13. August 2021

Die magersüchtige Märchenerzählerin

Eine 38-jährige Frau mit bekannter Anorexia nervosa und Angststörungen kommt in eine Klinik, da sie unter Flüssigkeitsmangel, Fatigue und weiteren Gewichtsverlust leidet. Dies ist in den vergangenen 18 Monaten wiederholt aufgetreten. Die Frau wurde symptomatisch behandelt und wieder entlassen. Ihre psychiatrischen Probleme gehen mit Arbeitslosigkeit und Beziehungsschwierigkeiten einher. Sie wird mit Citalopram und Quetiapin behandelt.1

Bei der Untersuchung wiegt die Frau 30 kg und hat einen Body Mass Index von 13 kg/m 2 . Die körperliche Untersuchung, eine mentaler Test und die Routine-Blutuntersuchungen sind ohne auffälligen Befund. Lediglich die Blutwerte für Kalium, Phosphat und Magnesium sind niedrig (3,2, 0,7 bzw. 0,72 mmol/l). Der Kortisolwert ist erhöht (760 mmol/l), was auf eine Mangelernährung und ein Risiko eines Refeeding-Syndroms hinweist.

Die Patientin wird enteral und parenteral mit Flüssigkeit und Nahrung versorgt. Sie lehnt Mahlzeiten ab und möchte sich selbst aus der Klinik entlassen. Schließlich stimmt sie einer Nasensonde zu und nimmt in den nächsten zwei Wochen 5 kg zu. Die Blutwerte liegen weiter im normalen Bereich.

Während des Klinikaufenthalts entwickelt die Frau visuelle Halluzinationen und erzählt objektiv falsche Geschichten (Konfabulation). Eine neurologische Untersuchung offenbart einen linksseitigen Nystagmus, eine bilaterale Dysmetrie, Hypotonie, Dysdiadochokinese und einen Intentionstremor. Eine Fundoskopie zeigt bilaterale Stauungspapillen. Ein MRT des Schädels wird angefertigt (Abb. 1 & 2).

  1. Singh P et al. Lesson of the month 2: A choroid plexus papilloma manifesting as anorexia nervosa in an adult. Clinical Medicine 2017; 17(2): 183-185.

Hinweis der Redaktion: Unser Quizformat “Bild der Woche” basiert auf einem realen Patientenfall, der erstmals im Clinical Medicine Journal des Royal College of Physicians veröffentlicht und uns freundlicherweise überlassen wurde.

The Royal College of Physicians has not checked the accuracy of this translation. Before making any clinical use of this material, please refer to the original version.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653