09. April 2021

Ciclosporin und Pelitinib

Präklinische Untersuchungen liefern Wirkstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie wird weltweit fieberhaft nach Substanzen gesucht, die gegen Infektionen mit SARS-CoV-2 wirksam sein könnten. Zwei Forscherteams aus den USA und Deutschland sind jetzt in präklinischen Screeninguntersuchungen auf zwei mögliche Wirkstoffkandidaten gestoßen, deren Wirksamkeit in weiteren Studien überprüft werden soll.1,2

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß

Screening Tausender Substanzen

Mehrere Wirkstoffe wie z.B. Hydroxychloroquin oder Remdesivir, die im Labor gegen SARS-CoV-2 wirksam waren, haben in klinischen Studien dann keinen Effekt gezeigt. Möglicherweise weil die falschen Zelltypen für die Experimente genutzt wurden, vermuteten die US-Forscher um Mark Dittmer.

Während früher zumeist auf Verozellen aus den Nieren der Äthiopischen Grünmeerkatze gesetzt wurde, verwendeten die Forscher jetzt für ihre Experimenten humane respiratorische Zellen (Calu-3-Zellen), die von Lungenkrebspatienten abstammen.

In diesen Zellen wurde für über 3.000 chemische Verbindungen (darunter 1.000 zugelassene Medikamente) die Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2-getestet.

Neun dieser Wirkstoffe konnte die Replikation von SARS-CoV-2 in den Calu-3-Zellen signifikant hemmen. Darunter waren ein in der Veterinärmedizin eingesetztes Antibiotikum (Salinomycin), zwei Kinase-Inhibitoren (Dacomitinib und Bemcentinib), das Antihistaminikum Ebastin sowie das Immunsuppressivum Ciclosporin, das vor allem nach Organtransplantationen eingesetzt wird.

Insbesondere Ciclosporin sehen die Forscher als Hoffnungsträger, da es nicht nur die SARS-CoV-2-Replikation hemmen kann, sondern auch antiinflammatorisch wirkt und ähnlich wie Dexamethason Überreaktionen des Immunsystems ausbremsen könnte. Eine kleinere Phase-I-Studie mit 20 Covid-19-Patienten wurde bereits begonnen.

Auch Röntgenscreening liefert Wirkstoffkandidaten

Einen anderen Forschungsansatz verfolgte eine Forschungsgruppe am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg. In einem sogenannten Röntgenscreening wurde die dreidimensionale Struktur von fast 6.000 bereits zugelassenen Wirkstoffen dargestellt. Dies gibt Auskunft über eine mögliche Bindung an Virusproteine.

37 Substanzen konnten auf diese Weise identifiziert werden, die an das Schlüsselprotein (Hauptprotease Mpro) des SARS-CoV-2-Virus binden. Für fünf dieser Stoffe wurde dann in Zellversuchen tatsächlich eine Hemmung der Replikation von SARS-CoV-2 gezeigt.

Am vielversprechendsten waren die Ergebnisse für den Calpain-Inhibitor Calpeptin und den Tyrosinkinase-Inhibitor Pelitinib. Diese Stoffe werden jetzt in präklinischen Experimenten weiter untersucht.

  1. Mark Dittmar et al. Drug repurposing screens reveal cell-type-specific entry pathways and FDA-approved drugs active against SARS-Cov-2; Cell Reports 2021; 35, 108959 DOI: https://doi.org/10.1016/j.celrep.2021.108959
  2. Sebastian Günther et al. X-ray screening identifies active site and allosteric inhibitors of SARS-CoV-2 main protease; Science 2021; eabf7945; DOI: 10.1126/science.abf7945

Bildquelle: © gettyImages/Bacsica

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