01. Dezember 2020

Die Sprechstunde

Impfungen: Aktuelle Empfehlungen im Überblick

Im Rahmen unseres interaktiven Fortbildungsformats “Die Sprechstunde” beantwortet der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) Prof. Dr. Thomas Mertens Fragen zum Thema Impfen. Die Aufzeichnung des Videos, eine Auswahl relevanter Fragen und Antworten sowie die Vortragsfolien finden Sie hier.

    1. Was raten Sie einer Person, die mit einer Impfgegnerin oder einem Impfgegner verheiratet ist, und das Kind impfen möchte? (Antwort im Video ab Minute 24:43)
    2. Können Patienten, die mit Zytostatika und Antikörpern therapiert werden, mit Tot- oder Lebendimpfstoffen geimpft werden, und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt? (Antwort im Video ab Minute 29:38)
    3. Wie schätzen Sie die Effektivität subkutaner Impfungen im Vergleich zu intramuskulären Impfungen von Tot- und Lebendimpfstoffen ein? Auch am Beispiel von Hämophilie-Patienten? (Antwort im Video ab Minute 33:09)
    4. Soll man Patienten mit chronischen Infektionen, die immer wieder reaktiv werden, wie beispielsweise Borreliose oder Chlamydien, mit Lebendimpfstoff impfen? (Antwort im Video ab Minute 35:30)
    5. Gibt es Berufsgruppen, die nicht unbedingt Impfungen durchführen dürfen? An welche Berufsgruppen darf das Impfen delegiert werden, beispielsweise nach einer entsprechenden Schulung, und an welche nicht? (Antwort im Video ab Minute 37:30)
    6. Kann man eine Pneumokokken-Impfung mit Prevenar auffrischen, wenn kein Pneumovax-Impfstoff zur Verfügung steht und wenn die letzte Prevenar-Impfung ein Jahr zurückliegt? (Antwort im Video ab Minute 39:58)
    7. Genügt eine einmalige Pneumokokken-Impfung und wann muss eine Pneumovax-23-Impfung bei über 60-Jährigen wieder aufgefrischt werden? (Antwort im Video ab Minute 40:49)
    8. Zum Thema Grippeimpfungen: Einige Praxisärzte impfen so spät wie möglich. Verliert der Impfstoff schon nach wenigen Monaten die Wirksamkeit? (Antwort im Video ab Minute 43:27)
    9. Ist es sinnvoll bei Senioren nach einer nicht-adjuvantierten Grippeimpfung mit tetravalentem Impfstoff nachzuimpfen, um die Immunantwort zu pushen? (Antwort im Video ab Minute 44:48)
    10. Gibt es Hühnereiweiß-freie Grippeimpfstoffe? (Antwort im Video ab Minute 47:03)
    11. Welche Empfehlungen gibt es für die Durchführung von Influenzaimpfungen in Einrichtungen von Asylbegehrenden? (Antwort im Video ab Minute 47:50)
    12. Kann man Pneumokokken und die Grippeschutzimpfung zeitgleich durchführen? (Antwort im Video ab Minute 49:05)
    13. Warum soll in jeder Schwangerschaft gegen Pertussis geimpft werden? Würden Sie die Kombinationsimpfung mit Tetanus wiederholt impfen? (Antwort im Video ab Minute 50:29)
    14. Wie schätzen Sie den Herpes Zoster Impfstoff Shingrix ein? (Antwort im Video ab Minute 52:25)
    15. Mit welchem zeitlichen Abstand würden Sie einen Patienten nach durchgemachter Herpes Zoster Erkrankung mit Shingrix impfen? (Antwort im Video ab Minute 54:11)
    16. Wie ist Ihre Einschätzung zum aktuellen Stand der Impfungen gegen eine Covid-19-Erkrankung? (Antwort im Video ab Minute 56:15)
    17. Sind Langzeit-Nebenwirkungen in Folge einer mRNA-Impfung gegen eine Covid-19-Erkrankung zu erwarten? (Antwort im Video ab Stunde 1:04:56)
    18. Gibt es schon genaue Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit des Covid-19-Impfstoffs von BioNTech? (Antwort im Video ab Stunde 1:06:36)

Dauer: 1:11

7 ausgewählte Fragen und Antworten

Einige Fragen der Teilnehmer und Antworten von Prof. Mertens haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Können Patienten, die mit Zytostatika und Antikörpern therapiert werden, mit Tot- oder Lebendimpfstoffen geimpft werden? Und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt? (29:05)

  • Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte die Impfung wegen der Immunsuppression des Patienten nicht wirken. Zum anderen könnte der Patient gefährdet sein, durch eine nicht ausreichend kontrollierte Vermehrung des Lebendimpfstoffes.

    Die erste Möglichkeit ist nicht entscheidend für die Impfung, also kann mit einem Totimpfstoff geimpft werden. Wichtig ist nur, dass kontrolliert wird, ob die Impfung erfolgreich war. Lebendimpfstoffe sind international noch nicht gut untersucht. Es gibt zwar Studien zu Impfungen bei Patienten mit Immunsuppression, aus denen Schemata zur Score-Bildung entstanden sind, um die Immunsuppression des Patienten einzuschätzen und gegebenenfalls kann dann mit Lebendimpfstoff geimpft werden. Aber wichtig ist immer die Abstimmung mit jemandem, der sich immunologisch auskennt.

    Solche Scores beinhalten beispielsweise die Bestimmung der Antikörper, die durch die Impfung mit einem Todimpfstoff generiert werden. Darüber hinaus werden weitere Laborparameter untersucht, wie das differenzierte Blutbild oder T-Zellfunktionen. Es gibt bereits publizierte Checklisten, die in Studien angewendet worden sind.

Gibt es Berufsgruppen, die nicht unbedingt Impfungen durchführen dürfen? An welche Berufsgruppen darf das Impfen delegiert werden, beispielsweise nach einer entsprechenden Schulung, und an welche nicht? (36:00)

  • Eine als Schwester ausgebildete Person, eine MTA mit entsprechenden Anatomiekenntnissen, kann eine Impfung unter Aufsicht durchführen. Dazu gibt es Stellungnahmen und Urteile.

    Eine Person, die verständig ist, kann die Fähigkeit durch Schulungen erlernen und eine Impfung mit einem Arzt im Hintergrund durchführen. Die genaue juristische Lage kann ich nicht wiedergeben.

    Eine Idee ist, dass sich Mitarbeiter aus einer Praxis speziell weiterqualifizieren, um den Impfstatus prüfen zu können. Dies kann ohne weiteres delegiert werden. Nach der STIKO sollte jeder Arzt-Patient Kontakt genutzt werden, um den Impfstatus zu erheben. Das könnte bereits am Empfangstisch erledigt werden, wenn die Leute geschult sind.

Kann man eine Pneumokokken-Impfung mit Prevenar auffrischen, wenn kein Pneumovax-Impfstoff zur Verfügung steht und wenn die letzte Prevenar-Impfung ein Jahr zurückliegt? (39:48)

  • Es gibt keine Empfehlung, bei Erwachsenen mit Konjugat-Impfstoff zu impfen. Ratsam ist aber abzuwarten, bis der 23 Serotypen abdeckende Impfstoff wieder verfügbar ist und dann mit PPSV23 zu impfen.

Zum Thema Grippeimpfungen: Einige Praxisärzte impfen so spät wie möglich. Verliert der Impfstoff schon nach wenigen Monaten die Wirksamkeit? (42:58)

  • Dazu gibt es eine große amerikanische Studie, die zeigt, dass die höchste Wirksamkeit der Grippeimpfung drei bis fünf Wochen nach Impfung liegt.

Gibt es Hühnereiweiß-freie Grippeimpfstoffe? (46:58)

  • In der Tat gibt es zwei Optionen an Hühnereiweiß-freien Grippeimpfstoffen: Zellkulturimpfstoffe, also in Zellkultur vermehrter Impfstoff, anstatt in Hühnereiern. Und einen rekombinanten Impfstoff in den Vereinigten Staaten, der allerdings bisher nicht in Deutschland zugelassen ist.

Wie schätzen Sie den Herpes-Zoster-Impfstoff Shingrix ein? (52:00)

  • Derzeit ist dieser Impfstoff sehr gefragt. Gelegentlich treten bei der Anwendung deutliche Nebenwirkungen auf, die sich auf lokale Schmerzen beziehen. Gelegentlich wurden auch dermatologische Manifestationen an der Injektionsstelle durch diesen gentechnisch hergestellten Impfstoff beobachtet.

    Eine offizielle Studie der Virologie in Freiburg untersucht all diese Fälle in Hinblick auf eine lokale Reaktivierung des Virus als Auslöser dieser Nebenwirkungen.

Sind Langzeit-Nebenwirkungen in Folge einer mRNA-Impfung gegen eine Covid-19-Erkrankung zu erwarten? (1:04:09)

Im zweiten Teil des Beitrags beantwortet Prof. Dr. Thomas Mertens weitere Ärzte-Fragen, die im Rahmen unseres interaktiven Fortbildungsformats in einem Chat gestellt wurden.

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