15. Mai 2022

Frühjahrstagung des Deutschen Hausärzteverbandes

Deutschland bei Corona im „Datenblindflug“

Die gegenwärtige Corona-Welle läuft aus, die Versorgung der Infizierten beschäftigt die Hausärztinnen und Hausärzte derzeit massiv. Mit Sorge blicken sie auf die Entwicklung im Herbst. Lob gab es für Gesundheitsminister Lauterbach dennoch.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Deutschland im „Datenblindflug“ in der Pandemie

Obwohl die gegenwärtige Corona-Welle ausläuft, beschäftige das Infektionsgeschehen die Hausärztinnen und Hausärzte derzeit massiv, erklärte Weigeldt. 80% aller Corona-Patienten würden in den Hausarztpraxen versorgt. So stark die hausärztliche Versorgung sei, so schwach erscheine allerdings die Datenlage. „Deutschland befindet sich nach über zwei Jahren Pandemie immer noch im Daten-Blindflug“, kritisierte Weigeldt.

So sei keine konsistente Strategie erkennbar: „Da werden Zahlen über Infizierte verbreitet, deren Grundlage einzig und alleine positive PCR-Tests sind“, so Weigeldt. „Eigentlich müsste jedem klar sein, dass sich nicht jede oder jeder Infizierte einem PCR-Test unterzogen hat.“

Es sei unklar geblieben, auf welchen Grundlagen das Infektionsgeschehen dargestellt und bewertet wird – auf der Hospitalisierungsrate? Aufgrund der Inzidenzen? Die Auslastung der Intensivstationen? „Nachvollziehbar ist das nicht wirklich“, so Weigeldt.

Mit Sorge blickte Weigeldt auf die Impfungen, die im Herbst schwere Corona-Verläufe verhindern sollen. Die Hausarztpraxen brauchen nicht nur ausreichend Impfstoff, sondern auch Unterstützung von der Politik, „eine motivierende politischen Kommunikation“, so Weigeldt. Sie soll deutlich machen: „Impfen ist cool, Impfverweigerung nicht!“

Im Übrigen müssten die Impfungen vor allem in den hausärztlichen Praxen stattfinden, forderte Weigeldt. „Das sind Dinge, die müssen wir einfordern!“ Die Praxen hätten „den Impfturbo gezündet“ und damit bewiesen, dass sie täglich hunderttausende von Menschen impfen können. Dies sei auch die kostengünstigste Variante. Stattdessen Impfzentren im Leerlauf weiter mit Steuergeldern zu finanzieren, sei absurd und teuer. Und: Dass Apotheken beim Impfen keine Alternative zu den Hausarztpraxen sind, zeigten schon die Zahlen: Bisher „deutlich unter 50.000 Impfungen!“.

Was die Finanzierung des Gesundheitssystems angeht, verwies Weigeldt auf das jährliche Defizit von 17 bis 20 Milliarden Euro, die abgesichert werden müssen. Weigeldt forderte, in diesem Zusammenhang über die Reduzierung der Krankenhauszahl nachzudenken, etwa um den Fachkräftemangel zu lindern. Und: „Ist es nicht vernünftig, die HZV stärker zu fördern und ihre strukturellen und qualitativen Vorteile zu nutzen?“

Dank für Versorgung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

Ungewöhnliches Lob sprach Weigeldt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aus. Anders als sein Vorgänger Jens Spahn sei Lauterbach zum Frühjahrsempfang des Verbandes gekommen. „Die Anliegen der Hausärzte sind auch meine Anliegen“, hatte Lauterbach gesagt, ein Zitat, das Weigeldt ganz offensichtlich gerne wiederholte.

Schließlich forderte der Vorsitzende vom Gesetzgeber erneut eine steuerfreie Prämie für die von der Versorgung in Pandemiezeiten besonders belasteten MFA zu ermöglichen. „Unsere Praxismitarbeitenden haben es verdient, und zwar ohne Steuerabzug!“, sagte Weigeldt unter großem Applaus der Delegierten, die einen entsprechenden Antrag einstimmig beschlossen.

Auch den Ukraine-Krieg ließ der Vorsitzende nicht aus. Er dankte den vielen Hausärztinnen und Hausärzten, die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine versorgt haben und dabei „nicht aus Honorarvereinbarungen gewartet“, sondern einfach geholfen hätten, wo es ging.

Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.de erschienen.

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