07. August 2020

coliquio-Podcast

Infektionsgefahr in Zügen und Schulöffnungen in Zeiten von Covid-19

Im heutigen Podcast sprechen wir über folgende Themen:

  • Bahnreisen in Zeiten von Corona: Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?
  • Schulöffnungen: Was rät die Wissenschaft?
  • Behandlung von Mitarbeitern: Wie handhaben es Ihre Kollegen? 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören!

Dauer: 10,5 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling, Dr. Nina Mörsch. Moderation: Katja Angermaier

  • Podcast 06.08.2020 

    Herzlich willkommen zu unserem coliquio-Podcast – das Update – wir besprechen was Ärzte bewegt.    

    Bei uns geht es in dieser Woche um folgende Themen: 

    • Zugfahren in Zeiten von Corona: Es gibt eine Studie von der Deutschen Bahn, die sagt, dass Fahrten mit der Deutschen Bahn nicht besonders risikoreich sein sollen  
    • Schulöffnungen unter Pandemiebedingungen - was wir aus dem Ausland lernen können 
    • Einer Diskussion dazu, ob man als Arzt die eigenen Angestellten behandeln soll oder lieber nicht  

    Wir freuen uns, dass Sie heute mit dabei sind. Mein Name ist Katja Angermaier und ich spreche heute wieder mit meinen beiden Kollegen aus der Medizin-Redaktion von coliquio – Deutschlands größtem Ärztenetzwerk: Nina Mörsch und Marc Fröhling.     

    Hallo Nina, hallo Marc! 

    Katja Angermaier: Bei uns sind ja jetzt erstmal Ferien, deswegen greifen wir nochmal das Reisethema auf. Nina, du hattest Kontakt mit dem leitenden Hygienesachverständigen der Deutschen Bahn. Wie kams dazu?  

    Nina Mörsch: Wir haben ja vor einigen Wochen hier im podcast darüber gesprochen, wie groß die Gefahr ist, sich im Flieger anzustecken. Und nun hat sich Dr. Christian Gravert bei uns gemeldet dazu. Er ist Leitender Arzt und Hygienesachverständiger bei der Deutschen Bahn AG. Und er hat geschrieben, dass natürlich auch die Bahn Untersuchungen zur Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus in Zügen durchgeführt hat. Die wichtigsten Ergebnisse, die wurden auf einem preprint-Server veröffentlicht und die hat er für uns in einem kurzen Gastbeitrag zusammengefasst. (Quelle: Ansteckungsgefahr in Zügen: Preprint-Studie liefert erste Erkenntnisse)

    Katja Angermaier: Die Bahn hat ja die Auswirkungen der Coronakrise deutlich zu spüren kommen. Die Zahlen sind ja ziemlich eingebrochen und nach wie vor sind die Züge ziemlich leer – vermutlich auch, da viele Arbeitnehmer weiterhin im Homeoffice sind…..  

    Nina Mörsch: … und als Kurz- oder Urlaubsreisender stellt man sich bestimmt auch die Frage wie sicher ist das Reisen in Zügen.  Und hier gibt die Deutsche Bahn selbst Entwarnung. Sie kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass die Infektionsgefährdung für SARS-CoV-2 im Zug nicht höher ist als bei Flugzeugen oder dem Individualverkehr. Und zumindest in Deutschland und Österreich wurden bislang keine Infektionen auf Bahnreisen identifiziert. 

    Katja Angermaier: Jetzt schau ich mir natürlich so eine Studie von der Bahn schon genauer an, die mir sagt, dass Bahnfahren ganz ungefährlich ist… Was wurde da genau untersucht?  

    Nina Mörsch: Zum einen hat sich eine vom internationalen Eisenbahnverband gebildete Task Force die internationale Literatur zum Thema Infektionsgefährdungen in Verkehrsmitteln angeschaut – und keinen Hinweis gefunden, dass die Infektionsgefahr in Zügen erhöht ist. Als weiteres Indiz nennen die Autoren auch die Zahl an Covid-19-erkrankten Zugbegleitern, die sogar unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt. 

    Die Bahn sagt außerdem, dass sie jetzt auch besonders viel für die Sicherheit tun: Es gilt eine Maskenpflicht in Zügen, da der empfohlene Mindestabstand nicht immer eingehalten werden kann. Und Reservierungen werden begrenzt und je nach erwarteter Auslastung der Züge auch die Tickets.   

    Katja Angermaier: Aber man fragt sich da schon, weshalb es zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen zu so großen Ausbrüchen gab, und Züge und Flugzeuge dagegen als sicher gelten. 

    Nina Mörsch:  Hier verweist die DB auf die vielen Veranstaltungen, die es auf Schiffen gibt, wo Passagiere sehr eng beieinander sind, beim Abendprogramm, Essen an Buffets und Sportangebote. Und es gibt Unterschiede was die Ventilation in Zügen und Flugzeugen angeht. Das ist einfach anders als auf den Schiffen. Außerdem wird die Luft in einem IC laut Aussage der DB alle 7 min vollständig ausgetauscht  

    Allerdings gibt es in Zügen anders als in Flugzeugen keine HEPA-Filter, also Filter die kleinsten Teilchen wie Bakterien, Pollen oder eben auch Viren aus der Luft filtern. Dies funktioniert gut bei keimfreier Außenluft, aber eben nicht bei Zügen, bei denen die Außenluft stark mit Staub und Pollen belastet ist. 

    Trotz dieser fehlender HEPA-Filter gibt es laut DB kein erhöhtes Infektionsrisiko in den Zügen. Das wird so erklärt: Die Viren sind ja an Tröpfchen oder Aerosolen gebunden. Durch die Vermischung der Raumluft mit viel Außenluft, Verwirbelung und lange Wege durch die Klimaanlagen, würden sie die sie umgebende Feuchtigkeit und damit ihre Infektiosität verlieren.  

    Katja Angermaier: Wenn Sie die Studie der Deutschen Bahn nochmal selbst unter die Lupe nehmen wollen – wir verlinken sie im Beitrag zu diesem Podcast. 

    Katja Angermaier: Marc, Du hast dich diese Woche mit den Öffnungen der Schule beschäftigt. Das ist ja überall ein großes Thema und wird es auch noch bleiben. Bei uns in Baden-Württemberg haben die Sommerferien erst begonnen, in Hamburg und Mecklenburb-Vorpommern sind die Schulen aber schon wieder auf, NRW folgt in der nächsten Woche. Wie ist da der Stand? Die Schulen sollen ja wieder in einen „Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen“ gehen. Was sagt die Wissenschaft?  

    Marc Fröhling: Also da wird ganz klar von Wissenschaftlern und medizinischen Fachgesellschaften – daneben auch von Eltern – vor erneuten Schulschließungen gewarnt. Und zwar aus vielen Gründen: Einmal hat das Lernen zu Hause den Präsenzunterricht einfach nicht ersetzen können. Gerade bildungsferne Schichten können so den Anschluss verlieren. Lehrer und Schulen waren oft technisch nicht gut genug auf die Situation vorbereitet. Daneben die psychischen Folgen für die Schüler und als ganz wichtiger Punkt mögliche Gewalt und Missbrauch zu Hause, wenn die Schule oder die Kita wegfallen. (Quellen: coliquio-News: Experten empfehlen Maske auch im Klassenzimmer, Australische Corona-Studie: Risiko in Schulen gut zu managen; Macartney et al: Transmission of SARS-CoV-2 in Australian educational settings: a prospective cohort study. The Lancet Child & Adolescent Health. 03.08.2020.)

    Katja Angermaier: Die Woche kamen ja auch Ergebnisse einer Umfrage des Ifo-Instituts raus. Die Zeit, in der sich Kinder täglich mit Schule und Lernen beschäftigen, hat sich nach dieser Umfrage während der coronabedingten Schulschließungen in etwa halbiert, dafür wurde deutlich mehr gezockt.  

    Marc Fröhling: Ja, das hatte die Süddeutsche Zeitung groß publiziert diese Woche. Daheim Lernen ist einfach schwer, ich glaub, da sind sich wirklich alle einig.  

    Katja Angermaier: Wenn die Schule jetzt wieder anläuft, dann wird das wahrscheinlich heißen, dass die Maske jetzt bald zum Schultag gehören wird?  

    Marc Fröhling: Ja, das ist so – auch wenn ich das Gefühl habe, dass das in jeder Schule anderes gehandhabt wird. Auch am Platz oder nur im Flur – da gibt’s ja verschiedene Stufen. Auch die Tische sind sicher da, wo genug Platz war, so weit wie möglich auseinandergezogen worden. Die Leopoldina empfiehlt in einer Stellungnahme das Tragen von Masken ab der fünften Klasse – auch im Unterricht, wenn kein Abstand eingehalten werden kann. 

    Katja Angermaier: Es gab auch in vielen anderen Ländern schon erste Erfahrungen mit der Wiederaufnahme des regulären Schulbetriebs – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Kannst du nochmal zusammenfassen, was anderswo so passiert ist?  

    Marc Fröhling: Viele schauen nach Australien und Israel, wo es bei den Schulöffnungen Probleme gab, sobald die Klassenzimmer wieder voll belegt waren. Da hat alles ganz gut geklappt, solang die Klassen kleiner waren. Eine australische Studie hat zum Beispiel gezeigt, dass unter diesen Bedingungen das Virus kaum zwischen den Kindern übertragen wurde, eher zwischen den Erwachsenen. Aber sobald wieder alle Stühle belegt waren und der Abstand nicht mehr eingehalten werden konnte, sind die Infektionszahlen schnell angestiegen, vor allem in Israel. Und da gabs auch offene Fenster und Maskenpflicht. (Quelle: tagesspiegel, 04.08.2020: Drei Länder zeigen, worauf es bei Schulöffnungen ankommt)

    Katja Angermaier: Gut gelaufen ist die Schulöffnung dagegen in Dänemark: Was haben die denn anders gemacht? 

    Marc Fröhling: Die haben nur noch Unterricht in Kleingruppen mit maximal 12 Kindern gemacht und die Gruppen auch streng voneinander getrennt. Also unterschiedliche Unterrichtszeiten und eigene Ecken im Pausenhof. Abstand scheint wohl der größte Schlüssel zu sein – ich weiß nicht, wie das mit 32 Kindern in einem Klassenzimmer bei uns immer klappen soll.  

    Katja Angermaier: Zum Schluss würde ich gern noch einen Blick ins Forum von coliquio werfen. Was wird da grade von den Ärzten diskutiert?  

    Marc Fröhling: Spannend ist gerade eine Diskussion über die Behandlung der eigenen Mitarbeiter. Also was mache ich, wenn die eigenen ZFA Zahnschmerzen hat oder ein Mitarbeiter eine AU benötigt … 
    Manche sagen da, die Mitarbeiter sind wie die eigene Familie, denen gilt meine Fürsorge ganz besonders. Vielleicht gibt da auch mal einen schnelleren Termin beim Facharztkollegen. 
    Andere verweisen auf den Fakt, dass es eben auch Dinge gibt, die einen Arbeitgeber eher nichts angehen. Passend dazu haben wir auch schon einmal einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit der Behandlung der eigenen Angehörigen befasst, den wir auch gerne verlinken können.  

    Katja Angermaier: Vielen Dank Nina und Marc! Wir freuen uns, wenn Sie in einen der von uns vorgestellten Beiträge reinlesen. Was auf coliquio jede Woche passiert, das hören Sie bei uns im Update Podcast. Wenn Sie uns nicht verpassen, wollen, abonnieren Sie uns gerne auf iTunes, Spotify oder Deezer. Bis dahin, bleiben Sie gesund.   

    Dieser Podcast wird produziert von der coliquio Redaktion. Aufgezeichnet wurde am 06. August 2020. Redaktion: Marc Fröhling, Dr. Nina Mörsch. Moderation Katja Angermaier. 

Alle Informationen und Studien aus dem Podcast

Studie der Deutschen Bahn

Wir freuen uns über Ihr Feedback! Schreiben Sie einfach an podcast@coliquio.de.

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