Sind Chirurgen wirklich geschickter als andere Fachärzte?
Für „Buzz Wire“ („heißer Draht“) braucht man ein ruhiges Händchen – und einen kühlen Kopf. Schließlich geht es bei dem Geschicklichkeitsspiel darum, eine Drahtschlaufe möglichst rasch durch ein Kupferdraht-Labyrinth zu bewegen, ohne es zu berühren. Dass Chirurgen sich beim Spiel besonders geschickt anstellen – aber auch am häufigsten fluchen – zeigt jetzt eine Studie in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journals (BMJ).1
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autorin: Ute Eppinger | Redaktion: Dr. Nina Mörsch
Dr. Tobin Joseph, Leeds Teaching Hospitals NHS Trust in Leeds, und Kollegen wollten herausfinden ob Ärzte, die Skalpelle schwingen, wirklich geschickter sind als Ärzte anderer Fachrichtungen, Krankenschwestern und Verwaltungsmitarbeitern und ob sie unter Druck auch eher die Ruhe bewahren. Um das herauszufinden, prüften die Forscher die manuelle Geschicklichkeit und die Gelassenheit von 254 Mitarbeitern eines NHS-Krankenhauses (60 Ärzte, 64 Chirurgen, 69 Krankenschwestern und 61 nicht-klinische Mitarbeiter) mit Hilfe eines Buzz-Wire-Spiels über einen Zeitraum von 3 Wochen.
Alle Teilnehmer wurden angewiesen, einen Metallstab mit einer Schleife von einem Ende eines verdrillten Drahtes zum anderen zu führen, ohne den Draht zu berühren. Dabei wurde die Zeit gemessen. Berührte die Schlaufe den Draht an irgendeiner Stelle ertönte ein Summer, und der Teilnehmer musste zurück zum Anfang.
Die Anweisungen waren standardisiert. Übungsversuche gab es nicht. Joseph und Kollegen zeichneten neben der Zeit auch Frustrationsbekundungen wie Seufzen, Stöhnen, Murmeln oder Fluchen auf.
Chirurgen bewältigen das Labyrinth mit Abstand am schnellsten
84% aller teilnehmenden Chirurgen schlossen das Spiel innerhalb von 5 Minuten ab, verglichen mit 57% aller Ärzte, 54% aller Krankenschwestern und 51% aller medizinischen Mitarbeiter des Krankenhauses. Chirurgen schlossen das Spiel auch schneller ab, unabhängig von Alter und Geschlecht, mit einer durchschnittlichen Zeit von 89 Sekunden im Vergleich zu 120 Sekunden bei Ärzten anderer Fachrichtungen, 135 Sekunden bei Krankenschwestern und 161 Sekunden bei Mitarbeitern der Verwaltung.
Allerdings fluchten Chirurgen auch am häufigsten während des Spiels (50%), gefolgt von Krankenschwestern (30%), Ärzten (25%) und nicht-medizinischem Personal (23%) (p=0,004). Sonstige Mitarbeiter gaben die meisten Frustrationsgeräusche von sich (75%), gefolgt von Krankenschwestern (68%), Chirurgen (58%) und Ärzten (52%).
Studie zeigt unterschiedliche Fähigkeiten der Berufsgruppen
Nach Einschätzung der Autoren verdeutlichen ihre Studienergebnisse die unterschiedlichen Fähigkeiten des Krankenhauspersonals. Sie weisen aber darauf hin, dass es sich um Beobachtungsergebnisse handelt, und dass Personen mit Vorerfahrungen oder Personen, die sich selbst für geschickter halten, sich möglicherweise rascher zu einer Teilnahme entschieden hätten. Andere, nicht gemessene Faktoren wie vorherrschender Stress, Müdigkeit und Koffeinkonsum könnten die Leistung ebenfalls beeinflusst haben.
Joseph und Team vermuten sie, dass entweder ein Trainingseffekt oder eine angeborene Fähigkeit die bessere Leistung der Chirurginnen und Chirurgen erkläre. Sie schreiben, dass „die künftige Ausbildung von der Einbeziehung von Familienspielen profitieren könnte, um sowohl die Geschicklichkeit als auch die Stressbewältigung in allen Fachbereichen zu verbessern“. Die Autoren regen darüber hinaus an, „chirurgische Schimpfkanonaden mit Spenden für einen guten Zweck zu belegen“.
Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape erschienen.
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