17. Mai 2019

Telefonische Beratung abrechnen: Die Tücke liegt im Detail

Auch mittelbare Patientenkontakte – z.B. in Form von Telefongesprächen – können privat und oft auch gesetzlich abgerechnet werden. Um hier alles richtig zu machen, muss man sich allerdings etwas auskennen.

Lesedauer: 2 Minuten

Telefonische Arzt-Patienten-Kontakt in der Regel gratis

Ruft ein gesetzlich versicherter Patient in der Praxis an und der Arzt führt ein Gespräch mit ihm, ist dies in der Regel gratis, da der telefonische Arzt-Patienten-Kontakt (APK) Bestandteil der Versichertenpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig ist.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen

Kommt es erstmals im Quartal zu einem telefonischen Kontakt mit dem Patienten und folgen keine weiteren Kontakte, kann das Telefonat pauschal nach Nr. 01435 angesetzt werden (9,52 Euro). Allerdings kann dann in diesem Quartal nicht die Versichertenpauschale abgerechnet werden und auch die Grundpauschale nach Nr. 03040 und der Laborbonus nach Nr. 32001 fallen weg. Trotzdem kann sich das lohnen, da der Praxis auch für diesen Patienten ein Regelleistungsvolumen zugeteilt wird, das bei Nichtverbrauch auf die Leistungen bei anderen Patienten übertragen wird.

Gemeinschaftspraxen: Besonderheiten gibt es bei Gemeinschaftspraxen bzw. sogenannten Berufsausübungsgemeinschaften (BAG). Hat ein Patient in einer Gemeinschaftspraxis zunächst einen persönlichen Kontakt mit dem Arzt, mit dessen Arztnummer (LANR) die Versichertenpauschale zum Ansatz kommt, und telefoniert später im Quartal mit einem anderen Arzt der BAG, kann die Nr. 01435 mit dessen LANR berechnet werden. Das gilt auch für mehrere verschiedene Ärzte, allerdings je Arzt immer nur einmal im Quartal.

Außerhalb der Sprechzeiten: Aufschläge gibt es bei Telefonaten außerhalb der Sprechzeiten. Ruft ein Patient aus eigener Initiative abends und nachts (zwischen 19 und 7 Uhr) an oder am Wochenende, an Feiertagen (bzw. am 24. oder 31. Dezember), kann dies nach den EBM-Nrn. 01100 (21,21 Euro) oder 01101 (33,87 Euro) berechnet werden. An Samstagen zwischen 7 und 14 Uhr kann unter der Nr. 01102 (10,93 Euro) auch ein mit dem Patienten vereinbarter Kontakt (z.B. im Rahmen einer Telefonsprechstunde) berechnet werden. Der Ansatz der Nr. 03230 (problemorientiertes ärztliches Gespräch) ist bei einem telefonischen Kontakt grundsätzlich nicht möglich, selbst wenn das Gespräch die geforderten zehn Minuten oder länger andauert.

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Wie ist es bei den privat Versicherten?

In der GOÄ stehen für telefonische APK die folgenden Nummern zu Verfügung:

  • Nr. 1 (Beratung – auch mittels Fernsprecher, 10,72 Euro Schwellensatz)
  • Nr. 3 (Eingehende, das gewöhnliche Maß übersteigende Beratung – auch mittels Fernsprecher, 20,10 Euro Schwellensatz)
  • Nr. 4 (Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und/oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson – im Zusammenhang mit der Behandlung eines Kranken, 29,49 Euro Schwellensatz)

Auch hier gibt es Zuschläge bei Telefonaten außerhalb der normalen Sprechzeiten:

  • Zuschlag A (4,08 Euro Einfachsatz) für Telefonate außerhalb der Sprechstunden  
  • Zuschlag B (10,49 Euro Einfachsatz) bei Telefonaten zwischen 20 und 22 Uhr oder zwischen 6 und 8 Uhr
  • Zuschlag C (18,65 Euro Einfachsatz) bei Telefonaten zwischen 22 und 6 Uhr
  • Zuschlag D (12,82 Euro Einfachsatz) bei Telefonaten an Wochenenden und Feiertagen

Wird der Zuschlag A abgerechnet, können die Zuschläge B bis D nicht zusätzlich angewandt werden, die Zuschläge B und C können aber mit D kombiniert werden (z.B. nachts am Wochenende).

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