06. Oktober 2021

US-Chirurginnen

Viel Stress, viele Schwangerschaftskomplikationen

Chirurginnen in den USA haben einer Befragung zufolge ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Infertilität. Die Folge ist ungewollte Kinderlosigkeit.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Späte erste Schwangerschaften bei Ärztinnen 

Über das Problem der ungewollten Kinderlosigkeit von Ärztinnen wird einem aktuellen Bericht der „New York Times“ zufolge in den USA bereits seit einigen Jahren diskutiert. Bereits vor fünf Jahren habe eine Umfrage unter Ärztinnen in den USA ergeben, dass bei fast einer von vier Frauen, die versucht hätten, ein Kind zu bekommen, Unfruchtbarkeit diagnostiziert worden sei – fast doppelt so viele wie in der Allgemeinbevölkerung („Journal of Women’s Health“). Laut einer aktuellen Studie liege das Durchschnittsalter von Frauen beim Abschluss ihrer medizinischen Ausbildung bei 31 Jahren, heißt es in der „New York Times“. Die meisten Ärztinnen würden im Durchschnitt mit 32 Jahren zum ersten Mal schwanger. Das Durchschnittsalter für Nicht-Medizinerinnen bei der Geburt betrage 27 Jahren.

Umfrage unter US-Chirurginnen und Chirurgen

Um mehr Aufmerksamkeit für das Problem zu wecken, fand im April dieses Jahres eine US-weite Aktionswoche zum Thema Unfruchtbarkeit bei Ärztinnen statt; im Juni veranstaltete die „American Medical Women’s Association“ (AMWA) einen ersten nationalen Fruchtbarkeitsgipfel mit Sitzungen zu den Themen Einfrieren von Eizellen, Leistungen und Versicherungsschutz für Fertilitätsbehandlungen sowie Unfruchtbarkeit und psychische Gesundheit. Die AMWA plant, im kommenden Jahr erneut einen solchen Gipfel abzuhalten.

Um valide Zahlen zu dem beklagten Problem zu erhalten, hat ein Team um die Chirurgin Professor Erika L. Rangel (Harvard Medical School, Boston) eine Umfrage unter Chirurgen und Chirurginnen in den USA durchgeführt. Die Ergebnisse sind kürzlich im Fachmagazin „JAMA Surgery“ erschienen.

  • Danach hatten von 692 befragten Chirurginnen 290 (42,0 %) einen Schwangerschaftsverlust erlitten, mehr als doppelt so viele wie in der Allgemeinbevölkerung. Im Vergleich zu Chirurgen hatten Chirurginnen weniger Kinder, verzögerten aufgrund ihrer chirurgischen Ausbildung eher das Kinderkriegen und nutzten häufiger reproduktionsmedizinische Methoden. 
  • Im Vergleich zu Frauen, die keine Chirurginnen waren, hatten Chirurginnen häufiger schwerwiegende Schwangerschaftskomplikationen; die errechnete Risiko-Erhöhung war auch nach Kontrolle von Alter, Arbeitsstunden, In-vitro-Fertilisation und Mehrlingsschwangerschaft signifikant (Odds Ratio [OR], 1,72; 95 % CI, 1,11-2,66).

Ähnliche Ergebnisse hatte eine im Mai publizierte kanadische Kohortenstudie (“JAMA Internal Medicine“).

Was sind die Ursachen?

Als Ursachen für das Problem gelten das beruflich bedingte Hinauszögern des Kinderwunsches, Stress, Nachtdienste, Schlafstörungen, schlechte Ernährung und Bewegungsmangel. Auch die Suche nach einem Partner kann angesichts der anspruchsvollen Arbeitszeiten eine Herausforderung sein.

Umfrage in Deutschland: Burnout kein Monopol von US-Medizinern

Ob die US-Ergebnisse auf Chirurginnen und andere Ärztinnen Deutschland übertragen werden können, sei dahingestellt. Fakt ist, dass US-Mediziner sicher kein Monopol auf Stress, Nachtdienste und Burnout haben, wie unter anderem eine aktuelle Umfrage von „Medscape“  ergeben hat, über die „Univadis“ vor wenigen Wochen berichtet hat. 

In der Umfrage berichteten 55 Prozent der Ärzte, die im Zeitraum von Juni bis August 2020 den Online-Fragebogen ausgefüllt hatten, über körperliche, emotionale und mentale Erschöpfung. Viele Ärzte und Ärztinnen gaben an,  unter Schlafstörungen zu leiden. Jeder zweite Arzt und jede zweite Ärztin haben der Umfrage zufolge mit psychischen Problemen zu kämpfen. 19 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer klagten über Burnout-Symptome. 

Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.

Bildquelle: © gettyImages/Oscar Wong

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