08. Mai 2020

coliquio-Podcast

Heinsberg-Studie & die Maskendebatte

In der heutigen Folge beschäftigen wir uns mit der kontrovers diskutierten Heinsberg-Studie, der Corona-Pandemie aus Sicht eines Palliativmediziners und mit der Debatte um Sinn und Unsinn der allgemeinen Maskenpflicht.

Redaktion: Dr. Nina Mörsch und Marc Fröhling

  • Schön, dass Sie dabei sind. Das Thema Corona hat uns weiterhin im Griff. Unsere Themen in der heutigen Folge: Die Tücken der Heinsberg Studie, und Corona aus Sicht eines Palliativmediziners und eine hitzige Diskussion unter Ärzten über die allgemeine Maskenpflicht.  

    Katja Angermaier: Es war die Woche der Heinsberg-Studie. Wissenschaftler um den Virologen Hendrik Streek haben für die Studie den frühen Ausbruch der Epidemie in dem Ort Gangelt untersucht. Da haben sich ja viele Menschen auf einen Schlag auf einer Karnevalssitzung mit Covid-19 angesteckt. Die Ergebnisse sind ja bis hinein in die Publikumsmedien kontrovers diskutiert worden. Könnt ihr die Knackpunkte zusammenfassen? 

    Dr. Nina Mörsch: Naja, zuerst einmal muss man sagen, dass bereits die ersten Veröffentlichungen der Studie vor einigen Wochen für Kontroversen gesorgt haben. Hier wurde vor allem kritisiert, dass die Erkenntnisse viel zu u verfrüht präsentiert wurden und das wichtige Hintergrunddaten fehlten  

    Katja Angermaier: Diesmal war ja ein großer Punkt mit den meisten Schlagzeilen die hohe Dunkelzifferschätzung. Und auf Basis dieser Studie gab es ja eine Hochrechnung, dass es inzwischen 1,8 Millionen infizierte Menschen in Deutschland geben könnte. 

    Dr. Nina Mörsch: Genau, hier gibt es eigentlich mehrere Punkte zu nennen, die kritisiert werden. Das fängt bei der Sterblichkeitsrate an, denn die mussten die Forscher ja zunächst abschätzen, um überhaupt die Dunkelziffer bestimmen zu können – und hierfür konnten sie aber nur auf 7 gemeldete Todesfälle zurückgreifen – also einfach sehr wenig Fälle.  

    Katja Angermaier: Aber hier gab es ja auch Kritik an der Hochrechnung… 

    Dr. Nina Mörsch: Genau, auch diese Hochrechnungen gelten als fehlerhaft.  So sollen Hendrik Streek und Kollegen Unsicherheitsfaktoren unterschlagen haben, die bei einer solchen Schätzung wichtig seien. Diese Unsicherheiten sind aber eben wichtig, um aussagekräftige Daten zu erhalten. So kann es bei einer guten Schätzung nicht nur ein Ergebnis geben, sondern es muss eine Spannweite möglicher richtiger Ergebnisse angegeben werden.  

    Und wenn man das auf Corona bezieht, würde das bedeuteten dass die Zahl möglicher Infizierter wahrscheinlich bei mindestens knapp einer Million liegt, sie kann aber genauso gut auch bis zu 5 Millionen Menschen umfassen.  

    Katja Angermaier: Außerdem habt ihr diese Woche einen Blick geworfen auf die Situation in Kliniken und Heimen…

    Marc Fröhling: Ja! Und dazu hat die Redaktion ein Interview mit einem Palliativmediziner geführt: mir Dr. Matthias Thöns. Er findet die jetzigen Regelungen zu pauschal und zu rigoros wünscht sich flexible Lösungen, was die Besuchsregelungen angeht.  

    Katja Angermaier: Als Palliativmediziner hat er es ja mit einer besonders sensiblen Patientengruppe zu tun. Hat er auch noch speziell was gesagt zur Begleitung von seinen Patienten, die mit Co-Vid 19 infiziert sind?  

    Marc Fröhling: Ja, er hat von Studien berichtet, nach denen bei diesen hochbetagten Covid-19-Patienten durch eine Beatmung die Prognose nicht wesentlich verbessert wird. Und deswegen fordert er: Betroffene sollen selber entscheiden können, ob ihnen eine palliativmedizinische Betreuung zu Hause nicht lieber ist – auch wenn so die intensive Betreuung wegfällt.  

    Katja Angermaier: Im Forum haben die Ärzte bei uns diese Woche selber sehr viele Meinungen zum Thema Maskenpflicht geteilt.  

    Dr. Nina Mörsch: Eine große Diskussion um Sinn und Unsinn, genau. In der vergangenen Woche hat sich ja auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer Pressekonferenz deutlich gegen die allgemeine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit ausgesprochen.  

    Marc Fröhling: Weil uns die Meinung der Ärzteschaft interessiert hat, haben wir eine Umfrage gestartet, an der bisher 3400 Ärzte teilgenommen haben. Das Ergebnis: 40 % finden eine allgemeine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit sinnvoll, 38 % sind der Meinung, dass sie mehr schadet als nützt. Die restlichen 22 % finden, dass eine Maskenpflicht zwar nicht schadet, aber auch keinen Nutzen bringt.  

    Katja Angermaier: Die Umfrage läuft ja noch, oder? 

    Dr. Nina Mörsch: Ja, die läuft noch. 

    Katja Angermaier: Ich würde sagen, die verlinken wir in den Shownotes, damit wir hier möglichst viele Meinungen einsammeln können. Zum Schluss würde ich auch heute gern wieder einen Ausblick geben, was ihr grade redaktionell vorbereitet.

    Marc Fröhling: Wir möchten bei unseren Covid-19-Themen einen Blick über den Tellerrand werfen und sprechen mit einem amerikanischen Klinikarzt. Im Fokus stehen hier therapeutischen Strategien und die Frage, welche Erfahrungen er bei der Behandlung gesammelt hat.  

    Katja Angermaier: Danke Nina und Marc! Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie auch bei unserer nächsten Ausgabe des coliquio-podcasts dabei wären. Alles Gute bis dahin und bleiben Sie gesund! Dieser Podcast wird produziert von der coliquio Redaktion. Aufgezeichnet wurde am 7. Mai 2020. Redaktion: Dr. Nina Mörsch und Marc Fröhling. Moderation Katja Angermaier 

Die Ergebnisse der Heinsberg-Studie und die anschließende Diskussion dazu finden Sie hier. Das vollständige Interview mit dem Palliativmediziner Dr. Matthias Thöns lesen Sie in unserem Beitrag „Schluss mit der strikten Isolation in Heimen und Kliniken!“ Um an der Umfrage zur Sinnhaftigkeit der allgemeinen Maskenpflicht teilzunehmen, klicken Sie hier.

Wir freuen uns über Ihr Feedback. Schreiben Sie einfach an podcast@coliquio.de.

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