12. März 2021

SARS-CoV-2

Britische Variante mehr als 60% tödlicher

Bislang war bekannt, dass die B.1.1.7-Variante von SARS-CoV-2 eine höhere Infektiosität als das Ursprungsvirus hat. Neue Daten aus Großbritannien zeigen nun auch eine erhöhte Mortalität.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Christoph Renninger

Fast 110.000 Infizierte untersucht

Abb.1 Algorithmus zur Auswahl der analysierten Personen

Zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 wurden in lokalen Covid-19-Teststationen in Großbritannien fast eine Million Infektionen bei Personen über 30 Jahren nachgewiesen und auf Mutationen des Spikeproteins analysiert (Abb.1). Bei 109.812 von ihnen wurde zur Hälfte die Variante B.1.1.7 nachgewiesen, bei der anderen Hälfte die Ursprungsvariante von SARS-CoV-2. Hinsichtlich des Alters, des Geschlechts, der Ethnie, Region und des sozioökonomischen Status waren die Gruppen angepasst.

Alle Personen wurden 14 Tage nach dem positiven Testresultat nachverfolgt, 85% davon über einen Zeitraum von 28 Tagen. Von den analysierten Infizierten verstarben innerhalb von 4 Wochen nach dem Test 367 Personen (0,3%). Die Verstorbenen waren im Allgemeinen älter (66,9 Jahre vs. 46,3 Jahre bei den Überlebenden) und mehrheitlich Männer.

Deutliche erhöhte Mortalität durch Variante

Unter den 54.906 Personen mit der B.1.1.7-Variante (S-Gen negativ) verstarben 227. Von den 54.906 Personen mit der Ursprungsform (S-Gen positiv) waren 141 nach 28 Tagen nicht mehr am Leben.

Abb.2 Kaplan-Meier-Kurve für das vorherige SARS-CoV-2 (blau) und die B.1.1.7-Variante (gelb)

Die Mortalität war in der Varianten-Gruppe somit um 64% signifikant erhöht (Hazard Ratio 1,64; 95%-KI 1,32-2,04; p<0,001). Die Rate an Todesfällen unterschied sich zunehmend ab dem 14. Tag nach der positiven Testung (Abb.2).

Ein möglicher Bias durch das Alter, die Situation in den Kliniken und der Testzeitraum wurde durch die kontrollierte Zusammensetzung der Gruppen weitgehend ausgeschlossen.

Da es sich um Testergebnisse aus kommunalen Zentren handelt, liegen keine Analysen von hospitalisierten Patienten vor. Auch zu Komorbiditäten lagen keine Informationen vor.

Variante auch in Deutschland auf dem Vormarsch

Zuvor konnte bereits gezeigt werden, dass die inzwischen in Großbritannien dominante Variante eine erhöhte Übertragbarkeit hat. Die Reproduktion ist im Vergleich zu vorherigen Varianten um 43-90% erhöht.2

In Großbritannien ist B.1.1.7 seit Ende Dezember für den Großteil der SARS-CoV-2-Infektion verantwortlich. Im März berichtete das Robert-Koch-Institut, dass bei etwa 55% der SARS-CoV-2-Infizierten die britische Variante nachgewiesen wurde – mit steigender Tendenz.3 Ende Januar waren es lediglich 6% gewesen.

Weshalb die Variante des Virus, welche 17 charakteristische Mutationen aufweist, eine höhere Übertragbarkeit und Mortalität zeigt, ist noch unklar. Durch die Veränderungen im Virusgenom verändern sich die Bindung an Angiotensin Converting Enzyme 2 (ACE2) und die virale Replikation.

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