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Chirurgie

05. Dez. 2024
Nie mehr „blind“ operieren

Wie Ultraschall im OP die Chirurgie revolutioniert

Intraoperativer Ultraschall (IOUS) erweitert die Möglichkeiten bei komplexen Eingriffen in bisher ungeahntem Ausmaß. Selbst kleinste Tumore werden zuverlässig erkannt, und die anatomische Orientierung wird erleichtert. Die Technik ist in Echtzeit einsetzbar, strahlungsfrei und relativ kostengünstig.

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Ultraschall im OP
Durch den intraoperativen Einsatz des Ultraschalls werden in diffizilen Fällen das OP-Ergebnis und die Prognose der Patienten verbessert, so das Fazit der Experten. (Foto: © Getty Images / Westend61)

Autor: Dr. med. Horst Gross | Redaktion: Marina Urbanietz

Bessere Orientierung 

„Alle Operationen sind auf eine exakte Orientierung im Gewebe angewiesen“, betont PD Dr. med. Christian Tesch (Hamburg) auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM), die am Mittwoch, den 27. November 2024 stattgefunden hat.

Für den stellvertretenden Leiter der DEGUM-Sektion Chirurgie ist der intraoperative Ultraschall in folgenden Aspekten besonders relevant: die anatomische Orientierung, die Erkennung nicht tastbarer Tumore bei minimalinvasiven Eingriffen, die Kontrolle von Gefäßanastomosen sowie das Aufspüren okkulter Tumore etwa der Leber bei Resektionen. Insbesondere unter Verwendung von Kontrastmitteln.

Effektiv bei Lebermetastasen

Eine aktuelle Meta-Analyse mit Daten von 497 Patienten mit Lebermetastasen belegt die Effektivität der Methode. Der IOUS-Einsatz führte zu deutlich verbesserten OP-Strategien: Bei 26 % der Patienten wurden hierdurch zusätzliche Metastasen entdeckt. Bei 18 % der Patienten machte der Ultraschall eine Ausweitung des Eingriffs notwendig (umfangreichere Hepatektomie), und bei 3 % führte der IOUS-Einsatz zum Abbruch des Eingriffs wegen Inoperabilität.1

Endoskopische Chirurgie profitiert 

Mittlerweile stehen auch für die endoskopische Chirurgie entsprechende Schallköpfe in Form von abgewinkelten Sonden zur Verfügung. Sie erleichtern nicht nur die anatomische Orientierung, sondern auch das Detektieren von radiologisch okkulten Tumoren. „Das hat unmittelbare prognostische Konsequenzen“, erklärt Tesch. „Zum Beispiel können wir bei Pankreastumoren durch den intraoperativen Ultraschall ein sogenanntes Downstaging erreichen und so mehr Patienten einer kurativen Therapie zuführen.“ 2

Exaktere Neurochirurgie 

Auch in der Neurochirurgie findet der intraoperative Ultraschall zunehmend Anwendung. PD Dr. med. Maria-Theresa Pedro (Ulm) setzt die Methode routinemäßig bei Hirntumoren ein. So gelingt es, das intraoperative ‘Brain Shift’ zu kompensieren:3 „Das Gehirn verändert seine Lage während der Operation, und mein präziser Plan vom Anfang stimmt nicht mehr“, erläutert Pedro. „Wenn ich nicht sicher bin, wie weit etwa die Ventrikel entfernt sind oder ob noch Resttumor in der Höhle ist, kann ich in zwei, drei Minuten mit dem Ultraschall nachsehen“, gibt die Neurochirurgin zu bedenken.

Brustchirurgie: Weniger Zweit-OPs

Bei Brustkrebsoperationen kann der intraoperative Ultraschall dazu beitragen, die Rate an Zweitoperationen zu vermindern. Prof. Dr. med. Markus Hahn (Tübingen) erklärt hierzu: „Wir können durch den intraoperativen Ultraschall die Rate an Zweitoperationen deutlich reduzieren.“ Bisher musste bei bis zu 35 Prozent der Frauen ein zweites Mal operiert werden, weil der Tumor nicht vollständig entfernt wurde, so Hahn. Die Ultraschalltechnik ermöglicht hier ein wesentlich präziseres Vorgehen. „Wir können die freien, gesunden Ränder ohne Tumor exakt bemessen und so das Volumen, das wir entfernen müssen, minimieren.“ Für die Frauen ein echter Gewinn an Lebensqualität, da so auch unnötige Mamma-Amputationen vermieden werden.4

Fehlende Akzeptanz

Durch den intraoperativen Einsatz des Ultraschalls werden in diffizilen Fällen das OP-Ergebnis und die Prognose der Patienten verbessert, so das Fazit der Experten. Allerdings gibt es auch Herausforderungen: „Die Methode ist nicht überall flächendeckend verfügbar, und Ausbildung sowie Ausstattung müssen verbessert werden“, sagt Dr. med. Christian Hillert (Reinbek). Dennoch überwiegen die Vorteile deutlich, gerade in der Tumorchirurgie. Umso mehr, als zunehmend die KI die Aussagekraft des intraoperativen Ultraschalls verbessert. Im Interesse der Patienten sei deshalb ein breiterer Einsatz der intraoperativen Ultraschalltechnik unabdingbar, um die OP-Ergebnisse gezielt zu verbessern.

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