09. Dezember 2021

Charité im Pandemie-Modus – so werden psychische Belastungen des Personals aufgefangen

Als Schwerpunktklinik versorgt die Berliner Charité besonders viele schwerkranke Corona-Patienten – für Pflegekräfte und Ärzte bedeutet dies eine über fast zwei Jahre anhaltende starke psychische Belastung.1

Lesedauer: 2 Minuten

Autorin: Maria Weiß

Pandemie psychisch enorm belastend

Prof. Dr. Matthias Rose, Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik an der Charité erklärt in einem Interview mit der ÄrzteZeitung, wie sich die Belastungen während der Pandemie geändert haben, wer besonders betroffen ist und wie man Unterstützung bieten kann.

Im Laufe der Pandemie hat der Anteil von psychisch belasteten Mitarbeitern deutlich zugenommen. In der ersten Welle stand die Angst, sich selbst zu infizieren und schwer zu erkranken, noch im Vordergrund – das hat sich durch die Impfung geändert. Zu Beginn der Pandemie wurde die Situation noch als gemeinsame Herausforderung begriffen, was mit unbürokratischen Lösungen und hoher gesellschaftlicher Anerkennung verbunden war.

Dies ist inzwischen mehr in den Hintergrund getreten. Im letzten Winter, wusste man schon mehr, was auf einen zukommt. Inzwischen erweise sich jetzt die Wahrnehmung, dass die politische Akzeptanz der Maßnahmen priorisiert wird vor der Verhinderung der Überlastung des Gesundheitssystems, als schwierig.

Erschöpft, frustriert und müde

Besonders belastend sind als Überlastung und Bedrohung empfundene Situationen, die vor allem dann entstehen, wenn medizinisches Personal aus der Routineversorgung in den Intensivbereich versetzt wird oder neue, noch nicht so eingespielte Teams zusammengestellt werden. Auf den Normalstation macht sich das fehlende Personal bemerkbar, was auch mit zusätzlichen Belastungen verbunden ist. Die hohe psychische Belastung äußert sich vor allem in Erschöpfung, Frustration und Müdigkeit.

Psychologen von Anfang an mit ins Team holen

Wichtig ist ein möglichst vorbeugender Ansatz – wenn sich jemand meldet, weil er nicht mehr kann, ist es eigentlich schon zu spät. An der Charité hat man dies schon vor der Corona-Pandemie erkannt und auf den Intensivstationen Psychologinnen und Psychologen ins Team integriert. Diese betreuen nicht nur Patienten und Angehörige in dieser besonderen Belastungssituation – sie haben quasi ganz nebenbei im Pausenraum auch ein Ohr für die Sorgen und Nöte des Personals. Darüber hinaus werden in der gesamten Charité Einzelfallbesprechungen und therapeutische Unterstützung für die Mitarbeiter angeboten.

Wenn Ärzte oder Pflegende das Gespräch suchen, weil sie nicht wissen, wie sie dauerhaft mit der Situation auf der Intensivstation zurechtkommen sollen, gilt es ihnen klar zu machen, dass sie nicht die Welt retten müssen, sondern ihren Job nur so gut machen müssen, wie es eben geht, sagte Prof. Rose. Dabei muss die Grenze akzeptiert werden, dass man manche Menschen trotz aller Bemühungen nicht retten kann.

  1. Supervision an der Kaffeetasse – Wie die Charité ihren COVID-Kräften Beistand leistet; ÄrzteZeitung

Bildquelle: © gettyImages/Hinterhaus Productions

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Jeremy Schneider, Blake DeSimone
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653