05. Juni 2020

coliquio-Podcast

Covid-19: Gefahren beim Baden & Schweizer Tracing-App startet

Im heutigen Podcast sprechen wir über folgende Themen:

  • Ansteckungsgefahr: Fällt der Badesommer wegen Corona ins Wasser?
  • Corona-App: In der Schweiz steht eine Tracing-App in den Startlöchern 
  • Metaanalyse: Auch Visiere stellen sich als hilfreich heraus

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören!

Dauer: 9 Minuten

Redaktion: Dr. Laura Cabrera, Marc Fröhling. Moderation: Katja Angermaier

  • Herzlich willkommen zu unserem coliquio-Podcast – das Update. 

    Wir sprechen heute über folgende Themen: 

    • Fällt der Badesommer wegen Corona ins Wasser?  
    • In der Schweiz steht eine Corona Tracing App in den Startlöchern 
    • eine neue kanadische Metaanalyse belegt, dass Abstandhalten und Alltagsmasken sinnvolle Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung von Covid-19 sind.  

    Mein Name ist Katja Angermaier und ich spreche heute mit meinen beiden Kollegen aus der Medizin-Redaktion von coliquio – Deutschlands größtem Ärztenetzwerk: Laura Cabrera und Marc Fröhling. 

    Katja Angermaier: Wir sind ja gerade mitten in den Pfingstferien, abgesehen von diesem Wochenende wird’s immer wärmer, da möchte man auch zum Baden gehen. Wir hier in Konstanz sind da gut bedient mit dem Bodensee. Und im Zuge der Lockerungsmaßnahmen öffnen in den meisten Bundesländern nun auch wieder die Frei- und Hallenbäder. Hier stellt sich auch die Frage zur Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus über das Wasser. Marc, damit hast du dich in dieser Woche beschäftigt … 

    Marc Fröhling: Genau. Es gibt ja die unterschiedlichsten Badegewässer. Offizielle Frei- und Hallenbäder, sogenannte Naturbäder und natürlich auch Meere, Seen und Flüsse. Der Weg, wie das Virus in die Gewässer gelangt, ist aber überall gleich: Und zwar über infizierte Badegäste. In natürlichen Gewässern theoretisch auch über Abwasserleitungen.

    Katja Angermaier: Und wie ansteckend ist dann das Wasser?

    Marc Fröhling: Ob man sich über das Wasser selbst tatsächlich anstecken kann, ist noch nicht endgültig geklärt. Laut WHO gibt es dafür noch keine Indizien. Auch das Umweltbundesamt sieht hier nur ein äußerst kleines Risiko. Also auch im Wasser ist die Hauptgefahr die Übertragung von Tröpfchen von Mensch zu Mensch. Und die Verbreitung über Aerosole könnte auch beim Schwimmen eine Rolle spielen.  

    Katja Angermaier: Wenn sich 2 Leute, die bis zur Hüfte im Wasser stehen, umarmen, dass können die sich natürlich auch anstecken.  

    Marc Fröhling: Genau, Abstandsregeln müssen eben auch im Wasser gelten. 

    Katja Angermaier: Und wo würdest du dich beim Baden jetzt am sichersten fühlen, was die Viren angeht? 

    Marc Fröhling: Der Bodensee ist schon mal nicht schlecht. Das ist ein großes Gewässer. Wie im Meer auch, gibt’s hier allein durch die Wassermassen einen großen Verdünnungseffekt. Im Meer kommt noch das Salz dazu, das zur Inaktivierung des Virus beiträgt. Das hat eine spanische Übersichtstudie gezeigt. Die besagt auch, dass vermutlich kleine Teiche logischerweise die am wenigsten ratsame Badeumgebung wären. 

    Katja Angermaier: Das waren jetzt aber alles natürliche Gewässer. Den Luxus haben ja nicht alle. Was kann man denn über die Frei- und Hallenbäder sagen? 

    Marc Fröhling: Da wird ja eh schon immer gechlort und gefiltert. Und die Betreiber hatten selbstverständlich auch schon vor Corona Auflagen dafür zu sorgen, dass man sich im Schwimmbad nicht irgendwelche Erreger einfängt.

    Katja Angermaier: Klingt ja alles ziemlich sicher – wenn man denn auch die Abstände einhält. Und der Artikel erscheint dieses Wochenende? 

    Marc Fröhling: Genau, ich erstelle auch gerade eine Infografik zur Übersicht mit den einzelnen Gewässern und was es da so zu beachten gilt. Das könnte man dann zum Beispiel für Patienten aushängen, die sicher auch Fragen zu diesem Thema haben.    

    Katja Angermaier: Es gibt sie ja noch, die kritischen Stimmen, die fragen: Bringt das Abstandhalten was, bringt das Maskentragen was? Es gibt jetzt eine sehr klare Antwort aus Kanada. Laura, du hast da eine Studie für uns dabei. 

    Laura Cabrera: Ja, und zwar haben sich kanadische Forscher von der McMasters Universität 172 Studien angeschaut, an der fast 26.000 Menschen teilgenommen haben. Und das nicht nur aus dem medizinischen Sektor, sondern auch ganz normale Menschen auf der Straße. 

    Katja Angermaier: Das ist eine ziemlich große Stichprobe. Und was kam dabei raus, was kann man ziemlich sicher sagen? 

    Laura Cabrera: Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Abstandsregeln, das heißt mindestens ein Meter, besser noch 1,5 Meter oder mehr, auf jeden Fall das Übertragungsrisiko senken. Bei Masken haben wir auch Belege dafür, dass sie zumindest teilweise vor einer Übertragung schützen. Was vielleicht ein bisschen überraschend kommt ist eine Erleichterung für medizinische Fachkräfte, zuletzt nur Plastikvisiere zur Verfügung hatten: Auch Plastikvisiere und Schutzbrillen leisten einen Beitrag, um das Übertragungsrisiko zu senken. 

    Katja Angermaier: Das würde auch meinen Friseur freuen, der ja auch mit so einem Visier arbeitet. Ich glaube es gibt viele Berufe, in denen die Leute eher auf Visiere umgestiegen sind. Also hier kann man auch schon zumindest einen Trend lesen, dass sich das lohnt. 

    Laura Cabrera: Genau. Hundertprozentig sicher sind wir uns da noch nicht, weil es dafür noch nicht genug Daten gibt. Aber die Hinweise sind sehr stark. 

    Katja Angermaier: Vielen Dank, Laura. Den Artikel mit noch mehr Infos dazu verlinken wir ebenfalls in den Shownotes von diesem Podcast. Wie schon erwähnt, wir sitzen mit coliquio direkt am Bodensee, die Schweizer sind also unseren direkten Nachbarn. Wir schauen da gerne über die Grenze und sehen, und wir haben gesehen, die ziehen an Deutschland vorbei mit der Tracing App. Laura, die ist schon in der Pilotphase?  

    Laura Cabrera: Genau, die ist in der Pilotphase. Ausgewählte Tester, zum Beispiel Mitarbeiter der Armee, testen die schon, probieren schon aus ob alles so funktioniert wie es soll. 

    Katja Angermaier: Kannst du uns erklären, wie die App funktioniert?

     Laura Cabrera: Gerne. Die App ist auf freiwilliger Basis, das heißt niemand ist gezwungen, diese App zu nutzen. Die Kontakte zwischen den Menschen, die die App benutzen, werden über Bluetooth ermittelt. Die Daten, die die App sammelt, verbleiben auf dem Handy und gelange nicht auf einen externen Datenserver. Wenn ich jetzt einen positiven Corona-Test zurückbekomme kriege ich vom Arzt einen Code, den ich dann in die App eingebe.  

    Die App alarmiert dann Leute, mit denen ich länger als 15 Minuten sozusagen zu engen Kontakt hatte und informiert sie darüber, dass sie sich angesteckt haben könnten. Sie informiert die Leute aber nicht darüber, von wem sie vermutlich angesteckt worden sind. Es werden also keine identitätsbezogenen oder Standortdaten übermittelt. 

     Katja Angermaier: Das heißt, diese App hat auch durchaus ihre Grenzen. 

    Laura Cabrera: Genau, und diese Grenzen sind auch wichtig, damit man dieser App vertrauen kann, dass die keine personenbezogenen Daten überallhin übermittelt. Ein Problem, das sich allerdings ergibt, ist, dass man keine automatische Krankschreibung erhält. Es muss also geklärt werden, ob es einen Lohnersatz gibt für die Tage, die man ausfällt, bis das Testergebnis da ist. Und auch, ob der Corona-Test erstattet wird, wenn man den selber bezahlen muss. Das sind alles Fragen, die demnächst noch in der Schweizer Regierung debattiert werden müssen.

    Katja Angermaier: Jetzt würde mich auch noch interessieren, wie es in Deutschland mit der App aussieht. Da sollte doch schon längst was fertig sein, oder?

    Marc Fröhling: Ja, das stimmt, da gab es einige Verzögerungen. Ich glaube Anfang April haben wir schon einmal berichtet, dass die App bald einsatzbereit sein soll.  

    Aber jetzt über Pfingsten wurde der Quellcode der App veröffentlicht. Insgesamt funktioniert die App fast genau gleich wie die Schweizer App. Die Voraussetzungen zur Freiwilligkeit und zum Datenschutz sind hier die gleichen. Mitte Juni soll die deutsche App dann endgültig bereit sein – gerade rechtzeitig vor den Sommerferien und dem Beginn der Reisezeit. 

    Katja Angermaier: Wir werden auch da nochmal genauer hinschauen, wenn diese App veröffentlicht ist.

    Danke Laura und Marc, das wars schon wieder mit dem coliquio Podcast, das Update. Wir freuen uns, wenn Sie uns abonnieren und auch nächste Woche wieder zuhören. Sie finden uns aktuell auf Spotify, iTunes und Deezer. Anregungen und Feedback können Sie uns gern schicken an podcast@coliquio.de. Bis dahin, bleiben Sie gesund.  

    Dieser Podcast wird produziert von coliquio Redaktion. Aufgezeichnet wurde am 04. Juni 2020. Redaktion Dr. Laura Cabrera und Marc Fröhling. Moderation: Katja Angermaier

Alle Informationen zur Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus über Badegewässern und die Übersicht zum Audrucken finden Sie in diesem Beitrag. Mehr über die Erkenntnisse der kanadischen Metaanalyse lesen Sie hier. Über die Entwicklung der deutschen Corona-App halten wir Sie auf unserer Plattform auf dem Laufenden.

Wir freuen uns über Ihr Feedback. Schreiben Sie einfach an podcast@coliquio.de

1. Water, sanitation, hygiene, and waste management for the COVID-19 virus: interim guidance. World Health Organization; 23.04.2020.
2. Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Badegewässer. Umweltbundesamt; 27.3.2020.
3. Allende et al.: Informe sobre transmisión del SARS-CoV-2 en playas y piscinas. 05.05.2020.
4. Coronavirus: Darf ich im Sommer baden gehen? dpa; 14.05.2020.
5. Ewert, Katrin: Corona: Anstecken im Badewasser ist unwahrscheinlich. Quarks.de; 19.05.2020.

Titelbild: © Getty Images/TommL

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