25. Dezember 2020

Verirrtes Gewebe in der Lunge?

Eine 40-jährige ehemalige Raucherin stellt sich bei ihrer Ärztin vor, da sie seit 2 Monaten unter einem trockenen Husten und dem Gefühl von Flüssigkeitsbewegungen im Thorax leide. In ihrer Krankenakte finden sich lediglich Leberhämangiome, welche gut kontrolliert sind.1

Ein CT des Thorax zeigt eine große, von einer dünnen Wand umgebene Flüssigkeitsansammlung in der Region der rechten Fissura obliqua. Die Ansammlung dehnt sich in die rechte parakardiale und die posteriore mediastinale Region aus. Das angrenzende Lungengewebe zeigt eine Atelektase, das übrige Parenchym ist jedoch normal (Abb.1).

Zur weiteren Untersuchung wird eine video-assistierte Thorakoskopie durchgeführt. Bei dieser stoßen die Ärzte auf 3 dünnwandige zystische Läsionen, die sowohl Flüssigkeit als auch Luft enthalten und aus dem Lungenparenchym entspringen. Die Flüssigkeit wird abgesaugt und eine Analyse offenbart darin vor allem kleine Lymphozyten und Schaumzellen. Es werden keine Organismen, Eier oder Parasiten entdeckt.

Routine-Blutuntersuchungen, ein Viren-Screen und Tests auf Autoimmunerkrankungen sind ohne auffälligen Befund. Die Patientin erwähnt Reisen nach Afrika, daher werden auch tropische Infektionskrankheiten in Betracht gezogen. Es gibt jedoch keine positiven Laborergebnisse.

Die behandelnden Ärzte entscheiden sich für eine chirurgische Exzision der Zysten aufgrund der Risiken möglicher Komplikationen, z.B. eines Pneumothorax. Die Patientin erholt sich gut von der Operation. Bei einer Kontrolle 3 Monate später ist sie asymptomatisch, mit normaler Lungenfunktion und keinerlei Hinweisen auf eine erneute Erkrankung im CT.

Die histologische Untersuchung der Zystenwandfragmente zeigt fibröses und chronisch inflammatorisches Gewebe mit einer fokal nodulären Architektur und prominenten lymphoiden Aggregaten (Abb.2). Blutgefäße und Lymphbahnen sind deutlich zu erkennen. Die Zysten sind fokal von blanden Epithelzellen umgeben.

Immunhistochemisch zeigt sich eine fleckige Verteilung von D2-40 und CD34, hervorgehoben in vaskulären und lymphatischen Bereichen. AE1/3 und TTF-1 werden in Pneumozyten nachgewiesen, CD10 zeigt eine fokale, Stromaartige Färbung.

  1. Mudawi D et al.Images of the month: Placental transmogrification of the lung: a rare cause of cystic lung disease. Clinical Medicine 2020; 20(6): 603-604.

Hinweis der Redaktion: Unser Quizformat “Bild der Woche” basiert auf einem realen Patientenfall, der erstmals im Clinical Medicine Journal des Royal College of Physicians veröffentlicht und uns freundlicherweise überlassen wurde.

The Royal College of Physicians has not checked the accuracy of this translation. Before making any clinical use of this material, please refer to the original version.

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