05. Februar 2021

Medizinisch unerklärte Symptome: Die richtigen Fragen stellen

Persistierende Symptome ohne erklärende Diagnose betreffen viele Patienten, mit Auswirkungen auf das Leben und die Psyche der Betroffenen, sowie das Gesundheitssystem. Mit gezielten Fragen kann die Ursache in manchen Fällen geklärt werden.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in der Fachzeitschrift Clinical Medicine.1 Redaktion: Christoph Renninger

Häufig und mit schwerwiegenden Konsequenzen

Medizinisch unerklärte Symptome sind häufig, in der Primärversorgung machen sie bis zu einem Fünftel aller Patienten aus. Die Beschwerden gehen häufig mit Stress, eingeschränkter Leistungsfähigkeit, Arbeitslosigkeit und hohen Kosten für das Gesundheitssystem einher.

Zu den häufigsten Symptomen zählen Fatigue, chronische Schmerzen und Schlafstörungen, da diese bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten können. Eine Herausforderung bei der Diagnose ist häufig eine Überschneidung von Symptomen aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen.

Oftmals besteht eine Komorbidität mit psychischen Erkrankungen. Etwa die Hälfte aller Patienten mit unerklärten Symptomen leidet unter einer Angsterkrankung oder Depression. Dies ist mehr als bei anderen Langzeit-Erkrankungen.

Multifaktorielle Ätiologie

Manche Faktoren, die das Risiko für somatoforme Symptome erhöhen, sind kaum beeinflussbar, wie Erkrankungen während der Kindheit, Gesundheit der Eltern, Missbrauch in der Kindheit, Persönlichkeitsmerkmale oder chronische Krankheiten in der Familie.

In manchen Fällen gibt es einen “Trigger”, welcher die Symptome hervorruft. Dies kann eine Infektion, eine körperliche Erkrankung oder ein Trauma sein. Ebenso sind psychosoziale Einflüsse möglich.

Außerdem gibt es Erhaltungsfaktoren, welche die Symptome verlängern. Diese können in 4 Kategorien unterteilt werden:

  • physiologisch: autonome Dysregulation, zentrale Sensitivierung, Dysfunktion der HPA-Achse, Schlafstörungen
  • sozial: Verlust des Arbeitsplatzes und/oder der gesellschaftlichen Rolle
  • kognitiv: negative Wertung (Appraisal), Fokussierung auf Symptome
  • Verhalten: Vermeidungsverhalten, Risikoverhalten, schlechte Schlafhygiene

Fragen zum Assessment

Eine gründliche Anamnese, mit aktivem Zuhören und Empathie kann für eine Diagnose von großer Bedeutung sein. Einen Überblick über mögliche Ansatzpunkte und passende Fragen bietet der Anamnesebogen.

Modifiziert nach Husain M & Chalder T 1

Neben den Messungen der Vitalparameter (Puls, Blutdruck, Köpertemperatur) sollten die folgenden Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Urinanalyse (Proteine, Blut, Glukose)
  • großes Blutbild
  • Harnstoff und Elektrolyte
  • Leberfunktionswerte
  • Schilddrüsenfunktion
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • C-reaktives Protein
  • Blutzucker
  • Serumkreatinin
  • Anti-Transglutaminase-Antikörper
  • Kalzium
  • Kreatinkinase

Weitere Untersuchungen können indiziert sein, beispielsweise sollte bei persistierenden unerklärten gastrointestinalen Symptomen bei Frauen, insbesondere im Alter über 50 Jahren, CA-125 getestet werden.

Zu den häufigen Diagnosen, die in manchen Fällen nicht diagnostiziert werden, zählen Diabetes mellitus, Zöliakie, Schilddrüsenerkrankungen und chronisch-entzündliche Erkrankungen.

  1. Husain M & Chalder T. Medically unexplained symptoms: assessment and management. Clin Med 2021; 21(1): 13-18.

Bildquelle: © Getty Images/South Agency

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