23. Juli 2021

Fahrt ins Vergessen

Ein 29-jähriger Mann fährt mit seinem Auto auf der üblichen Route von der Arbeit nach Hause. Plötzlich kann er sich nicht mehr orientieren und verfährt sich. Er ruft seine Freundin an, um nach Hilfe zu fragen, dabei ist er verärgert und aufgeregt. Die Freundin schafft es, ihn anhand der Straßenschilder zu seiner Wohnung zu navigieren. Als sie dort eintrifft, um ihn abzuholen, ist er bereits wieder weggefahren und hat vergessen, dass er sie angerufen hatte. Als die Frau ihren Partner schließlich trifft stellt er ihr immer wieder die gleichen Fragen und kann sich nicht an die Antworten erinnern.1

Innerhalb der nächsten 24 Stunden bessert sich sein Zustand, aber er bleibt weiterhin ein wenig vergesslich. Es gibt keine Vorgeschichte von Kopfschmerzen, Fieber, epileptischen Anfällen, körperlichen Einschränkungen oder psychosozialem Stress.

4 Monate zuvor hatte der Patient bereits ein Krankenhaus aufgesucht, da er unter progressiven, aufsteigenden Parästhesien im Bereich der Schlüsselbeine und Fingerspitzen litt. Ein MRT hat eine weit verbreitete T2 Hyperintensität im Gehirn und Rückenmark, mutmaßlich eine Demyelinisierung, gezeigt. Routine-Blutuntersuchungen waren normal, im Liquor fanden sich oligoklonale Banden. Die Diagnose eines klinisch isolierten Syndroms (KIS) wurde gestellt und der Patient erhielt 3 Tage intravenös Methylprednisolon. Daraufhin verbesserten sich seine Symptome, lediglich eine leichte Fatigue bestand weiter.

Bei der aktuellen Untersuchung ist das Kurzzeitgedächtnis des Mannes stark beeinträchtigt, auch bei wiederholten Fragen, können keine neuen Information erinnert werden. Seine Sprache ist normal und flüssig. Bei einem Mini-Mental-Status-Test (MMST) erreicht er einen Wert von 22/30. Die Reflexe in den unteren Extremitäten sind pathologisch, ansonsten ist die neurologische Untersuchung unauffällig. Erneut wird ein MRT angefertigt (Abb.1).

  1. Shanmugarajah PD et al. Lesson of the month 2: Transient reversible amnesia in multiple sclerosis. Clinical Medicine 2017; 17(1): 88-89.

Hinweis der Redaktion: Unser Quizformat “Bild der Woche” basiert auf einem realen Patientenfall, der erstmals im Clinical Medicine Journal des Royal College of Physicians veröffentlicht und uns freundlicherweise überlassen wurde.

The Royal College of Physicians has not checked the accuracy of this translation. Before making any clinical use of this material, please refer to the original version.

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