08. März 2019

Sexuell übertragbare Infektionen: Neue Erkenntnisse & Therapie-Empfehlungen

Freiburger Infektiologen beleuchten in ihrem Artikel in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift 1, wieso die Inzidenz von Syphilis ansteigt, warum man nach Tropenaufenthalt keine Kinder zeugen sollte und was die deutsche Leitlinie zur Diagnostik der Chlamydien-Infektion empfiehlt. (Lesedauer 2 Minuten)

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Aktuelles zu sexuell übertragbaren Infektionen“ von Prof. Dr. med. Rieg und Kollegen 1. Laura Cabrera hat den Inhalt für Sie zusammengefasst.

Gonorrhö

In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Fälle von Antibiotikaresistenzen gegenüber der First-Line-Therapie gemeldet, also Ceftriaxon und Azithromycin. Einzelfälle zeigten eine Persistenz von Neisseria gonorrhoea im Rachen nach durchlaufener antibiotischer Therapie. Diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass bei Nachweis einer pharyngealen Infektion eine höhere Dosierung von Ceftriaxon nötig sein könnte. Die Leitlinien sind derzeit in Bearbeitung.

Peniler Ausfluss bei zugleich pyodermaler Läsion an der Glans penis.

Gonorrhö, HPV, Molluscum contagiosum, Granuloma inguinale, Lymphgranuloma venereum
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) manifestieren sich nicht nur anogenital. Auch andere Körperregionen können betroffen sein, weshalb STI oft fehlinterpretiert oder zu spät bemerkt werden. Sehen Sie hier eine Auswahl bebilderter Fälle.

Lymphgranuloma venereum

In einer deutschen Studie wurden 471 homosexuell aktive Männer mit einer symptomatischen anorektalen oder genitalen Infektion mit Chlamydia trachomatis untersucht. Dabei konnte bei 221 Patienten der Serotyp L nachgewiesen werden, der mit dem Lymphgranuloma venereum (LGV) assoziiert ist. 2 Die deutsche Leitlinie empfiehlt daher, dass zumindest bei einer Chlamydien-Proktitis immer auch eine Typisierung des Serovars erfolgen sollte. Sollte eine Infektion mit einem L-Serovar vorliegen, ist Doxycyclin für 21 Tage indiziert.

Humanes Papilloma-Virus

Pro Jahr werden in Deutschland 4500 Cervixkarzinome diagnostiziert, die mit dem Humanen Papilloma-Virus assoziiert sind. Das RKI schätzt, dass ca. 1600 Männer im Jahr ebenfalls wegen HPV an Krebs erkranken. 3 Seit September 2018 ist die Impfung auch für Jungen im Alter von 9-14 Jahren ein Teil der Schutzimpfungs-Richtlinie. 6

Genitalwarzen bei einem 15-jährigen Mädchen.
Genitalwarzen bei einem 15-jährigen Mädchen.

HPV: Diagnostik, Therapie und Prävention
Eine Übersicht über HPV und die assoziierten Erkrankungen finden hier mit freundlicher Genehmigung von Deximed.

Mycoplasma genitalium

Das Bakterium, das keine vollständige Zellwand besitzt, ist für Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane und der Urethra verantwortlich. Differentialdiagnostisch kommt jedoch immer eine statistisch häufigere Chlamydieninfektion oder Gonorrhö in Betracht. Gegen die empfohlene Behandlung mit Azithromycin treten allerdings vermehrt Resistenzen auf.

HIV-Präexpositionsprophylaxe

Die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) besteht aus der täglichen Einnahme von Tenofovir-Disoproxilfumarat und Emtricitabin. Zugelassen ist die PrEP nur zur kontinuierlichen Prophylaxe, nicht zur Anwendung bei Bedarf. Während der PrEP besteht naturgemäß kein Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen, weshalb begleitend stets auf andere Infektionen getestet werden muss.

Syphilis

Syphilis-Neuinfektionen dominieren weiterhin unter homosexuell aktiven Männern. Eine Rolle scheint dabei zu spielen, dass zwei HIV-positive Partner auf die Verwendung von Kondomen verzichten. Dadurch werden naturgemäß auch andere sexuell übertragbare Erreger weitergegeben.

Schanker im Primärstadium auf der Eichel

Syphilis: Häufigkeit & Stadien
Seit 2010 steigt die Zahl der Syphilis-Meldungen in Deutschland an. Unbehandelt kann die Geschlechtskrankheit zu schweren Spätschäden führen. Sehen Sie hier bebilderte Fälle der Krankheitsstadien und erfahren Sie im zweiten Teil mehr über die Therapieoptionen.

Zika-Virus und Kinderwunsch

Das Zika-Virus wird von Mücken der Gattung Aedes übertragen und kommt auf allen Kontinenten in den Tropen und in einigen subtropischen Gebieten vor. 4 Die Symptome sind mit Fieber, Myalgien, Arthralgien und Hautausschlag ähnlich, aber i.d.R. milder als bei z.B. Dengue. Todesfälle sind bei ansonsten gesunden Menschen selten.

Eine Übertragung des Erregers ist jedoch auch auf sexuellem Weg möglich. Bei infizierten Schwangeren besteht das Risiko einer cerebralen Fehlbildung mit Mikrozephalie. 5 Daher wird empfohlen, dass bei Kinderwunsch und geplanter Konzeption nach einem Aufenthalt in den Tropen gewartet wird. Wenn die Frau sich im Risikogebiet aufgehalten hat, sollten zwei Monate bis zur Konzeption vergehen, beim Mann nach neuester Datenlage drei Monate.

Filzlaus (Phthirus pubis)

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  1. Rieg S et al.: “Aktuelles zu sexuell übertragbaren Infektionen“, Dtsch Med Wochenschr 2019; 144:165 -170
  2. Haar K et al.: „Lymphogranuloma Venereum in Men Screened for Pharyngeal and Rectal Infection, Germany“ Emerg Infect Dis. 2013 Mar; 19(3): 488–492.
  3. Ständige Impfkommission (STIKO), AGHPV. „Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren.“ Epid Bull 2018; 26: 233–250
  4. Robert-Koch-Institut, FAQ: Zikavirus-Infektion
  5. Hoen B et al.: „Pregnancy Outcomes after ZIKV Infection in French Territories in the Americas.“, N Engl J Med. 2018 Mar 15;378(11):985-994.
  6. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Änderung der Schutzimpfungsrichtlinie“, 20.09.2019
  7. Teaserbild: © istock.com/juststock

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