16. Oktober 2020

Covid-19-Pandemie

Welche Bedeutung haben Reinfektionen?

Die entscheidende Frage für den weiteren Verlauf der weltweiten Covid-19-Pandemie wird sein, wie gut und wie lange uns das Immunsystem vor einer Reinfektion schützt. Bei einigen Viren führt die erste Infektion zu einem lebenslangen Schutz – bei anderen, wie den saisonalen Erkältungs-Coronaviren, besteht nur eine kurzfristige protektive Immunität.1

Lesedauer: 3 Minuten

Die ersten bestätigten Fälle von Reinfektionen mit SARS-CoV-2 lassen nicht Gutes hoffen. Bisher sind 4 solcher Fälle publiziert, wie Akiko Iwasaki von der Yale University School of Medicine in New Haven, USA, berichtet. Bei keinem dieser 4 Fälle war eine vorher bestehende Immundefizienz bekannt und bei allen war die Reinfektion durch eine Genom-Sequenzierung bestätigt.

Weltweit 4 Fälle von Reinfektionen bestätigt

Der erste Fall trat in Hongkong bei einem 33-jährigen Mann auf, der zuerst eine milde Infektion mit fehlender Antikörper-Bildung hatte. 142 Tage später kam es zu einer erneuten, diesmal asymptomatischen Infektion, danach wurden IgG-Antikörper nachgewiesen.

Der zweite Fall betraf einen 25-jährigen Mann aus den USA, der im April 2020 eine milde PCR-bestätigte Infektion aufwies. Nach seiner Genesung in Quarantäne waren zwei PCR-Abstriche negativ, Antikörper wurden nicht untersucht. 48 Tage später erkrankte er erneut, die Genomsequenzierung des Virus ergab deutliche Unterschiede zum ersten Isolat. Bei ihm verlief die zweite Erkrankung schwerer und erforderte eine Hospitalisierung mit Sauerstoffgabe. Nach dieser Infektion waren IgM- und IgG-Antikörper nachweisbar.

Beim dritten Fall handelte es sich um eine 51-jährige Frau aus Belgien, die zuerst eine milde Infektion hatte. Bei ihr verlief die Reinfektion nah 93 Tagen noch leichter. Der vierte Fall war ein 46-Jähriger Mann aus Ecuador, der zuerst leicht und 63 Tage später noch einmal schwerer erkrankte. Hier waren die Antikörper wie bei dem Fall aus Hongkong zuerst negativ und dann positiv.

Bedeutung der Antikörper noch unklar

Auch wenn es sich andeutet, lässt sich bisher noch nicht sagen, ob ein negativer Antikörperbefund nach der ersten Infektion eine Reinfektion wahrscheinlicher macht, schreibt die Immunbiologin. Bei 2 der 4 Fälle waren bei Erstinfektion keine Antikörper gemessen worden. Die Untersuchung der Höhe und Spezifität der Antikörper gegen Spike-Proteine zum Zeitpunkt der Reinfektion wäre jetzt besonders wichtig, um festzustellen, ob die Reaktion des Immunsystems mit der Protektion korreliert.

Ebenfalls nicht beantworten lässt sich die Frage, ob eine Reinfektion leichter verläuft als die Erstinfektion. In 2 der Fälle war das der Fall, in den anderen beiden nicht. Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass Patienten mit Reinfektion in der Regel aufgrund von Symptomen erneut getestet werden. Aufgrund des begrenzten Zugangs zu Tests lässt sich somit nicht sagen, wie viele nicht erfasste asymptomatische Reinfektionen es möglicherweise gibt.

Auch weitere Fragen sind noch offen. Muss man z.B. alle unterschiedlichen Virusisolate durch einen eigenen Impfstoff abdecken? Bisher deutet noch nichts darauf hin, dass SARS-CoV-2-Varianten durch Immun-Umgehungsstrategien entstanden sind. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte somit ein Impfstoff alle zirkulierenden Varianten abdecken.

Reinfektionen weniger ansteckend?

Schützt die vorhandene Immunantwort bei Reinfektion zumindest vor einer Übertragung der Erkrankung auf andere? Dazu müsste man genauere Information über die Viruslast in den oberen Atemwegen haben. Der Ct-Wert (threshold cycle) bei der PCR korreliert mit der Viruslast, und könnte somit Auskunft über die Infektiosität geben.

Dieser Wert variiert aber stark zwischen verschiedenen Test und Laboratorien. Virale Plaque-Assays könnten ebenfalls zur Quantifizierung herangezogen werden – sie benötigen aber Laboreinrichtungen der Sicherheitsstufe 3 und sind daher nichts für die Routinediagnostik.

Das Fazit der Autorin: Die Fälle von Reinfektionen zeigen uns, dass wir uns nicht auf eine Immunität durch die natürliche Infektion und eine damit einhergehende Herdenimmunität verlassen können. Dafür sind sehr effektive Impfstoffe und die Implementation durchdachter und stabiler Impfprogramme notwendig.

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