10. Juli 2020

coliquio-Podcast

Immunität nach Covid-19 & West-Nil-Virus in Deutschland

Im heutigen Podcast sprechen wir über folgende Themen:

  • Covid-19 & Immunität bei leichtem Verlauf 
  • Das RKI informiert zum West-Nil-Virus in Deutschland 
  • Ärztetipps aus dem Forum zur Behandlung von Mückenstichen  

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören!

Dauer: 8,5 Minuten

Redaktion: Marc Fröhling, Dr. Nina Mörsch. Moderation: Katja Angermaier

  • Podcast – 09.07.2020:  Immunität nach Covid-19 & Neues zum West-Nil-Virus in Deutschland

    Herzlich willkommen zu unserem coliquio-Podcast – das Update – wir besprechen was Ärzte bewegt.  

    Bei uns geht es in dieser Woche um folgende Themen: 

    • Covid-19 & Immunität bei leichtem Verlauf 
    • Das RKI informiert zum West-Nil-Virus in Deutschland 
    • Ärztetipp aus dem Forum für Mückenstiche  

    Mein Name ist Katja Angermaier und ich spreche heute wieder mit meinen beiden Kollegen aus der Medizin-Redaktion von coliquio – Deutschlands größtem Ärztenetzwerk: Nina Mörsch und Marc Fröhling.    

    Katja Angermaier: Nina, Ihr habt euch mit mehreren Studien im Preprint-Stadium beschäftigt, bei denen es um Antikörperbildung nach Infektionen mit SARS-CoV-2 auseinandersetzen. Welche neuen Erkenntnisse gibt’s da?    

    Nina Mörsch: Eigentlich geht man ja davon aus, dass der Nachweis spezieller Antikörper auf frühere Infektionen hinweist. Allerdings gab es nun mehrere Studien, die bei Menschen mit milden oder gar keinen Symptomen einer Covid-19-Infektion keine solchen IgG-Antikörper nachweisen konnten. (Quellen: Solbach et al: Antibody profiling of COVID-19 patients in an urban low-incidence region in Northern Germany, Cervia C. et al: Systemic and mucosal antibody secretion specific to SARS-CoV-2 during mild versus severe COVID-19)

    Und diese sind ja für das Immungedächtnis wichtig. Auch in einer vor kurzem in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Publikation fanden chinesische Forscher, dass bei Infizierten ohne Symptome die Antikörper-Konzentration bereits nach kurzer Zeit wieder sank. (Quelle: Long, Q., Tang, X., Shi, Q. et al.Clinical and immunological assessment of asymptomatic SARS-CoV-2 infections. Nat Med (2020). https://doi.org/10.1038/s41591-020-0965-6)

    Katja Angermaier: Heißt das, dass sich diese Personen erneut mit SARS-CoV-2 anstecken können?  

    Nina Mörsch: Theoretisch könnte es das heißen, muss aber nicht. Denn noch ist nicht wirklich geklärt, welcher Teil der Immunabwehr besonders wichtig für diesen Schutz ist. Es gibt ja auch noch neben den Antikörper bildenden B-Zellen die T-Zellen. Die auch für einen dauerhaften Immunschutz wichtig sein können.  

    Und auch zu diesem Aspekt gibt es aktuelle Studienergebnisse: So lassen sich auch bei Personen, die noch gar nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, T-Zellen nachweisen, die auf das neuartige Coronavirus reagieren. Die Forscher leiten daraus ab, dass diese Menschen vermutlich bereits früher mit anderen verwandten Coronaviren in Kontakt waren – also solchen die eher normale Erkältungen auslösen.  

    Katja Angermaier: Sind diese Patienten also vor einer SARS-CoV-2-Infektion geschützt? 

    Nina Mörsch: Ja, möglicherweise hat diese Infektion zu einer Teil-Immunität gegen das neue Coronavirus geführt. Dies könnte auch erklären, warum Patienten so unterschiedlich auf das Virus reagieren. Aber auch hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen – man muss weitere Forschungsarbeiten abwarten.  

    Katja Angermaier: Außerdem haben wir diese Woche nochmal neue Studien aufgearbeitet zu Vitamin D und dem Sterblichkeitsrisiko bei einer Covid-19-Erkrankung, das war der meistgelesene Artikel auf coliquio diese Woche. Wir hatten hier im Podcast ja schon einmal dazu gesprochen und auch die neu veröffentlichten Daten bestätigen, was wir bereits besprochen haben. Wenn Sie hier nochmal reinlesen wollen, was der aktuelle Stand ist: Wir verlinken Ihnen den Artikel unter dem Beitrag und in den Shownotes des Podcasts.  

    Marc, du hast diese Woche Infos zusammengetragen zum West-Nil-Virus. Warum ist der im deutschsprachigen Raum denn aktuell ein Thema?  

    Marc Fröhling: Ja, weil es da jetzt immer mehr Fälle auch bei uns geben könnte! Der Erreger stammt ursprünglich aus Afrika. Durch Zugvögel ist er auch schon nach Europa gelangt. Und Mücken – also bei uns ganz gewöhnliche Stechmücken - die sich an den Vögeln Infizieren, können den Erreger auch auf Säugetiere – das sind vor allem Pferde – und eben auch den Menschen übertragen. Gerade in Südeuropa gibt es schon länger solche Übertragungen im Sommer, dort kann der Erreger auch überwintern.  (Mehr lesen: West-Nil-Virus könnte sich in Deutschland etablieren)

    Katja Angermaier: Wie häufig kommt der Erreger denn vor in Deutschland?  

    Marc Fröhling:  Bisher sah es so aus: Seit einigen Jahren gibt es immer mal wieder sehr vereinzelte Fälle, die waren alle reiseassoziiert. 2018 dann gabs in Südeuropa einen größeren Ausbruch. Das hat dann auch zu Nachweisen bei Vögeln und Pferden in Deutschland geführt. Und im vergangenen Spätsommer ist es eben passiert: Bei 5 Personen in Ostdeutschland konnte das Virus nachgewiesen werden. Und in diesen Fällen ist die Übertragung sehr wahrscheinlich auf Mücken aus dem Inland zurückzuführen. Das Robert-Koch-Institut hat nun eine Meldung herausgegeben, in der es zum ersten Mal drauf hinweist, dass man mögliche Infektionen auch in Deutschland auf dem Schirm haben sollte.   

    Katja Angermaier: 5 - das klingt ja erstmal nach einer sehr geringen Zahl … 

    Marc Fröhling: Ja, aber dazu muss man sagen: 3 der 5 Fälle waren neuroinvasive Erkrankungen. Wenn man sich jetzt das klinische Spektrum ansieht, zeigt sich, dass 80 % der Fälle asymptomatisch verlaufen, 19 % sind symptomatisch aber unkompliziert – das ist dann eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung - und in 1 % der Fälle verläuft die Infektion neuroinvasiv mit schwerer Erkrankung. Das lässt dann auf eine deutlich höhere Zahl von Infektionen im vergangenen Jahr schließen, die nicht übermittelt wurden.  

    Katja Angermaier: Was bedeutet das für den Arzt in der Praxis, muss man das jetzt immer auf dem Schirm haben? 

    Nina Mörsch: Zumindest laut RKI sollte man im Sommer und Spätsommer in Gebieten mit Virusnachweisen oder bei Reiserückkehrern darüber nachdenken, wenn Patienten über entsprechende Symptome klagen. Gerade wenn es zu Enzephalitiden kommt, bei denen die Herkunft unklar ist oder wenn sich viele Patienten mit Fieber melden und da der Ursprung nicht klar ist. 

    Marc Fröhling: Bei Verdacht sollte die Diagnostik möglichst über ein Speziallabor erfolgen. Außerdem besteht auch eine Meldepflicht bei Erregernachweis. Alle wichtigen Informationen dazu haben wir dann auch unter dem Podcast verlinkt. 

    Katja Angermaier: Und nach diesem sehr speziellen Thema machen wir jetzt noch einen Schwenk ins totale Gegenteil. Im coliquio Forum gings nämlich um ein echtes Allerweltsthema: Um Mückenstiche und extreme Reaktionen an den Einstichstellen. 

    Marc Fröhling: Angefangen hat das alles mit einer Ärztin, die bei uns im Forum Fotos von ihren eigenen Mückenstichen eingestellt hat und die Kollegen um ihre Tippps, Erfahrung und Hausmittel gebeten hat. Und da waren dann Thermostifte im Gespräch, was ja der Favorit bei der Behandlung sein soll. Und Hausmittelchen wurden auch noch ausgetauscht. Hat uns so gut gefallen, dass wir die besten Tipps grade zusammenfassen und gleichzeitig mit diesem Podcast veröffentlich.  

    Katja Angermaier: Das wars auch schon wieder mit unserer heutigen Podcast-Ausgabe. Wir freuen uns, wenn Sie in einen der von uns vorgestellten Beiträge reinlesen. Was auf coliquio jede Woche passiert, das hören Sie bei uns im Update Podcast. Wenn Sie uns nicht verpassen, wollen, abonnieren Sie uns gern auf iTunes, Spotify oder Deezer. Bis dahin, bleiben Sie gesund.  

    TON 

    Dieser Podcast wird produziert von der coliquio Redaktion. Aufgezeichnet wurde am 09. Juli 2020. Redaktion: Dr. Nina Mörsch und Marc Fröhling. Moderation Katja Angermaier.

Alle Informationen und Studien aus dem Podcast im Überblick:

Wir freuen uns über Ihr Feedback. Schreiben Sie einfach an podcast@coliquio.de

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