04. Dezember 2020

Asthma, COPD & Covid-19

In 13 Patientenfällen zum Covid-19-Risiko

Zwei deutsche pneumologische Fachgesellschaften erläutern in einer neuen Stellungnahme anhand von 13 Patientenfällen, wie das individuelle Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei Lungenkranken einzuschätzen ist.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Bisheriger Wissenstand zusammengefasst

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) hat das Positionspapier gemeinsam mit dem Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner e. V. (BdP) veröffentlicht. Darin wird der bisherige Wissensstand zusammengefasst, wie Vorerkrankungen das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf beeinflussen und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind.

Asthma allein kein Risikofaktor

Für die große Gruppe der Asthma-Patienten etwa könne weitgehend Entwarnung gegeben werden – Asthma gleich welchen Schweregrades habe sich in bisherigen Studien nicht als eigenständiger Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf erwiesen. Allerdings könne eine Anpassung der Medikation ratsam sein: „Es gibt Hinweise darauf, dass hoch dosierte inhalative Steroide, ebenso wie eine systemische Steroidtherapie das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen“, sagt Lommatzsch. Hier biete sich eine Umstellung auf eine Therapie mit Biologika an. Niedrig- oder mittelhochdosierte inhalative Steroide (dies betrifft die übergroße Mehrheit aller Patienten mit Asthma) seien dagegen unbedenklich.

Sarkoidose & interstitielle Lungenkrankheiten

Ähnliche Empfehlungen gelten auch für die Therapie von chronischen Erkrankungen wie der Sarkoidose oder bestimmten anderen interstitiellen Lungenerkrankungen. „Auch hier wird die Fortführung der immunsuppressiven oder immunmodulatorischen Therapie mit der niedrigsten noch wirksamen Dosis in jedem Fallempfohlen“, sagt Professor Dr. med. Torsten Bauer, stellvertretender Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapieres. Bei einer Unterbrechung der Therapie sei davon auszugehen, dass der Schaden durch eine Verschlechterung der Grunderkrankung den Nutzen in Bezug auf das Covid-19-Risiko überwiege. Lediglich bei nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion könne die Therapie kurzfristig pausiert werden.

Begleiterkrankungen machen großen Teil des Risikos aus

Trotz der immer besser werdenden Datenlage bleibt die Risikoabschätzung für die verschiedenen Lungenerkrankungen, die das DGP-Statement anhand von 13 konkreten Fällen und Fragen praxisnah beleuchtet, kompliziert: Denn für das Covid-19-Risiko spielt die Lungenerkrankung selbst oft nicht die wichtigste Rolle. Selbst das Vorliegen einer COPD, die bereits früh als eigenständiger Risikofaktor genannt wurde, erhöht die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs für sich genommen nur mäßig. „Hier liegen jedoch häufig Begleiterkrankungen und zusätzliche Risikofaktoren vor, deren Effekt nur schwer von dem der Lungenschädigung zu trennen ist“, erklärt Professor Dr. med. Michael Pfeifer, Präsident der DGP. Die Patienten seien meist älter, viele wiesen auch Herz-Kreislauf-Risikofaktoren auf – „allein dadurch ist das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich erhöht.

Auch Allgemeinzustand ist entscheidend

Auch das Stadium der Erkrankung oder der Allgemeinzustand des Patienten –etwa bei Krebspatienten – beeinflusst das individuelle Covid-19-Risiko erheblich. Einen vorbeugenden Daueraufenthalt zu Hause empfehlen die DGP-Experten jedoch selbst bei erhöhtem Risiko profil nicht. „Dieser ist meist nicht erforderlich und angesichts der vielen positiven Aspekte von körperlicher Bewegung auch nicht sinnvoll“, so Pfeifer. Die vom RKI empfohlenen Hygiene- und Abstandsregeln seien allerdings für all diese Patientenkonsequent einzuhalten. Je nach Risikokonstellation und in Absprache mit dem Arzt können auch FFP-Masken getragen werden. Außerdem sollte Lungenpatienten unbedingt zu einer Impfung gegen Pneumokokken geraten werden.

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