04. Februar 2022

GOÄ in der Praxis 3 Abrechnungstipps von der Expertin

Die Büdinger Abrechnungsexpertin Yvonne Römer überprüft 3 Abrechnungsthemen und erklärt Ihnen, wie sie optimiert werden können. Weitere 10 hilfreiche Abrechnungstipps aus der Praxis schicken wir Ihnen gerne per E-Mail zu.

Abrechnung der Blutdruckmessung

Für die Blutdruckmessung geht die Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) davon aus, dass sie durch nichtärztliches Praxispersonal erbracht wird. Nur in diesem Fall sieht Nr. 2 GOÄ eine Vergütung vor. Wird sie durch den Arzt erbracht, ist sie Bestandteil anderer Leistungen wie der Untersuchung nach Nr. 5, 6 oder 7 GOÄ. Diese Regelung kann nicht dadurch umgangen werden, indem man Nr. 638 (Punktuelle Arterien- und/oder Venenpulsschreibung) oder Nr. 643 (Periphere Arterien- bzw. Venendruck- und/oder Strömungsmessung) für eine Blutdruckmessung abrechnet. Die mit diesen Gebührennummern beschriebenen Leistungen sind durch die Blutdruckmessung nicht erfüllt. Auch der Weg über die analoge Berechnung dieser Gebührennummern ist versperrt, da die Blutdruckmessung im Leistungsverzeichnis als Leistung des nichtärztlichen Praxispersonals geregelt ist.

1. Tipp

Die Nr. 638 GOÄ kann z. B. für die Untersuchung der Karotis- oder Jugularis-Pulskurve abgerechnet werden. Die Nr. 643 GOÄ ist für die Untersuchung der peripheren Gefäße im Wege der nicht direktionalen (unidirektionalen) doppler-sonographischen Untersuchung abrechenbar. Werden diese Leistungen erbracht, können sie neben den Untersuchungsziffern 5, 6 oder 7 berechnet werden.

Richtige Ziffer für abgebrochene Leistungserbringung

Wenn die Leistung einer Gebührennummer nicht vollständig erbracht wurde, kann diese nicht abgerechnet werden – auch nicht im Falle eines geringeren Steigerungssatzes. Gleiches gilt bei einer Änderung des Leistungstextes, der die abgebrochene Leistungserbringung kenntlich macht. Diese ruft ebenfalls die Beanstandungen der privaten Krankenversicherungen hervor. Weichen Sie stattdessen auf eine andere Ziffer aus, deren Leistungsinhalt erfüllt ist. Hierbei kann ein möglicher zusätzlicher Aufwand bei der Wahl des Steigerungssatzes berücksichtigt werden.  

2. Tipp

Wenn der Patient das Gespräch über eine lebensverändernde Erkrankung (Nr. 34 GOÄ) nach 15 Minuten abbricht, ist der Leistungsinhalt der Nr. 34 GOÄ von mindestens 20 Minuten nicht erfüllt. Dabei trägt die Abrechnung der Nr. 34 GOÄ zum 1,0-fachen Steigerungssatz wegen der nicht erfüllten Mindestdauer den Streichungsgrund bereits auf der Stirn. Besser ist es, Nr. 1 GOÄ mit einem erhöhten Steigerungssatz wegen der Dauer des Gesprächs abzurechnen.

Technischer Fortschritt in der Medizin ist in der GOÄ nicht abgebildet

Diese Aussage ist grundsätzlich richtig. Trotzdem bedeutet das nicht, dass in jedem Fall eine andere Gebührennummer als die für diese Leistung ursprünglich vorgesehene abgerechnet werden kann. Verlässlich sind in diesem Zusammenhang allein Analogempfehlungen der Bundesärztekammer. In allen anderen Fällen empfiehlt es sich, die technische Neuheit genau anzusehen. Ist sie so weitreichend, dass durch sie medizinische Leistungen erbracht werden, welche die ursprüngliche Gebührennummer nicht enthält, lässt sich das Ausweichen auf andere Gebührennummer begründen. Bleibt der Fortschritt durch die technische Neuheit hinter dem genannten Maßstab zurück, kann sie gegebenenfalls über eine Höherbewertung abgebildet werden.

3. Tipp

Ein MRT bleibt ein MRT unabhängig davon, ob es in einem geschlossenen Gerät oder in einem offenen Gerät durchgeführt wird. Deshalb kann für die Durchführung einer MRT in einem offenen Gerät keine anderen Gebührennummern abgerechnet werden, als die in der GOÄ enthaltenen. Allerdings entscheiden sich manche Patienten gezielt für ein offenen MRT. Die Gründe, welche sie zu der Entscheidung bewogen haben, können eine Höherbewertung rechtfertigen, bspw. wenn trotzdem bei der Untersuchung beruhigend auf den Patienten eingegangen werden muss.

10 weitere hilfreiche Abrechnungstipps aus der Praxis

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