22. Januar 2021

Cannabis-Verordnung soll vereinfacht werden

Vor vier Jahren ist das Gesetz „Cannabis als Medizin“ in Kraft getreten, wodurch die Verordnung von Cannabinoiden hierzulande ermöglicht wurde. Doch heute wird ein Drittel aller Anträge von den Krankenkassen abgelehnt. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin möchte nun die bürokratischen Hürden abbauen und verhandelt hierzu mit der AOK Rheinland/Hamburg. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Marina Urbanietz

Ein Drittel aller Anträge von Krankenkassen abgelehnt

Voraussetzung für den Einsatz von Cannabinoiden ist die Ausschöpfung aller Standardtherapien. Dabei sind chronische Schmerzen, insbesondere neuropathische Schmerzen, besonders im Bereich von Rückenschmerz und Tumorschmerz die Hauptindikationen. „Hinweise auf eine missbräuchliche Auslegung oder Anwendung des Gesetzes liegen bisher nicht vor“, so Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), auf der diesjährigen Pressekonferenz der Gesellschaft.

„Dennoch wird etwa ein Drittel der Anträge zur Verordnung von Cannabinoiden von den Krankenkassen abgelehnt.“ Probleme in der Versorgung ergeben sich durch die Antragstellung bei den Krankenkassen, unter Einschaltung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen und im Übergang zwischen stationären und ambulanten Versorgungsformen.

Häufige Gründe für Ablehnung

Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), auf der diesjährigen Pressekonferenz der Gesellschaft

Ein häufiges Problem in Antragsverfahren ist die der Verordnung zugrunde liegende Interpretation, welche theoretisch denkbaren Therapiealternativen der Patient erfolglos erduldet haben muss (siehe beispielsweise SG Bremen, 24.10.2017: S7 KR 227/17 ER). Auch die Definition einer Schwere der Erkrankung und die Erwartung einer nicht ganz entfernt liegenden Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung von Cannabinoiden auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome sind Objekt unterschiedlicher Interpretationen zwischen dem Medizinischen Dienst, verordnenden Arzt und Patienten. So werden meist die Anträge von palliativmedizinischen Patienten mit tumorbedingten Schmerzen genehmigt, wohingegen andere Schmerzarten aus Sicht der Krankenkassen keine Indikation darstellen.

Therapieentscheidung soll ausschließlich zwischen Arzt und Patient getroffen werden

Um diese Situation für Ärzte und Schmerzpatienten zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin Verhandlungen mit gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Ziel dieser Verhandlungen ist die Aufhebung des Genehmigungsvorbehaltes einer Erstverordnung durch die Krankenkassen. Das bedeutet, dass die Therapieentscheidung ausschließlich beim Arzt in Absprache mit seinem Patienten liegen soll.

Selektivvertrag zunächst mit der AOK Rheinland/Hamburg

Ein Mittel zur Umsetzung dieses Anspruchs ist ein Selektivvertrag zunächst zwischen der AOK Rheinland/Hamburg und der DGS. Dabei soll die Qualifizierung der Verordner im stationären und ambulanten Bereich durch eine 40-stündige curriculare Fortbildung der DGS sichergestellt werden. Die Entwicklung des Curriculums soll in einem solchen Selektivvertrag das Vertrauen der Krankenkassen rechtfertigen, Cannabinoide unter Aufhebung des Genehmigungsvorbehaltes zu verordnen.

Auch die Praxisleitlinie Cannabis in der Schmerzmedizin der DGS soll weiterentwickelt werden, um im Abgleich mit aktuellen wissenschaftlichen Informationen den Verordnern Hilfestellung in einem solchen Selektivvertrag zu geben. Die Entwicklungen innerhalb eines Selektivvertrages sollen wissenschaftlich evaluiert werden.

Neues Modell auf ganz Deutschland ausweiten

Dr. Horlemann ist überzeugt, dass sich dieses Modell auf ganz Deutschland ausweiten werde. Ein entsprechendes Vertragswerk soll bald allen gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden.

1. Jahresauftakt-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Schmerzmedizin 2021: Sichere Versorgung – Versorgung sichern, 20.01.2021.

Titelbild: © GettyImages/LightFieldStudios

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