05. November 2021

GOZ in der Praxis

Aligner: Die unsichtbare Zahnkorrektur

Die Aligner-Therapie erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit und wird schon lange nicht mehr allein von Kieferorthopäden erbracht. Nach unserer Erfahrung wirft die Abrechnung zu dieser Methode noch immer Fragen auf. Antworten auf die Abrechnungsmöglichkeiten von unsichtbaren Zahnkorrekturen geben Ihnen unsere Abrechnungsexpertinnen Carina Lumpe und Barbara Hornung im Beitrag und in unserer neuen gratis Übersicht.

Lesedauer: 3 Minuten

No-Go Pauschalbeträge

Immer wieder stellen wir fest, dass für Aligner-Behandlungen Pauschalbeträge veranschlagt werden. Hiervon raten wir dringend ab. Eine Paushalberechnung ist nach GOZ unzulässig.

Aber wie wird eine solche Behandlung richtig abgerechnet?

Beratungsleistungen

Ein Patient kommt zu Ihnen in die Praxis und möchte zu einer Aligner-Therapie informiert werden. Sobald Sie ihn dazu beraten, fallen die Beratungspositionen GOÄ 1, GOÄ 3 oder GOÄ 34 an. Für welche Gebührenposition Sie sich hier entscheiden, liegt bei Ihnen. Kalkulieren Sie nach Ihrem individuellen Stundensatz und dokumentieren Sie die Beratungszeit für die entsprechende Faktorerhöhung. Eine Nebeneinanderberechnung der Beratungspositionen ist nicht möglich. Beachten Sie bitte die Abrechnungsbestimmungen der Gebührenpositionen:

  • Beraten Sie nach der GOÄ 3 ist eine weitere Leistung in der Sitzung nicht möglich, ausschließlich Untersuchungen nach der GOÄ 5, 6 und GOZ 0010 sind neben der GOÄ 3 berechnungsfähig.
  • Die GOÄ 1 ist jedoch mit vielen anderen Leistungen aus der GOÄ und GOZ kompatibel – hier ist aufgrund der Bewertung allerdings eine Anpassung des Faktors zu empfehlen.
  • Bei der GOÄ 34 ist eine Beratungsdauer von mindestens 20 Minuten zu erfüllen, andernfalls ist die Position nicht abzurechnen.

Anschließend erstellen Sie dem Patienten einen Heil- und Kostenplan nach der GOZ 0040.

Planung und Diagnostik

Zeigt der Patient Interesse und zieht eine Behandlung in Erwägung, können Abdrücke für Ihre Planung und zur Diagnostik genommen werden. Diese berechnen Sie nach der GOZ 0050 für einen Kiefer oder aber nach der GOZ 0060 für beide Kiefer. Arbeiten Sie mit einem Scanner, können Sie die digitale Abformung nach der GOZ 0065 je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnen. So würde für eine Ober- und Unterkieferbehandlung mit einer einfachen Bissregistrierung 4x die GOZ 0065 anfallen.

Für Ihre Anfangsunterlagen und zur Planung benötigen Sie außerdem ein Röntgenbild und digitale Fotos. Das Röntgenbild berechnen Sie je nach Art des Bildes entsprechend der GOÄ 5004 für ein OPG oder nach der GOÄ 5090 für ein Fernröntgenseitenbild (FRS).

Tipp: Eine FRS-Aufnahme ist zuschlagsberechtigt, hier können Sie zusätzlich den Zuschlag für digitale Radiographie nach GOÄ 5298 abrechnen.

Bei einem OPG ist dies nicht möglich. Sie machen bei dem Patienten eine digitale Frontalaufnahme sowie eine Profilaufnahme, diese sind nach der GOZ 6000 je Aufnahme zu berechnen (für die Anfangsunterlagen also 2x GOZ 6000). Außerdem fertigen Sie intraorale Fotos an, diese sind nicht nach der GOZ 6000 zu berechnen. Hier bringen Sie entweder die Analogie nach §6 Abs. 1 mit ins Spiel oder berechnen die intraoralen Fotos nach der Bundeseinheitlichen Benennungsliste (BEB).

Optionale Wachstumsanalyse
Sofern Sie eine Wachstumsanalyse anhand des Fernröntgenseitenbildes (GOÄ 5090) durchführen, berechnen Sie diese mit der GOZ 6020. Für die dreidimensionale, graphische und metrische Analyse oder für die Erstellung eines Diagramms anhand der Diagnostikmodelle nach GOZ 0060 wird je Methode die GOZ 6010 abgerechnet.

Tipp: Beachten Sie hier, dass die Analyse von Kiefermodellen nur abgerechnet werden kann, wenn bereits zuvor die GOZ 0060 abgerechnet wurde. Bei einer elektronischen Abformung und Analysen an virtuellen Modellen erfolgt die Berechnung nach §6 Abs. 1.

Die computergestützte Vorschau des Behandlungsergebnisses beispielsweise mittels clincheck® ist nicht in der GOZ abgebildet und wird anlog nach §6 Abs. 1 GOZ.

Für die Herstellung der Aligner-Schienen benötigen Sie die Abformung für die Versendung an den Fremdanbieter. Nehmen Sie eine klassische Abformung mit Silikon vor, berechnen Sie für den Ober- und Unterkiefer jeweils 1x die GOZ 5170. Nehmen Sie Scans vor und verschicken die Abformungen auf digitalem Weg, rechnen Sie je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich die GOZ 0065 ab.

Umformungen und Attachments

Die Hauptleistungen für die Umformung werden abhängig vom Schwierigkeitsgrad nach den Positionen 6030–6050 berechnet. Bei der Behandlung von erwachsenen Patienten, also nach abgeschlossener Wachstumsphase, wird zusätzlich je Kiefer die GOZ Position 6090 für die Einstellung in den Regelbiss berechnet. Da das Eingliedern der Schienen mit den Hauptleistungen nach 6030–6050 abgegolten ist, empfehlen wir an dieser Stelle eine Faktoranpassung.

Oftmals ist das Kleben von Attachments notwendig, diese können Sie mit der GOZ 6100 sowie zusätzlich bei adhäsiver Befestigung GOZ 2197 je Attachment berechnen. Gelegentlich ist die Platzschaffung durch approximale Schmelzreduktion (slicen, strippen) für ein optimales Verschieben der Zähne erforderlich, diese Leistung ist in der GOZ nicht beschrieben und wird somit analog nach §6 Abs. 1 GOZ berechnet. Wie bei allen Analogleistungen gilt auch hier die Beachtung der eigenen betriebswirtschaftlichen Praxiskosten. Erfolgt eine Entfernung der Attachments, kann dies mit der GOZ 6110 honoriert werden.

Was passiert nach der Behandlung?

Ist die Behandlung abgeschlossen, empfiehlt sich das Kleben eines Retainer oder das Anfertigen einer Retentionsschiene. Wie ein solcher Retainer abgerechnet wird, erfahren Sie hier. Sollten Sie keinen Retainer kleben, sondern eine Retentionsschiene anfertigen, ist diese mit den entsprechenden Umformungsziffern 6030 ff. und 6060 ff. abgegolten.

Tipp: Hier empfiehlt es sich, den Faktor der Hauptleistungen entsprechend anzupassen, die Material- und Laborkosten können aber zusätzlich berechnet werden.

Neue kostenlose Übersicht zu möglichen Analogleistungen und BEB-Positionen

Sichern Sie sich jetzt unsere neue gratis Übersicht zu zahntechnischen Analogleistungen und Leistungen nach §6 Abs. 1 GOZ unserer Expertinnen Carina Lumpe und Barbara Hornung.

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Bildquelle: © Lin Shao-hua via Getty Images (Symbolbild)

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