22. April 2020

Covid-19

Risiken für Schwangerschaft und Kinder

Hier haben wir für Sie einige Fragen zum Thema Schwangerschaft und Kinder zusammengestellt.

Stand: 22.04.2020

Weshalb erkranken Kinder nicht so schwer?

  • In einer Studie aus China wird berichtet, dass laut ersten Statistiken der Anteil von Kindern bei bestätigten Covid-19-Fällen tatsächlich unter einem Prozent lag. Aus Sicht der Autoren ist dies eher ungewöhnlich, da Kinder eigentlich besonders anfällig für Atemwegsinfektionen sind und auch eher als Erwachsene mit hohem Fieber reagieren.
    Ihre Vermutung: Möglicherweise wurden Covid-19-Infektionen häufiger übersehen, da Kinder in der Regel keine prädisponierenden Faktoren für schwere Verläufe wie Diabetes Hypertonie oder Herzerkrankungen aufweisen.

    Als eine weitere mögliche Erklärung, weshalb Kinder weniger anfällig für bestimmten Viren sind, wird in einer weiteren Publikation außerdem diskutiert:

    • Rezeptoren, die zur Andockung des Virus an Körperzellen benötigt werden, sind weniger stark exprimiert oder entwickelt.
    • Das Immunsystem spricht weniger stark auf die Virusinfektion an und die Symptome

Wie geht man mit dem Wunsch nach AU bei Schwangeren um?

  • Aus arbeitsrechtlicher Sicht reicht die Befürchtung, sich bei der Arbeit anzustecken, nicht aus, um der Arbeit fernzubleiben. [Link]  

    So gibt es derzeit keinen Hinweis, dass Schwangere durch das Coronavirus gefährdeter sind als der Rest der Bevölkerung. Dennoch ist der Arbeitsplatz – wie bei jeder werdenden Mutter – vom Arbeitgeber im Rahmen der “Gefährdungsbeurteilung” zu bewerten.

    Allerdings sind die Möglichkeiten einer Behandlung im Falle eines schweren Verlaufs bei Schwangeren gegenüber der Allgemeinbevölkerung eingeschränk, heißt es etwas in einem Schreiben in der Fachgruppe Mutterschutz der Regierungspräsidien Baden-Württembergs. Daher sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen zu treffen, die eine unverantwortbare Gefährdung der Schwangeren durch ein erhöhtes Infektionsrisiko verhindern. So können derzeit etwa Schwangere an Kassenarbeitsplätzen im Lebensmittel-Einzelhandel, in Drogeriemärkten, Bäckereien oder auch in vielen Apotheken nicht mehr beschäftigt werden. [Link].

    In Krankenhäusern oder Allgemeinarztpraxen sollten schwangere Frauen grundsätzlich nur mit patientenfernen Tätigkeiten eingesetzt werden. Dicht anliegende Atemschutzmasken (FFP3) schützen zwar die Trägerin vor einer möglichen Infektion, sind jedoch für schwangere Frauen nur bedingt geeignet, da sie aufgrund des Atemwiderstands in der Tragezeit zeitlich sehr begrenzt sind.

    Raum für ein ärztliches Beschäftigungsverbot in der Situation der COVID-19-Virusinfektion nach § 16 Mutterschutzgesetz bleibt also nur, wenn nach einem ärztlichen Zeugnis die Gesundheit oder die des Kindes bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet ist (und nicht bereits ein betriebliches Beschäftigungsverbot nach Mutterschutz vom Arbeitgeber zu berücksichtigen ist).

    Gegebenenfalls kann ein sogenanntes vorläufiges Beschäftigungsverbot (BV) durch einen Arzt in Betracht kommen, wenn aus ärztlicher Sicht ernstzunehmende Anhaltspunkte dafür bestehen, dass vom Arbeitsplatz Gefahren für Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind ausgehen können.

    Ärzte sollten sich bei der für Sie zuständigen Aufsichtsbehörde erkundigen, ob es spezielle Darlegungen zum Thema „Mutterschutz unter Coronavirus“ gibt.

Was wird für Familien mit Kindern empfohlen? Dürfen die Kinder draußen spielen? 

  • Das Bundesgesundheitsministerium bietet Tipps für Eltern zum Umgang mit der häuslichen Quarantäne (Link

    Darin wird unter anderem empfohlen, dass Kinder auch an der frischen Luft spielen sollen, allerdings unter Einhaltung der aktuellen Kontaktempfehlungen. Derzeit sollen soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden. Auf Besuche bei Freunden oder Großeltern sollte verzichtet werden. 

    Für Aktivitäten zu Hause bietet das Ministerium Empfehlungen in der Broschüre. 

Gibt es bereits Erfahrungen mit vorerkrankten Kindern und Jugendlichen?

  • Die Infektionsraten von Covid-19 sind bei Kindern vergleichbar mit denen von Erwachsenen, der Krankheitsverlauf ist jedoch meist milder. (Link) Wissenschaftliche Daten zu Kindern mit chronischen Erkrankungen liegen uns derzeit nicht vor.

    Eine Stellungnahme bezüglich Covid-19 und Kinder mit Asthma oder chronischen Erkrankungen hat die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V. verfasst. [Link]

    Ein Professor für Pädiatrie der Yale School of Medicine (New Haven) meint, dass für diese Kinder keine erweiterten Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen. Die Familie sollten sich an die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention von Covid-19, Influenza und anderen Infektionskrankheiten halten (Hände waschen, Kontakt mit Infizierten vermeiden, keine Teilnahme an Großveranstaltungen). (Link)

    Auch Neugeborene können infiziert sein, die zeigt eine chinesische Studie. [Link]

Bild: © GettyImages/StefaNikolic

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