die fremden Spenderzellen überlebten über diese Zeit im Organismus.

Für die Autoren ist damit belegt, dass die Gabe von SARS-CoV-2-spezfische T-Gedächtniszellen von genesenen Spendern zur Behandlung einer mittelschweren bis schweren Covid-19-Erkrankung machbar und sicher ist. Die Effektivität dieser Therapie soll jetzt in einer Phase-2-Studie überprüft werden.

  1. A. Pérez-Martínez et al; Phase I dose-escalation single centre clinical trial to evaluate the safety of infusion of memory T cells as adoptive therapy in COVID-19 (RELEASE); EClinicalMedicine (Lancet) (2021); 39; DOI: https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2021.101086

Bild: © GettyImages/RUBEN BONILLA GONZALO

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653