01. Dezember 2020

Teil 2

Impfen: STIKO-Vorsitzender beantwortet Fragen der coliquio-Ärzte

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) Prof. Dr. Thomas Mertens beantwortet hier weitere Ärzte-Fragen, die im Rahmen unseres interaktiven Fortbildungsformats “Die Sprechstunde” in einem Chat gestellt wurden.

Lesedauer: 3 Minuten

Was sind die Vor- und Nachteile des nasalen Grippeimpfstoffs Fluenz bei Kindern und Erwachsenen? Wie sehen Sie die Effektivität der nasalen Grippeimpfung im Vergleich zur Injektionsimpfung? 

Prof. Mertens: Bei der STIKO-Empfehlung gab es einiges hin und her, aufgrund widersprüchlicher Studien. In einer ersten Präparation war das temperatursensitive Impfvirus offenbar zu stark abgeschwächt. Derzeit gilt Fluenz bei Kindern als dem konventionellen Impfstoff gleichwertig. Je mehr Basisimmunität die geimpfte Person hat, umso schlechter wirkt die Impfung, da sich das Impfvirus nicht mehr ausreichend vermehren kann.

Besteht auch bei Varizella-Zoster-Virus (VZV)-negativen Patienten die Chance, mit Shingrix eine dringend nötige VZV-Immunität zu erreichen? Eine Lebendimpfung ist wegen Immunsuppression kontraindiziert. 

Prof. Mertens: Bislang gibt es diese Möglichkeit leider nicht. Die Impfung ist nur für seropositive Personen gedacht, die bereits eine Varizellen-Infektion durchgemacht haben. Zu dieser Frage gibt es noch keine Studien.

Darf ein Baby, das von einer mit Biologika behandelten Mutter gestillt wird, mit einem MMR-Lebendimpfstoff geimpft werden? 

Prof. Mertens: Ja, das ist möglich.

Hepatitis-B-Impfung: Früher hieß es Titer-Überprüfung, dann nicht beziehungsweise im Expositionsfall auffrischen. Gilt dies noch? 

Prof. Mertens: Ja, diese Empfehlung gilt noch.

Ist es ein Problem, wenn man sich im Oktober und dann wieder im Januar gegen die Grippe impfen lässt?

Prof. Mertens: Nein, das ist kein Problem. Dazu gibt es aber keine offizielle Empfehlung.

Können Senioren, die zu früh mit nicht-adjuvantem Impfstoff geimpft worden sind, im Dezember bei Eintreffen der Grippewelle nachgeimpft werden? 

Prof. Mertens: Das ist ebenfalls kein Problem. Allerdings gibt es auch hierzu keine offizielle Empfehlung.

Was raten Sie, wenn die zweite Shingrix-Impfung aufgrund von fehlendem Impfstoff nicht nach sechs Monaten durchgeführt werden konnte? 

Prof. Mertens: Ich rate, die Impfung aufzufrischen, sobald der Impfstoff wieder verfügbar ist.

Was ist das Problem einer zu häufigen Tetanusimpfung?

Prof. Mertens: Bei zu häufiger Tetanusimpfung kann es vor allem zu etwas stärkeren, lokalen Reaktionen und Schwellungen der zuständigen Lymphknoten kommen.

Worin liegen die Schwierigkeiten für einen HIV-Impfstoff? 

Prof. Mertens: Die Schwierigkeit liegt in der hohen und raschen Variabilität des Virus. Es besteht großes Interesse an einem Impfstoff, der eine HIV-Infektion verhindert, was die meisten bisherigen Impfstoffe allerdings nicht tun.

Gibt es neue Daten zur Meningokokken-B-Impfung, beispielsweise zu den Injektionssuspensionen Bexsero oder Trumenba? Wann ist der beste Zeitpunkt, ein Kleinkind von etwas unter 2,5 Jahren zu impfen?

Prof. Mertens: Im Falle von Bexsero sollte so früh wie möglich geimpft werden, da das Erkrankungsrisiko bei Kleinkindern am höchsten ist. Trumenba hingegen ist in diesem Alter nicht zugelassen.

Welcher Mindestzeitabstand ist zwischen der Anwendung von Prevenar 13 und Pneumovax 23 einzuhalten und welche maximale Zeitspanne ist erlaubt? 

Prof. Mertens: Allgemein ist ein zeitlicher Abstand von sechs Monaten vorgesehen und sollte auch eingehalten werden.

Ist eine starke lokale Impfreaktion in Form von Schwellung und mehrwöchigen Schmerzen bei einer Pneumokokkenimpfung in der Mehrheit bekannt oder auf Einzelfälle begrenzt?

Prof. Mertens: Die beschriebenen Impfreaktionen sind zwar möglich, allerdings nur im Einzelfall.

Können Sie erläutern, inwieweit bekannte Risiken und Vorerkrankungen Eingang in die Impfempfehlungen finden? 

Prof. Mertens: Hierzu werden immer alle verfügbaren Daten herangezogen. Datenlücken können dabei manchmal aber nicht ausgeschlossen werden.

Momentan wird bezüglich Covid-19 immer von einer Impferfolgsquote von 90 oder 95 % berichtet. Wie hoch ist diese Quote bei den uns bekannten, gängigen Impfungen?

Prof. Mertens: Der Impfschutz vor einer Erkrankung ist bei den verschiedenen Impfungen unterschiedlich. Beispielsweise wechselt die Quote bei Influenza saisonbedingt: Vergangene Saison lag sie bei rund 60 % gegen alle vier Influenzatypen. Bei Tetanus, Masern und Tollwut bei fast 100 %.

Würden Sie eine Pneumokokkenimpfung bei Patienten im Alter von 53 Jahren und gut eingestelltem Asthma empfehlen?

Prof. Mertens: Ja, unbedingt.

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