04. November 2021

Covid-19

Antidepressivum Fluvoxamin scheint im Frühstadium Verlauf positiv zu beeinflussen

Immer noch fehlen Medikamente, die bei gefährdeten Risikopersonen einen schweren Verlauf mit Hospitalisierung zuverlässig verhindern. Ein möglicher Kandidat könnte das Antidepressivum Fluvoxamin sein. Außerdem: Eine neue Corona-Pille verhindert nach Angaben des Herstellers Pfizer erfolgreich schwere Krankheitsverläufe. 1-3

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß, Redaktionelle Bearbeitung: Dr. Linda Fischer

Der seit Ende der 1980er Jahre zur Behandlung von Depressionen eingesetzte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) hat in Laborstudien auch antientzündliche Effekte gezeigt. Möglicherweise wird auch die Virusreplikation gehemmt. Bereits 2020 wurde Fluvoxamin (3×100 mg/d) in den USA bei 152 ambulanten Covid-19-Erkrankten versus Placebo untersucht – mit positivem Ergebnis. Keiner der mit Fluvoxamin behandelten Personen entwickelten Atemnot oder musste hospitalisiert werden – in der Placebogruppe waren es 8,3 %.  

Deutlich weniger Besuche auf der Notaufnahme

Diese Ergebnisse konnten jetzt in der größeren TOGETHER-Studie im Prinzip bestätigt werden. 1.497 ambulante Personen aus Brasilien mit einer frühen Covid-19-Erkrankung und mindestens einem Risikofaktor für einen schweren Verlauf erhielten hier über 10 Tage entweder zweimal täglich 100 mg Fluvoxamin oder Placebo. Primärer Endpunkt war eine klinische Verschlechterung mit Besuch einer Notfallaufnahme (wo die Betroffenen über mindestens sechs Stunden beobachtet wurden) oder mit einer Hospitalisierung. Dieser Endpunkt wurde in der Fluvoxamin-Gruppe von 79 von 741 Personen (11 %) erreicht – in der Placebo-Gruppe waren es 199 von 756 Personen (16 %). Dies entspricht einer relativen Risikoreduktion um 32 %.  Der signifikante Unterschied war vor allem auf eine niedrigere Zahl von Menschen zurückzuführen, die auf der Notfallaufnahme beobachtet werden mussten (1 % vs. 5 %), entsprechend einem relativen Risiko von 0,19.

Die Unterschiede bei den notwendigen Hospitalisierungen (10 vs. 13 %) und bei der Sterblichkeit (2 vs. 3 %) waren nicht signifikant. Wurden allerdings nur die Personen in die Analyse mit einbezogen, die mindestens 80 % der Tabletten eingenommen hatten (per-Protokoll-Analyse), ergab sich eine hochsignifikante Reduktion der Sterblichkeit (OR 0,09). Solche Analysen sind aber fehleranfällig, z.B. weil schwerstkranke Menschen kurz vor ihrem Tod die Tabletten nicht mehr einnehmen und rausfallen.

Einen wesentlichen Vorteil sehen die Autorinnen und Autoren in den niedrigen Behandlungskosten von unter 20 Euro für die zehntägige Therapie. Damit hätte man auch eine Alternative für ärmere Länder, die sich die wesentlich teureren Therapien mit Antikörpern oder Remdesivir nicht leisten können. 1,2

Corona-Medikament von Pfizer: Hohe Wirksamkeit im Test

Eine neue Corona-Pille verhindert nach Angaben des Herstellers Pfizer sehr erfolgreich schwere Krankheitsverläufe bei Hochrisikopatienten. Eine Zwischenanalyse von Testergebnissen habe ergeben, dass das Medikament namens Paxlovid das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-19-Erkrankten um 89 % senke, teilte Pfizer am Freitag in New York mit. Das gelte bei Behandlungen innerhalb von drei Tagen nach den ersten Covid-19-Symptomen, ähnliche Werte hätten sich bei Behandlungen innerhalb von fünf Tagen ergeben.

Daten sollen bald bei FDA eingereicht werden

Pfizer sprach von einer „überwältigenden Wirksamkeit“, die diese Ergebnisse zeigten. Das Unternehmen plane nun, die Daten für eine Notfallzulassung baldmöglichst bei der Arzneimittelbehörde FDA einzureichen. Das oral einzunehmende, antivirale Medikament habe im Fall einer Zulassung das Potenzial, „das Leben von Patienten zu retten, den Schweregrad von Covid-19-Infektionen zu verringern und bis zu neun von zehn Krankenhausaufenthalten zu vermeiden“.

Britische Behörde ließ am Donnerstag Molnupiravir zu

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte am Donnerstag erstmals eine Tablette zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Das antivirale Mittel Lagevrio (auch bekannt unter dem Namen Molnupiravir) sei sicher und effektiv bei der Verminderung des Risikos von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-Erkrankten mit milden und mittelschweren Verläufen, hieß es in einer Mitteilung der britischen Regierung. Es handele sich um das weltweit erste zugelassene antivirale Mittel zur oralen Einnahme gegen Covid-19.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte Ende Oktober angekündigt, den Einsatz von Molnupiravir zu prüfen. Auch die US-Behörde FDA hat ein Zulassungsverfahren für das Mittel eingeleitet. Die EMA prüft zudem sieben weitere mögliche Corona-Mittel. 3

  1. Gilmar Reis et al; Effect of early treatment with fluvoxamine on risk of emergency care and hospitalisation among patients with COVID-19: the TOGETHER randomised, platform clinical trial; Lancet Glob Health (2021); DOI: https://doi.org/10.1016/ S2214-109X(21)00448-4´
  2. COVID-19: SSRI-Antidepressivum Fluvoxamin erneut in Studie im Frühstadium wirksam; Deutsches Ärzteblatt
  3. dpa, 05.11.2021

Bildquelle: © gettyImages/d3sign

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653