18. Dezember 2020

Zufallsfund durch Covid-19-Diagnostik

Eine 28-jährige Frau mit Typ-1-Diabetes mellitus kommt aufgrund von Erbrechen, Schmerzen der linken Gesichtshälfte und intermittierenden Bauchschmerzen in die Klinik. Außerdem berichtet sie über pleuritische Schmerzen und Kurzatmigkeit. Bei der Auskultation fallen Rasselgeräusche im rechten unteren Bereich des Thorax auf. Die Sauerstoffsättigung liegt bei 100%. Es besteht eine große, feste Schwellung der linken Gesichtsseite, augenscheinlich ein Abszess im Mundraum. Ansonsten gibt es keine direkt zu erkennenden Auffälligkeiten.1

Im Labor werden folgende Werte erhoben:

  • pH: 7,0
  • Glukose: 22,3 mmol/l
  • Bicarbonat: 3,2 mmol/l
  • Ketonkörper: 3,8 mmol/l
  • Leukozyten: 16,5 × 10 9 /l
  • Neutrophile: 14,5 × 10 9 /l
  • Lymphozyten: 0,7 × 10 9 /l
  • C-reaktives Protein: 35 mg/l
  • Alkalische Phosphatase: 147 IU/l
  • HbA1c: 117 mmol/mol (12,9%)

Die Diagnose einer diabetischen Ketoazidose (DKA), infolge des Abszesses, wird gestellt. Die Ärzte verordnen Antibiotika, eine angepasste Dosierung von Insulin und Flüssigkeitsersatz. Aufgrund der Covid-19-Pandemie und der Dyspnoe wird weitere Diagnostik durchgeführt.

Eine Röntgenaufnahme des Thorax wird als normal berichtet (Abb. 1), im darauffolgenden Kontrastmittel-verstärkten CT zeigt sich jedoch ein ausgeprägtes Pneumomediastinum und ein Pneumoperikard unbekannter Ursache (Abb.2 & 3). Der Abstrich ist negativ für SARS-CoV-2.

Die Ärzte haben zunächst den Verdacht einer Ösophagusruptur (Boerhaave-Syndrom), weshalb die Frau auf der Intensivstation behandelt wird, mit parenteraler Ernährung. Die DKA verschwindet innerhalb weniger Stunden auf der Station und eine Euglykämie wird mit variablen Dosen von intravenösem Insulin erreicht. Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen behandeln den akuten Abszess des linken unteren Molaren mit Antibiotika und planen eine Extraktion.

Am 5. Tag des Klinikaufenthalts sind die Symptome nicht mehr vorhanden. Die Patientin kann in stabilem Zustand nach Hause entlassen werden. Ein Follow-Up-CT zeigt deutliche Verbesserungen und keine Anzeichen einer Ösophagusruptur (Abb.4). Die weitere Behandlung erfolgt mit der üblichen Insulin-Therapie.

  1. Marchon KA et al.Images of the month: An incidental finding of spontaneous pneumomediastinum (Hamman’s syndrome) secondary to diabetic ketoacidosis during the coronavirus pandemic. Clinical Medicine 2020; 20(6): e275-e276

Hinweis der Redaktion: Unser Quizformat “Bild der Woche” basiert auf einem realen Patientenfall, der erstmals im Clinical Medicine Journal des Royal College of Physicians veröffentlicht und uns freundlicherweise überlassen wurde.

The Royal College of Physicians has not checked the accuracy of this translation. Before making any clinical use of this material, please refer to the original version.

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