17. März 2021

Astrazeneca-Covid-19-Impfung

PEI: Häufige Fragen und Antworten zum Impfstopp

Warum wurde das Impfen mit dem Covid-19-Impfstoff der Firma Astrazeneca ausgesetzt? Wie schwerwiegend sind die Verdachtsfälle von Nebenwirkungen? Wer ist betroffen? Antworten auf diese und weitere Fragen beantwortet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

Lesedauer: 4 Minuten

Warum wurde das Impfen mit dem Impfstoff Astrazeneca ausgesetzt?

Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet von 7 Verdachtsfällen einer Nebenwirkung (Stand 15.03.2021), die in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca aufgetreten sind. Dabei handele es sich um eine spezielle Form von schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen. Die Experten und Expertinnen sehen hier ein erkennbares Muster und halten einen Zusammenhang der gemeldeten Erkrankungen mit der Astrazeneca-Impfung für plausibel.

Aus diesem Grund hat das PEI empfohlen, die Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca in Deutschland vorsorglich auszusetzen, um die Fälle weiter zu analysieren. Die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) wird vermutlich am Donnerstag (17.03.2021) prüfen, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf das Nutzen-Risiko-Profil des Astrazeneca-Covid-19-Impfstoffs und die EU-Zulassung des Impfstoffes auswirken.

WHO hält weiter am Impfstoff fest: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt indes den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs vorerst weiter (Stand 17.03.2021). Aus ihrer Sicht überwiegen die Vorteile die Risiken.

Wie schwerwiegend sind die Verdachtsfälle von Nebenwirkungen?
Wer ist betroffen?

Es handelt sich um 7 Verdachtsfälle (Stand 15.03.2021) von einer sehr seltenen und speziellen Form schwerwiegender Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombose) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen.

  • Von den 7 betroffenen Personen sind 3 verstorben.
  • Die Betroffen waren zwischen 20 und 50 Jahren alt.
  • 6 von ihnen (alle Frauen) wiesen eine Sinusvenenthrombose auf. Ein weiterer Fall mit Hirnblutungen bei Mangel an Blutplättchen und Thrombosen war medizinisch sehr vergleichbar. Die Fälle traten zwischen 4 und 16 Tagen nach der Impfung mit Astrazeneca auf.
  • Die Anzahl dieser Fälle nach der Astrazeneca-Impfung ist statistisch signifikant höher als die Anzahl von Hirnvenenthrombosen, die normalerweise in der Bevölkerung ohne Impfung auftreten. Dazu wurde eine Observed-versus-Expected-Analyse vorgenommen, bei der die Anzahl der ohne Impfung erwarteten Fälle in einem Zeitfenster von 14 Tagen der Anzahl der gemeldeten Fälle nach etwa 1,6 Millionen Astrazeneca-Impfungen in Deutschland gegenübergestellt wurde. Etwa ein Fall wäre zu erwarten gewesen, 7 Fälle waren gemeldet worden.
  • Der betroffene Personenkreis in jüngerem bis mittlerem Alter entspricht nicht den Personenkreis für Risikopatienten für einen schweren oder gar tödlichen Covid-19-Verlauf.

Ob ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und der Erkrankung besteht, wird aktuell untersucht.

Bei Anti-Baby-Pillen sind auch Thrombosen möglich. Was ist jetzt anders?

Auch für “die Pille” sind Thrombosen, auch mit tödlichem Verlauf, als sehr seltene Nebenwirkung bekannt, erläutert das PEI. Sie sind in der Patienteninformation aufgeführt. Die Anti-Baby-Pille ist verschreibungspflichtig. Jede Frau muss von der verordnenden Ärztin bzw. von dem verordnenden Arzt über dieses Risiko aufgeklärt werden. Der aktuell bestehende Verdacht auf die sehr seltene Nebenwirkung nach einer Astrazeneca-Covid-19-Impfung ist hingegen bislang nicht in der Patienteninformation aufgeführt.

Die Abwägung, ob der Impfstoff weiterhin genutzt werden kann, obwohl er möglicherweise diese sehr seltene Nebenwirkung verursacht (ggf. nach Ergänzung dieses Risikos in der Fach- und Patienteninformation) wird auf europäischer Ebene durch die Europäische Arzneimittelagentur ( EMA) und auf nationaler Ebene durch die Politik getroffen werden. Das Verfahren ist eingeleitet.

Was tun, ich eine Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca erhalten habe?

Personen nach einer Covid-19-Impfung mit Astrazeneca, die sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, und etwa starke und anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen entwickelnt, sollten sofort zum Arzt gehen.

Kann nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca, mit einem anderen Impfstoff geimpft werden?

Grundsätzlich wird empfohlen, den Impfschutz gegen Covid-19 durch vollständige Impfung mit einem Impfstoff herzustellen, bei Astrazeneca also mit zwei Impfungen. Zwar ist die Impfung aktuell ausgesetzt, aber die Entscheidung, ob die beobachteten Fälle in der Nutzen-Risiko-Bewertung durch die Europäische Arzneimittelagentur tatsächlich ein dauerhaftes Aussetzen der Impfung zur Folge haben, bleibt abzuwarten. Zudem liegen derzeit noch keine Daten zu einer Kombination verschiedener Impfstoffe vor. Aktuell laufen hierzu Studien.

Aus diesen Gründen sollte derzeit der Impfschutz nicht mit einem anderen Impfstoff komplettiert werden. Zudem hat der Körper nach der Erstimpfung bereits einen gewissen Schutz gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 entwickelt. Vor dem Hintergrund, dass der Impfabstand zwischen den beiden Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca 12 Wochen betragen soll und auch ein Überschreiten des Impfabstands nicht dazu führt, dass die Impfung nicht mehr wirkt, können in Ruhe die Ergebnisse der aktuellen Überprüfung abgewartet werden.

  1. Paul-Ehrlich-Institut, 16.03.2021: Aussetzung Impfung Astrazeneca

Bild: © GettyImages/peterschreiber.media

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