14. Januar 2022

Eindeutiger Herzinfarkt, oder?!

Eine 69-jährige Frau aus dem britischen Cornwall wird in die Notaufnahme gebracht. Zwei Stunden zuvor ist die Patientin zuhause kollabiert, mit vagen Brustschmerzen, Lethargie und unspezifischen Unwohlsein. Eine Anamnese ist aufgrund des eingetrübten Bewusstseinszustands und der sehr schwachen Stimme der Frau nur schwer möglich.1

In der Patientenakte finden sich eine ischämische Herzkrankheit, eine Koronarangioplastie, Herzinsuffizienz, Hypertonie, Hypercholesterinämie und eine laufende Untersuchung einer Struma.

Bei der Untersuchung erscheint die Patientin unwohl, dehydriert und gebrechlich, hämodynamisch jedoch stabil. Sie schwitzt nicht, ist nicht klamm oder hat Schmerzen. Die Untersuchung des kardiovaskulären Systems ist unauffällig. Im initialen EKG zeigt sich eine ausgedehnte ST-Streckenhebung in den Ableitungen V1 bis V5, Q-Zacken und eine schwache R-Progression (Abb.1).

Aufgrund ihrer Vorgeschichte und des EKG-Befunds wird eine Thrombolyse durchgeführt. Im Labor liegen die Werte für Kreatinkinase und Troponin T im normalen Bereich. Allerdings liegt der Kalziumwert bei hohen 5,09 mmol/l. Eine zwei Wochen zuvor entnommene Biopsie offenbart einen disseminierten Schilddrüsentumor.

Der Zustand der Frau verschlechtert sich rapide, trotz Wiederbelebungsmaßnahmen verstirbt die Patientin 36 Stunden nach der Aufnahme in die Klinik. Ein EKG kurz vor dem Tod zeigt keine Herzinfarkt-typischen Veränderungen (Abb.2).

  1. Wesson LG et al. Severe hypercalcaemia mimicking acute myocardial infarction. Clinical Medicine 2009; 9(2): 186-187.

Hinweis der Redaktion: Unser Quizformat “Bild der Woche” basiert auf einem realen Patientenfall, der erstmals im Clinical Medicine Journal des Royal College of Physicians veröffentlicht und uns freundlicherweise überlassen wurde.

The Royal College of Physicians has not checked the accuracy of this translation. Before making any clinical use of this material, please refer to the original version.

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