19. November 2021

Antikoagulation verbessert bei schweren Covid-19-Verläufen die Prognose

Menschen mit einem schweren Covid-19-Verlauf entwickeln häufig einen prokoagulatorischen Status mit diffusen mikrovaskulären Thromben in multiplen Organen. Diese Komplikation ist mit der Schwere der Erkrankung assoziiert und wird bei Covid-19 deutlich häufiger beobachtet als bei anderen kritisch kranken Patientinnen und Patienten. 1

Lesedauer: 1 Minute

Autorin: Maria Weiß

Als mögliche Ursachen nennen Vincenzo Carfora von der University of Campania „Luigi Vanvitelli” in Neapel, Italien, und sein Team in einem Review ein Zusammenspiel von SARS-CoV-2-bedingter endothelialer Dysfunktion, Zytokinsturm und Hyperaktivierung der Komplement-Kaskade.

Hohe Rate an Lungenembolien bei Covid-19

Bei Patientinnen und Patienten mit Covid-19 auf der Intensivstation findet man eine besonders hohe Rate an Lungenembolien, die zweimal höher ist als z.B. bei Menschen mit Influenza mit respiratorischem Versagen. Die typischerweise assoziierte tiefe Beinvenenthrombose fehlt dabei oft. Das Autorenteam empfiehlt daher, bei einer nicht allein durch die respiratorische Situation erklärlichen Hypoxämie und einer unerwarteten Dysfunktion des rechten Ventrikels bei diesen Patienten immer an die Möglichkeit einer Lungenembolie zu denken.

Frühe Antikoagulation mit Heparin kann Prognose verbessern

Man geht heute übereinstimmend davon aus, dass eine frühzeitige Antikoagulation mit niedermolekularen Heparinen (LMWH) die Prognose von Personen mit Covid-19 unabhängig von den üblichen Scores zur Bestimmung des venösen Thromboembolie-Risikos verbessern kann.

Das Autorenteam empfiehlt dazu folgendes Vorgehen:

  • Ambulante Patientinnen und Patienten ohne Zeichen einer Pneumonie: LMWH (4000 IU/24 h) nur bei PADUA ≥ 4 oder CAPRINO ≥ 10, sonst keine Antikoagulation
  • Mittelschwerer Verlauf: LMWH 4000 – 6000 IU/24 h
  • Schwere Fälle und kritischer Verlauf: Bei ISTH-DIC-Score < 5: LMWH 4000 – 6000 IU/24; Bei ISTH-DIC-Score ≥ 5: LMWH 100 IU/kg q 12 h

Hier ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen – es sollten nach Meinung der Autorinnen und Autoren weitere Studien zum optimalen Antikoagulationsregime und dem Einsatz anderer Medikamente wie z.B. Thrombozytenaggregationshemmer durchgeführt werden.

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  1. Carfora et al.: „Anticoagulant treatment in COVID-19: a narrative review“ in Journal of Thrombosis and Thrombolysis (2021)

Bildquelle: © Getty Images/Hailshadow

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