Viele Fehler bei Operationen sind vermeidbar
Auch heute noch stellt ein operativer Eingriff immer ein gewisses Risiko dar. Nach den Ergebnissen einer retrospektiven US-amerikanischen Studie traten bei 38 % der Erwachsenen, die wegen einer Operation stationär aufgenommen wurden, unerwünschte Ereignisse auf, von denen etwa die Hälfte potenziell vermeidbar waren.
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Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Marina Urbanietz
Retrospektive Kohortenstudie
Viele Faktoren wie minimalinvasive Techniken, Lupenbrillen und OP-Sicherheits-Checklisten haben dazu beigetragen, dass operative Eingriffe heute sicherer sind. Trotzdem kommt es immer wieder zu unerwünschten Ereignissen, die eine zusätzliche Überwachung, Behandlung oder Krankenhauseinweisung notwendig machen oder gar mit dem Tod enden.
In die retrospektive Kohortenstudie von Antoine Duclos vom Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School, Boston, und seinem Team gingen die Daten von 1.009 Personen ein, die sich 2018 in elf US-Krankenhäusern einer stationär durchgeführten Operation unterzogen hatten.1 Berücksichtigt wurden verschiedene chirurgische Fachbereiche wie Orthopädie, Thorax- und Herzchirurgie, Gastroenterologie, Urologie und Gynäkologie. Erfasst wurden unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der Operation, die als unbeabsichtigte körperliche Verletzungen definiert waren, die weitere Maßnahmen erforderten oder zum Tod führten.
Schwerwiegende Zwischenfälle bei knapp 16 % der Operierten
Bei 38 % trat mindestens ein solches Ereignis auf – das bei insgesamt 15,9 % als schwerwiegend (erheblicher Eingriff oder längere Genesungszeit erforderlich, lebensbedrohlich oder tödlich) klassifiziert wurde. Zu einem lebensbedrohlichen Ereignis kam es bei 2,5 % der Patienten und Patientinnen – 0,6 % verstarben an den Folgen der Operation.
Bei kardiovaskulären Eingriffen Rate an unerwünschten Ereignissen am höchsten
Bei insgesamt 25,6 % der Operierten wurde ein unerwünschtes Ereignis als potenziell vermeidbar klassifiziert, bei 10,2 % als wahrscheinlich oder definitiv vermeidbar. 3,1 % erlitten ein schwerwiegendes Ereignis, das man wahrscheinlich oder definitiv hätte vermeiden können. Bei älteren Menschen und kardiovaskulären oder thoraxchirurgischen Eingriffen war die Rate an unerwünschten Ereignissen am höchsten.
Am häufigsten betrafen die Ereignisse den chirurgischen Eingriff selbst (49,3 %), gefolgt von Arzneimittelvergabe (26,6 %), therapieassoziierten Infektionen (12,4 %) und Pflegefehlern (11,2 %). Ereignisse während der Operation waren häufiger schwerwiegend und seltener vermeidbar als Fehler bei der der Medikation oder der Patientenversorgung. An den meisten unerwünschten Ereignissen war ärztliches Personal beteiligt (89,5 %), bei 58,9 % Pflegekräfte.
Fazit und Limitationen
Die Ergebnisse zeigen, dass operative Eingriffe auch heute noch ein nicht geringes Risiko darstellen und viele Fehler vermeidbar wären. Somit sollten weitere Anstrengung zur Erhöhung der Patientensicherheit unternommen werden, schreibt das Autorenteam. Dass die Inzidenz der Fehler hier höher ist als in Vorläuferstudien, könnte an der besseren Dokumentation von Zwischenfällen in elektronischen Patientenakten und an der Beschränkung auf stationäre Fälle liegen. So würden heute leichtere Eingriffe häufig ambulant vorgenommen und im Krankenhaus die risikoreicheren Eingriffe durchgeführt.
Als Limitationen nennen die Autoren u.a. das retrospektive Studiendesign mit möglicherweise unvollständiger Dokumentation. Bei der Einschätzung der Vermeidbarkeit von Fehlern könnte es zu Verzerrungen gekommen sein, da Fehler aus heutiger Sicht vermeidbar erscheinen können, die zum damaligen Zeitpunkt noch als unvermeidlich galten.

