17. April 2020

Hygiene bei Covid-19

Hier finden Sie Antworten auf für Ärzte relevante Fragen zum Theme Hygiene im Zusammenhang mit der Coronavirus-Epidemie.

Stand: 17.04.2020

Kann man Schutzmasken sterilisieren?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Das hängt von der Maske ab. Bei einfachen Mund-Nase-Schutzmasken sollte es kein Problem sein. Bei FFP-Masken hängt es davon ab, ob Ventile dabei sind, welches Material verwendet wird, etc. In solchen Fällen sollte der Hersteller diesbezüglich angefragt werden.

    Meist ist jedoch keine Sterilisation nötig. Coronaviren verbreiten sich in Tröpfchen, es sollte daher eine einfache Reinigung und längeres Trocknen ausreichen. Dabei ist es wichtig, dass man beim Abnehmen und der Weitergabe bis zur Reinigung nicht mit der Maske kontaminiert.

    Ergänzung der Redaktion:

    Der Krisenstab der Bundesregierung billigt in der aktuellen Versorgungskrise die Wiederverwendung von Schutzmasken in Ausnahmefällen, wenn nicht ausreichend Material zur Verfügung steht. In einer Erklärung heißt es:

    1. MNS-Masken können nach geeigneter Wiederaufbereitung bei 65-70 Grad Celsius wiederverwendet werden.
    2. FFP2/3 Masken mit CE Kennzeichnung oder solche, die nach dem Prüfgrundsatz der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) zugelassen sind, können ebenfalls nach Hitzebehandlung wiederverwendet werden.
    3. FFP2/3 Masken aus den USA, Kanada, Australien oder Japan sind vor Wiederaufbereitung einem Schnelltest zur Temperaturbeständigkeit zu unterziehen.

    Masken chinesischer Herkunft dürfen bei Importen aktuell den größten Mengenanteil ausmachen. Sie fallen in die Nummer 2 und können unter den genannten Bedingungen wiederaufgearbeitet werden. [Link]

    Hinweis: Kontaktieren Sie vor einer Wiederaufbereitung der Schutzmaske auf jeden Fall die Hersteller
    So rät Dräger etwa von einer Wiederaufbereitung ab: Alle FFP-Schutzmasken enthielten elektrostatische Filtermaterialien, deren Ladung durch Hitze, radioaktive Strahlung, UV-Strahlung und dergleichen zerstört würde, wodurch die Maske die meisten ihrer Filtrationseigenschaften verliert. Desinfektionsmittel wie Isopropyl, Ethanol und andere Reinigungsmittel zerstörten ebenfalls die Ladung des Filtermaterials.[Link]

Wie lange kann man Masken bis zum Wechsel tragen?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Die einfachen Masken, die zum Schutz der anderen dienen, kann man so lange tragen, bis die Durchfeuchtung droht, denn der Mundschutz hält keine Viren auf, sondern die Tröpfchen.

    RKI-Empfehlungen

    Das mehrfache Verwenden von Mundschutz wird vom RKI nur bei Lieferengpässen von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) empfohlen. Die Mehrfachverwendung ist maximal für 8 Stunde (eine Schicht) möglich. Ausgeschlossen von der Wiederverwendung sind Atemschutzmasken, die sichtbar verschmutzt, von innen kontaminiert oder defekt sind. Die Wiederverwendung erfolgt nach AGA HP02 Muster VA Atemschutz ressourcenschonender Einsatz KH. (Link)

    Wie Sie Masken sparsam einsetzen, erfahren Sie auch hier.

Wiederverwendung von Mund-Nase-Schutz (MNS) in der ambulanten Pflege

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Vorbemerkung: In der ambulanten Pflege sind MNS zum Schutz der Pflegebedürftigen vor Ansteckung mit Coronaviren deutlich besser geeignet als FFP-Masken. FFP-Masken sind, insbesondere wenn sie über Auslassventile verfügen, durch die ungehindert Tröpfchen passieren können, nur zum Schutz dessen, der sie trägt, und nicht zum Schutz der Umgebung, d.h. Pflegebedürftigen oder Patienten geeignet.

    Hier die relevanten Vorgaben:

    • MNS bzw. die FFP-Masken bei (vermuteter) Kontamination bzw. Durchfeuchtung nicht weiter verwenden
    • Mehrfache Verwendung der MNS und FFP-Masken während einer Schicht nur durch dieselbe Person
    • Der Grundsatz, dass die Wiederverwendung von MNS und FFP-Masken während einer Schicht patientenbezogen erfolgen soll, ist in der ambulanten Pflege nicht umzusetzen. Sie ist aus meiner Sicht aber auch nicht nötig, da die Masken direkt am Kopf bzw. Hals verbleiben und vor jedem neuen Patientenkontakt einfach wieder korrekt und dicht aufgesetzt werden müssen.
    • Benutzte Einweg-FFP-Masken / MNS sind nicht mit Desinfektionsmittel zu reinigen oder zu desinfizieren, da dies die Funktionalität der Maske negativ beeinflussen kann.

    Grundlage der Empfehlung vom RKI:
    Mögliche Maßnahmen zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken in Einrichtungen des Gesundheitswesens bei Lieferengpässen im Zusammenhang mit der neuartigen Coronavirus-Erkrankung COVID-19 (Stand 14.04.2020) gültig, solange die bereits ausgerufene Notfallsituation für diesen Bereich beschrieben wird, vorläufig bis zum 31. August 2020 (Link).

    Reinigung: MNS lassen sich wahrscheinlich sehr einfach und effektiv reinigen. Da die Coronaviren in Tröpfchen übertragen werden, müsste eine Entfernung der Tröpfchen mit Wasser und etwas Feinwaschmittel sowie gründliches Trocknen, am besten über 2 Tage, ausreichen. Wichtig wäre es, Handwäsche oder ein Schonprogramm, z.B. Wollprogramm zu verwenden und nicht zu schleudern, damit die MNS keinen mechanischen Schaden erleiden, der die Dichtigkeit gefährdet.

Welche Masken sollten Ärzte tragen, die Covid-19-Patienten intubieren müssen?

  • Je nach Situation, Infektionsstatus und Tätigkeit (Aerosolbildung oder nicht) werden verschiedene Maskenarten empfohlen. Eine gute Übersicht bietet die Tabelle der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. [Link]

Wie kann man als Zahnarzt sich und seine Mitarbeiter schützen?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet. Aktualisiert am 16.04.2020

    Durch die Nähe zum Infektionsherd sowie die Bildung von Aerosolen durch Wasserdüsen ist die zahnärztliche Tätigkeit infektiologisch gesehen als gefährlich einzustufen. D.h. man sollte alle Schutzmaßnahmen maximieren = Haube, Schild, Schutzbrille, gute dicht sitzende FFP3-Maske, Schutzanzug. Andere Tätigkeiten am Tresen o.ä. brauchen nur die normalen Maßnahmen.

    In diesem Beitrag haben wir Informationen für Zahnärzte im Umgang mit Covid-19 zusammengestellt.

    Die häufigsten Fragen und Antworten zum Umgang mit dem Coronavirus in der Zahnarztpraxis finden Sie auf der Webseite der Bundeszahnärztekammer (Link).

Ist eine Mundspülung vor oralen Untersuchungen und Eingriffen sinnvoll?

  • Die Zahnärztekammer Nordrhein empfiehlt derzeit (Stand: 30.03.2020) bei allen zahnärztlichen Behandlungen von symptomlosen Patienten ohne erhöhtes Risiko antiseptische Mundspülungen mit im DAHZ-Leitfaden aufgeführten Mitteln Chlorhexidin (0,2 %), Octenidin (0,1 %), Natriumhypochlorit (0,08 %), Povidon-Iod (7-11 %) einzusetzen.

    Vor jeder Behandlung ist die Einwirkzeit gemäß Herstellerangaben –im Allgemeinen zwischen 30 und 120 Sekunden –einzuhalten. Diese Empfehlungen gelten vorerst bis 20.04.2020. [Link]

Wie kann man sich in einer orthopädisch-chirurgischen Praxis schützen?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Da man für die Untersuchung und Therapie den Patienten in aller Regel berühren muss, sollte dies mit Schutzkleidung erfolgen. Dabei sollten die Bereiche geschützt werden, die mit dem Patienten in Berührung kommen. Die Schutzkleidung muss nach der Behandlung gewechselt werden. In den meisten Fällen reichen Einmalhandschuhe und gute Händehygiene. Sowohl der Arzt als auch der Patient sollten Mundschutz tragen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Wichtig: Auf möglichst dichten Sitz der Maske achten!

    Bei längerem Kontakt und geringerem Abstand, z.B. Massagen oder Physiotherapie, sieht die Situation anders aus. Eine Infektion kann in einem solchen Fall auch mit einfachem Mundschutz auf Dauer schlecht verhindert werden.

Ich bin Psychotherapeutin und meistens 50 Minuten in einer Face-to-Face-Beziehung mit Patienten. Bin ich hierdurch einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Das ist eine der schwierigsten und relevantesten Fragen überhaupt.

    Zur Sachlage: In geschlossenen Räumen atmet man dieselbe Luft ein und damit steigt über die Zeit das Risiko einer Infektion an. Mundschutz kann helfen, weil der Mundschutztragende den jeweils anderen etwas seltener ansteckt. Mehr Abstand wäre gut und wenn möglich gut lüften. Letzteres würde ich für das wichtigste halten.

    Aus meiner Sicht ist das in dieser Situation etwas erhöhte Infektionsrisiko, das ich quantitativ nicht abschätzen kann, akzeptabel und entspricht ähnlichen Alltagssituationen wie Einkauf, ein Restaurantbesuch mit anderen Gästen, die weiter als 2 Meter entfernt sitzen, 50 Minuten Zug oder Bus fahren mit sehr wenig Fahrgästen (Abstand immer größer als 2 Meter, selbst beim Ein- und Aussteigen).

    Auf dieser Basis würde ich, wenn Sie oder Ihre Patienten keiner Risikogruppe angehören, zur Weiterarbeit bei aus meiner Sicht etwas erhöhtem aber akzeptablem Risiko raten.

Was tun als Praxis, wenn die Schutzausrüstung fehlt?

  • In einer Pressekonferenz vom 1. April betont die Kassenärztliche Bundesvereinigung einerseits, dass Praxen, die keine Schutzausrüstung zur Verfügung haben, keine Maßnahmen mehr durchführen können, die entsprechendes Schutzmaterial erfordern.

    Andererseits sei es jedoch wichtig, die Regelversorgung am Laufen zu halten. Aus diesem Grund sollten Praxen die Versorgung von Patienten mit Infektverdacht klar von der Versorgung anderer Patienten trennen. Dennoch: Da eine gewisse Unsicherheit immer bestehe, müssten Praxen „um am Netz bleiben zu können“, über eine entsprechende Grundausrüstung verfügen.

    Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für die aktuelle Situation, in der FFP-Masken und MNS eine knappe Ressource darstellen, Hinweise zur Mehrfachverwendung veröffentlicht.

    Eine Videoanleitung wie Sie Masken sparsam einsetzen können, finden Sie hier.

Wie lange bleibt das Virus auf Oberflächen infektiös?

  • Diese Frage wurde von Dr. Johannes Naumann, Facharzt für Innere Medizin, Hygiene und Umweltmedizin, beantwortet.

    Dies hängt von sehr vielen Faktoren ab, insbesondere der Feuchtigkeit. Viren mögen Trockenheit nicht gerne und brauchen letztlich den Menschen zum Überleben.
    Anm. der Red.: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Coronaviren sich bei Raumtemperatur auf Oberflächen bis zu neun Tage halten können und infektiös sind. Im Mittel lag die Zeit bei 4-5 Tagen. Desinfektionsmittel auf Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit waren wirksam bei der Beseitigung der Erreger. (Link)

    Was für den Hygieniker und die Infektionsübertragung viel wichtiger ist: Ansteckungen finden zum größten Teil von Person zu Person statt. Eine Ansteckung über Flächen ist in aller Regel nur mit Kontakt kurz hintereinander, also z.B. die berühmte Türklinke, aber leider auch der Einkaufswagen und die Konservendose oder Nudelpackung an der Kasse, möglich.

    Gegen Ansteckung über Oberflächen hilft eine gute Händehygiene (bestenfalls „no touch“) und Handschuhe. Eine Desinfektion der Flächen, wie der Konservendosen, oder eine Sprühdesinfektion der Busse (s. Bilder aus New York), ist hingegen wenig hilfreich.

Können Haus- und Nutztiere den Erreger übertragen?

  • Bislang gibt es keine wissenschaftlich belegbaren Hinweise, dass Haus- oder Nutztiere bei der Übertragung von SARS-CoV-2 eine Rolle spielen. Dies bestätigt auch das Friedrich-Loeffler-Institut. Das Institut gibt zudem weitere Hinweise für Hundehalter. [Link]

Bild: © GettyImages/Dzonsli

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