04. September 2020

coliquio-Podcast

Weibliche Pharmakokinetik & Alzheimerrisiko mit Navigationsproblemen verknüpft

Im heutigen Podcast sprechen wir über folgende Themen:

  • Medikamente bei Frauen: Häufig überdosiert? 
  • Navigationsprobleme bei Menschen mit Alzheimerrisiko 
  • Süße Neuigkeiten: Honig bei Erkältungssymptomen 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören!

Dauer: 7,5 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling, Dr. Nina Mörsch. Moderation: Katja Angermaier

  • Herzlich willkommen zu unserem coliquio-Podcast – das Update – wir besprechen was Ärzte bewegt.     

    Und das sind unsere Themen heute:  

    • Medikamente bei Frauen: Häufig überdosiert? 
    • Navigationsprobleme bei Menschen mit Alzheimerrisiko 
    • Süße Neuigkeiten: Honig bei Erkältungssymptomen 

    Wir freuen uns, dass Sie heute mit dabei sind. Mein Name ist Katja Angermaier und ich spreche heute wieder mit meinen beiden Kollegen aus der Medizin-Redaktion von coliquio – Deutschlands größtem Ärztenetzwerk: Nina Mörsch und Marc Fröhling.

    Hallo Nina, hallo Marc! 

    Katja Angermaier: Marc, du hast dich diese Woche mit einer neuen Alzheimer Studie auseinandergesetzt. Da wurde untersucht, wie die eigene Navigationsfähigkeit von Alzheimer beeinflusst werden kann. Wie ist die Studie aufgesetzt?  

    Marc Fröhling: In der Studie wurde die Navigationsleistung von gesunden Personen, die das Alzheimer-Risikogen in sich tragen untersucht. Also Menschen, die eine bestimmte Genvariante Apo-Lipoprotein E in sich tragen und dadurch etwa ein verdoppeltes Alzheimerrisiko aufweisen.  (Bierbrauer et al: Unmasking selective path integration deficits in Alzheimer’s disease risk carriers. Science Advances, 2020. DOI: 10.1126/sciadv.aba1394)

    Das Forscherteam ist also noch einen Schritt weiter gegangen als es bisherige Untersuchungen getan haben – die eher Menschen untersucht haben, die bereits kognitiv beeinträchtigt waren. Zum Ergebnis der aktuellen Studie: Die Teilnehmer mit dem Risikogen waren beim Navigieren schlechter als die Kontrollgruppe. 

    Katja Angermaier: Nochmal zum Orientierungsmechanismus, wie läuft das genau ab? 

    Marc Fröhling: Man kann sich die folgende Situation vorstellen: Ich stehe nachts auf und möchte zur Toilette – im Dunkeln. Man weiss dabei natürlich, wie die eigene Wohnung angeordnet ist, benötigt aber auch einen Mechanismus, der quasi die eigene Position im Raum feststellt. Das ist die Pfadintegration. Dafür sind sogenannte Gitterzellen verantwortlich. Die sitzen im entorhinalen Kortex – und das ist eben eine der ersten Regionen im Gehirn, die von der Alzheimererkrankung betroffen sind. Postmortem-Untersuchungen haben sogar bei jungen Erwachsenen mit dem Risiko-Gen Schäden in dieser Gehirnregion festgestellt. Und das führt dann eben zu der Frage, ob sich diese ganz frühen Schäden bei den Genträgern auch schon bei der Orientierung bemerkbar machen.  

    Das Ziel des Ganzen ist natürlich, die Alzheimerkrankheit so früh wie möglich zu erkennen – möglicherweise auch schon Jahrzehnte vor einem deutlichen Ausbruch der Krankheit und das ohne Gentest, und dazu könnten die neuen Studienergebnisse möglicherweise beitragen.  

    Katja Angermaier: Wenn Sie sich die Studie genauer ansehen wollen – den Artikel dazu verlinken wir in den Shownotes zu diesem Podcast. Nina, du hast dir das Thema Pharmakokinetik bei Frauen vorgenommen diese Woche. Dazu gab’s eine neue Veröffentlichung im Journal „Biology of Sex Differences“. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?  

    Nina Mörsch: Hintergrund dieser Untersuchung ist die Beobachtung, dass bei Frauen unterwünschte Arzneimittelwirkungen fast doppelt so häufig auftreten wie bei Männern. Bisher weiß man aber noch viel über die Rolle der Geschlechtsunterschiede bei der Pharmakokinetik, also wie unterscheidet sich die Aufnahme, Verteilung und Metabolisierung von Arzneimitteln im Körper von Frauen im Vergleich zu Männern.  

    Eine Hypothese könnte nämlich sein, dass viele Medikamente bei Frauen aufgrund höherer Plasmaspiegel überdosiert sind. Um hierfür Antworten zu finden haben Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in verschiedenen Datenbanken nach Studien recherchiert, die sich mit  genau solchen Geschlechtsunterschieden in Pharmakokinetik und-dynamik sowie der Rate unerwünschter Nebenwirkungen beschäftigten. Insgesamt h werteten sie Studien zu 86 verschiedenen Medikamenten aus.  

    Katja Angermaier: Konnten die Wissenschaftler die Hypothese bestätigen? 

    Nina Mörsch: Ja, denn 76 von den 86 untersuchten Medikamenten haben zu erhöhten Plasmaspiegeln bei Frauen geführt. Und: Die meisten dieser Medikamente haben auch vermehrt zu Nebenwirkungen bei den Frauen geführt. Das Ganze bestätigte sich durch eine umgekehrte Analyse der Forscher, die gezeigt hat, dass von 59 Medikamenten mit deutlichen Nebenwirkungen fast 90 % zu erhöhten Plasmaspiegeln bei Frauen führten – bei Männern war das nur bei knapp einem Drittel der Fall. (Irving Zucker et al; Sex differences in pharmacokinetics predict adverse drug reactions in women; Biol Sex Differ (2020); 11, 32; DOI: https://doi.org/10.1186/s13293-020-00308-5)

    Katja Angermaier: Welches Fazit ziehen die Autoren? 

    Nina Mörsch: Die Autoren weisen zunächst einmal daraufhin, dass für die meisten zugelassenen Medikamente die Daten zu geschlechtsspezifischen Plasmaspiegeln nicht zugänglich sind. Deshalb würden auch keine Unterschiede in der Dosierung zwischen Mann und Frau gemacht werden, dass dann eben dazu führt, dass Patientinnen vermehrt unter Nebenwirkungen leiden. Aus ihrer Sicht müsste man genau hier ansetzen und evidenzbasiert Dosisempfehlungen speziell für Frauen entwickeln. 

    Katja Angermaier: Lasst uns zum Schluss noch einen Blick aufs Wochenende werfen – da geht’s um Honig  

    Marc Fröhling: Diesmal haben wir uns passend zur bevorstehenden Herbstzeit eine Studie herausgesucht, bei der es um Honig geht und wie der bei Erkältungssymptomen helfen kann. Und hier kommen Wissenschaftler von der Oxford-Universität in einer Meta-Analyse zum Ergebnis, dass Honig in einigen Fällen eine ernstzunehmende Alternative zu üblichen Arzneimittel sein kann. 

    Katja Angermaier: Da sag ich als Imkerin: Find ich gut und spannend! 

    Nina Mörsch: Ja, da bist du auf alle Fälle nicht ganz neutral – so wie auch einer der Studienautoren. Was wir nämlich witzig fanden, dass dieser in den Fußnoten einen Interessenskonflikt offenlegen müsste. Da steht nämlich: “Joseph Lee is a Hobby Beekeeper“. 

    Katja Angermaier: Wie immer verlinken wir alle Artikel für Sie und freuen uns, wenn wir Ihnen Lust gemacht haben auf den einen oder anderen Artikel. Wir sind schon wieder durch!  Vielen Dank Nina und Marc! Was auf coliquio jede Woche passiert, das hören Sie bei uns im Update Podcast. Wenn Sie uns nicht verpassen, wollen, abonnieren Sie uns gerne auf iTunes, Spotify oder Deezer. Bis dahin, bleiben Sie gesund.    

    Dieser Podcast wird produziert von der coliquio Redaktion. Aufgezeichnet wurde am 02. September 2020. Redaktion: Dr. Nina Mörsch Marc Fröhling. Moderation Katja Angermaier. 

Alle Quellen aus dem Podcast

Pharmakokinetik von Frauen

Alzheimerrisiko und Navigationsprobleme

Wir freuen uns über Ihr Feedback! Schreiben Sie einfach an podcast@coliquio.de.

  1. Irving Zucker et al; Sex differences in pharmacokinetics predict adverse drug reactions in women; Biol Sex Differ (2020); 11, 32; DOI: https://doi.org/10.1186/s13293-020-00308-5
  2. Bierbrauer et al: Unmasking selective path integration deficits in Alzheimer’s disease risk carriers. Science Advances, 2020. DOI: 10.1126/sciadv.aba1394

Bild: © GettyImages/ fizkes

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