29. Mai 2020

coliquio-Podcast

Schwere Lungenschäden durch Covid-19 & Ärztestatistik 2019

Im heutigen Podcast sprechen wir über folgende Themen:

  • Obduktionen von Covid-19-Patienten: Sterben Betroffene mit oder an dem Virus? 
  • Ärztestatistik 2019: Das hat sich getan bei Deutschlands Ärzten 
  • Diskussion um das Ende der AU per Telefon: Vertane Chance oder höchste Zeit?  

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören!

Dauer: 7 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch, Marc Fröhling. Moderation: Katja Angermaier

  • Herzlich willkommen zu unserem coliquio-Podcast – das Update. 

    Wir sprechen heute über folgende Themen: 

    • Obduktionen von Covid-19-Patienten: Was ist die genaue Todesursache? 
    • Aktuelle Ärztestatistik: Was hat sich getan bei Deutschlands Ärzten? 
    • Diskussion um das Ende der AU per Telefon: Vertane Chance?  

    Mein Name ist Katja Angermaier und ich spreche heute wieder mit meinen beiden Kollegen aus der Medizin-Redaktion bei coliquio – Deutschlands größtem Ärztenetzwerk: Nina Mörsch und Marc Fröhling.   

    Katja Angermaier: Hallo Nina, hallo Marc! Was raus kommt, wenn sich Boulevardmedien am Wissenschaftsjournalismus versuchen, hat man diese Woche ja sehr schön beobachten können bei der Bildzeitung und ihrer Auseinandersetzung mit den Crona Studien von Christian Drosten. Deswegen bin ich froh, dass meine beiden Gesprächspartner mehr Erfahrung mit der Auswertung von Studien haben. Nina, du hast dir diese Woche eine Studie angesehen von Augsburger Pathologen. Was kam da raus? 

    Nina Mörsch: Bislang ist es ja noch eine viel diskutierte Frage, ob Covid-19-Patienten mit oder an dem Virus sterben. Denn viele der schwer Betroffenen sind ja bereits komorbid und älter. Und diese Studie hat da zumindest ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht. Denn laut deren Ergebnissen sterben die Patienten nicht an ihren Vorerkrankungen, sondern eher an ungewöhnlich schweren Schäden der Lunge, die durch das Virus selbst verursacht werden.  

    Katja Angermaier: Als Resonanz auf den Beitrag, der bei uns erschienen ist, gab es ja Nachfragen aus dem Forum zum konkreten Befund – den hast Du jetzt dabei, oder? 

    Nina Mörsch: Ja, genau, der Hauptbefund der Lungen waren disseminierte, diffuse Schäden an den Alveolen in verschiedenen Stufen der Ausprägung. Und das entspricht histologisch einem ARDS, (acute respiratory distress syndrome). Diese Schäden sind nach Angaben der Pathologen bei den hier untersuchten Patienten eine direkte Folge des Virus - denn was auch dafür spricht, dass sie virales Erbmaterial bei allen Verstorbenen in den Atemwegen gefunden, sogar zum Zeitpunkt der Autopsie. 

    Katja Angermaier: Aber es gibt doch immer wieder auch die Annahme, dass solche Schädigungen eine Folge der Beatmung darstellen?  

    Nina Mörsch: Ja, und auch dazu nehmen die Autoren Stellung: Sie konnten nämlich keinen Unterschied zwischen beatmeten und nicht-beatmeten Patienten finden. Sie schließen daraus, dass die Schädigungen der Lungen keine Komplikation der Beatmung sind. Man muss aber auch betonen, dass die Studie sehr klein war.  

    Katja Angermaier: Sehr klein – kKannst du kurz was zur Studie sagen?  

    Nina Mörsch: Ja, gerne. Die Pathologen vom Augsburger Uniklinikum haben für ihre Analyse insgesamt 19 Patienten obduziert, die an Covid-19 erkrankt waren. Nun haben sie die Ergebnisse der ersten 10 Obduktionen veröffentlicht. Die Verstorbenen waren im Durchschnitt 79 Jahre alt und hatten alle  Vorerkrankungen. Wer’s nachlesen will, die ist auch schon publiziert, und zwar im JAMA. Wir verlinken die auch in den Shownotes. 

    Katja Angermaier: Du Marc hast diese Woche die aktuelle Ärztestatistik der Bundesärztekammer durchgearbeitet, die diese Woche neu rausgekommen ist. Was hast du dir besonders angeschaut?  

    Marc Fröhling: Ein großer Punkt darin ist natürlich die Altersstruktur. Knapp 10 % der Ärzte sind nämlich inzwischen schon über 65. Nochmal so viele werden es bald. Und dann steht uns erst noch die Rente der geburtenstarken Jahrgänge bevor.

    Katja Angermaier: Und wir haben ja jetzt schon einen Fachkräftemangel as sat die Statisk dazu?  

    Marc Fröhling: Wir holen uns zum Beispiel immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland. Die Zahl ist im letzten Jahr wieder um 7 % angestiegen. Insgesamt sind es aktuell fast 60.000 ausländische Kollegen. In den letzten Jahren vor allem aus Rumänien, Syrien und Griechenland. Die Entwicklung wird dadurch aber natürlich nicht komplett aufgefangen.  
    Es wandern ja auch deutsche Kollegen ab 

    Katja Angermaier: Alle in die Schweiz, Richtung mehr Gehahlt?  

    Marc Fröhling: Eigentlich in die ganze Welt verteilt, häufig jedoch zu den direkten Nachbarn Österreich aber natürlich auch in die Schweiz. Nicht nur in der Schweiz wird gut gezahlt, in Österreich verdient man inzwischen auch nicht mehr unbedingt weniger als in Deutschland . 

    Katja Angermaier: Wer sich für die Verhältnisse in anderen Ländern interessiert, kann auch unsere Seite “Als-Arzt-ins-Ausland besuchen. Hier haben wir die Vor- und Nachteile einer ganzen Reihe an Ländern zusammengestellt. Die verlinken wir hier auch nochmal, würd ich sagen.  

    Im Forum gings diese Woche um das Ende der telefonischen Krankschreibung. Stichtag ist hier der 31. Mai. Die Ärzte auf coliquio diskutieren grade drüber, ob man das lieber noch ausweiten sollte oder ob das schon so passt. Wie sind da die Lager? 

    Marc Fröhling: Ja, die Diskussion läuft grade noch. Eine Meinung ist klar die, dass bei einem neuen gesundheitlichen Problem der Erstkontakt immer persönlich sein sollte. Dagegen sagt ein anderer Kollege, eine AU über das Telefon kann gesünder, billiger, risikoärmer für die Patienten im Wartezimmer und das Praxispersonal sein. 
      

    Nina Mörsch: Das Ganze ist natürlich nicht nur bei den Ärzten selber ein Thema, sondern auch bei den Kassen.  
    Wer was dazu gesagt hat ist zum der Chef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm. Eins seiner Argumente für die Telefon AU ist die hohe Zahl an Arztkontakten, die für Krankschreibungen nötig sind.  Das sind pro Werktag 111.000! Und das bei der eh schon superhohen Auslastung der Niedergelassenen.  

    Marc Fröhling: Und natürlich gibt’s halt auch die Diskussion darüber, ob das Blaumachen nicht zu leicht wird, wenn man für die Krankschreibung nicht mal mehr vor Ort simulieren muss.  

    Katja Angermaier: Da die Diskussion noch läuft, werden wir diese auch noch hier unter dem Beitrag verlinken. Und Nina, du hast noch ein Thema von einer eurer Kolleginnen dabei, die Milch macht’s nicht mehr? Um auf einen beliebten Werbeslogen aus den 90ern anzuspielen.

    Nina Mörsch: Genau, Katja, der Ruf der Kuhmilch ist nicht mehr so gut wie er mal war – das sagt zumindest die Wissenschaft, wenn es um die Auswirkungen der Milch auf die Gesundheit geht. Dazu gibt es eine sehr gute Übersichtsarbeit im New England Journal of Medicine und wir haben die Kernpunkte jetzt zusammengefasst. Den Artikel kann man bei coliquio ganz aktuell finden.  

    Katja Angermaier: Danke Nina und Marc, das wars schon wieder mit dem coliquio Podast, das Update. Wir freuen uns, wenn Sie uns abbonieren und auch nächste Woche wieder zuhören. Sie finden uns aktuell auf Spotify, itunes und Deezer. Bis dahin, bleiben Sie gesund.  

    Dieser Podcast wird produziert von der coliquio-Redaktion. Aufgezeichnet wurde am 28. Mai 2020. Redaktion Dr. Nina Mörsch und Marc Fröhling. Moderation: Katja Angermaier. Kommentare und Anregungen unter podcast@coliquio.de 

Im Podcast genannte Beiträge und Publikationen:

  1. Tina Schaller, Klaus Hirschbühl, Katrin Burkhardt, et al: Postmortem Examination of Patients With COVID-19, JAMA. Published online May 21, 2020
  2. Ärztestatistik: Zahlen & Fakten zu Deutschlands Ärzten
  3. Forumsdiskussion: Ende der Telefon-AU: Vertane Chance?
  4. Übersichtsbeitrag: Milch ist gesund….oder?

Wir freuen uns über Ihr Feedback. Schreiben Sie einfach an podcast@coliquio.de

  1. Tina Schaller, MD1; Klaus Hirschbühl, MD2; Katrin Burkhardt, MD3; et al: Postmortem Examination of Patients With COVID-19. JAMA. Published online May 21, 2020. doi:10.1001/jama.2020.8907
  2. Pressemitteilung des Uniklinikums Augsburg: COVID-19 in Augsburg: Obduktionen zeigen schwere Lungenschädigungen
  3. Beitrag zur Ärztestatistik: Zahlen & Fakten zu Deutschlands Ärzten
  4. Forumsdiskussion: Ende der Telefon-AU: Vertane Chance?

Bild: © GettyImages/fergregory

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