25. Juni 2021

1. Pandemiewelle: Angst & Depression medizinischer Fachkräfte

Aus einer Online-Befragung an 1061 Ärztinnen und Ärzten in Deutschland geht hervor, wie diese die erste Welle überstanden haben. Dabei waren sie anscheinend resilienter als Otto-Normalbürger – ob dies auch im weiteren Pandemieverlauf so war, bleibt allerdings noch offen.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera

Befragung zum Ende des 1. Lockdowns

Wie coliquio bereits berichtete, untersuchen die Universitätsklinika Erlangen, Bonn, Ulm, Köln und Dresden die Belastung der medizinischen Fachkräfte während der COVID-19-Pandemie. Derzeit befindet sich die Studie in ihrer 3. Befragungswelle. Im Journal of Psychosomatic Research haben die Forscherinnen und Forscher Ergebnisse aus der ersten Befragung publiziert. Diese fand zum Ende des ersten Lockdowns (20.04. – 05.07.) statt.

Insgesamt 8071 Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal sowie Medizinisch-technische Angestellte (MTA) nahmen an der ersten Online-Befragung teil. Im vorliegenden Paper sind die Ergebnisse von Angestellten an Universitätskliniken (n=2290) und Häusern der Maximalversorgung (n=1388), davon 1061 Ärztinnen und Ärzte. Von letzteren waren insgesamt 60% männlich.

Nur 10% der Mitarbeitenden nahmen teil

Von den angefragten Mitarbeitenden nahmen lediglich 10% der Ärztinnen und Ärzte sowie 9% der Pflegenden teil, dafür aber 24.5% der MTA. Mit 77 Fragen wurden die Lebens- und Arbeitsumstände der Teilnehmenden erhoben und depressives Erleben als auch Ängste abgefragt.

Ein Sechstel der Ärztinnen und Ärzte waren deutlich belastet

Unter den Ärztinnen und Ärzten berichteten 17% über klinisch signifikante depressive Symptome, knapp 18 % über klinisch signifikante Angst-Symptome. Damit berichtete diese Gruppe immer noch weniger emotionale Belastung (zumindest auf diesen Skalen) als Pflegende und MTA. Alle untersuchten Gruppen schnitten in diesen Bereichen besser ab als die deutsche Allgemeinbevölkerung zur gleichen Zeit, aber schlechter als die Bevölkerung vor der Pandemie.

Über ihre Arbeitsbedingungen berichteten die Mitarbeitenden:

  • 69,5% können ihren Teamkollegen in schwierigen Situationen vertrauen
  • Nur 38,6% können sich in ihrer Freizeit ausreichend erholen
  • 51,5 % berichten über genügend Mitarbeiter
  • 47,1 % haben ausreichende persönliche Schutzausrüstung
  • Nur 23,2 % arbeiten definitiv mehr als vor der Pandemie

Über ihr psychisches Wohlergehen berichteten sie folgendes:

  • Knapp 28% hatten Angst davor, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren (weitere 24% stimmten weder zu noch lehnten diese Aussage ab)
  • 54% hatten Angst, ihre Angehörigen zu infizieren
  • 36,5% fühlten sich durch die behördlichen Anordnungen geschützt
  • 40% fühlten sich durch die Maßnahmen des Krankenhauses geschützt
  • Knapp 29% hatten Probleme beim Schlafen
  • 42% fühlten sich körperlich oder mental erschöpft
  • 10 % rauchten mehr als zuvor
  • 11% tranken mehr Alkohol
  • Nur sehr wenige nahmen eine höhere Dosis Antidepressiva oder Beruhigungsmittel

Anhand der Daten berechnete das Forscherteam, dass gerade ein erhöhter Alkoholkonsum und mangelnde Erholung in der Freizeit depressives Erleben vorhersagen konnten. Das gleiche gilt auch für Ängstlichkeit, wobei auch die Furcht vor einer Ansteckung hier ein große Rolle spielt.

Medizinische Fachkräfte sollten Unterstützung erhalten

Auf Grundlage der Daten, die von einer deutlichen Belastung des medizinischen Personals zeugen, empfehlen die Forscherinnen und Forscher, unterstützende Angebote für die Betroffenen zu etablieren. Zudem spiegelt die Umfrage den Status zu Beginn der mittlerweile 16 Monate andauernden Krise wider – wie sich die Situation im weiteren Verlauf entwickelte, werden die Daten der 2. Befragungswelle zeigen. Zudem stellt sich die Frage, wie die niedrige Rücklaufquote von 10% der Mitarbeitenden zu interpretieren ist.

Derzeit befindet sich die VOICE-Studie bereits in der 3. Befragungsrunde. Wenn auch Sie teilnehmen möchten, klicken Sie hier.

  1. Morawa E, Schug C, Geiser F, et al. Psychosocial burden and working conditions during the COVID-19 pandemic in Germany: The VOICE survey among 3678 health care workers in hospitals. J Psychosom Res. 2021;144:110415.

Bildquelle: © Getty Images/Tempura

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