28. Juni 2019

Sonnenschutz – Teil 2

Aktuelle Studienergebnisse zur Vitamin-D-Produktion

Immer wieder steht die Frage im Raum, inwieweit die korrekte Anwendung von Sonnencremes und Co. zu einer verminderten Vitamin-D-Synthese führt. Eine aktuelle Studie bringt spannende Ergebnisse zutage.

Lesedauer: 2,5 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

Die meisten Menschen decken einen Teil ihres Vitamin-D-Bedarfs durch Sonneneinstrahlung (UVB-Lichtexposition) ab. Die Frage danach, in welchem Umfang Sonnenschutzmittel die körpereigene Vitamin-D-Produktion verringern, steht deshalb immer wieder im Raum, konnte aber bislang nicht eindeutig geklärt werden.

Aus Sicht von Experten der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) scheinen Sonnenschutzmittel ab dem Lichtschutzfaktor 8 die Vitamin-D produzierenden UV-Strahlen zu blockieren.1 Da viele Menschen in der Regel jedoch nicht ausreichend Sonnenschutzmittel verwendeten, synthetisiere die Haut auch trotz Sonnenschutzes zumindest eine gewisse Menge Vitamin D.

Teneriffa-Studie: Vitamin-D-Synthese trotz optimalen Sonnenschutzes

Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichte Studie im British Journal of Dermatology (BJD) haben nun indes ergeben, dass auch bei korrekter Anwendung von Sonnenschutzmitteln die Produktion von Vitamin D nicht bedeutend gehemmt wird.2,3

Für ihre Untersuchung teilten die Forscher des King´s College in London die Probanden in vier Gruppen ein. Drei von ihnen wurden auf die Insel Teneriffa geschickt. Eine Kontrollgruppe mit 17 Personen verblieb derweil in Polen.

20 der Teilnehmer auf der spanischen Insel wurden angewiesen, eine von 2 verschiedenen Sonnencremes mit Breitbandschutz vor UVA- und UVB-Strahlen und Lichtschutzfaktor (LSF) 15 aufzutragen. Weitere 20 sollten Sonnenschutz mit geringerem Wirkungsspektrum (niedrigerer UVA-Schutz) und LSF 15 verwenden. Für einen bestmöglichen Sonnenschutz erhielten alle Teilnehmer genaue Anweisungen für eine korrekte Anwendung der Creme. Die dritte Gruppe mit 22 Probanden schmierte sich indes ihre eigens mitgebrachte Sonnencreme nach eigenem Ermessen ohne Anleitung auf die Haut.

Der Serum-Vitamin-D-Spiegel bzw. der Calcidiol-Spiegel (25-Hydroxy-Vitamin-D3, 25(OH)D3), wurde schließlich bei allen Teilnehmern vor und nach dem Urlaub bestimmt. Der primäre Endpunkt war die Änderung der Calcidiol-Synthese.

Signifikanter Vitamin-D-Anstieg bei allen Urlaubern

Der Vitamin-D-Anstieg war in allen Urlaubsgruppen statistisch signifikant, während bei der in Polen gebliebenen Gruppe ein leichter Rückgang der Werte verzeichnet wurde, so das Ergebnis der Studie. Wie von den Forschern erwartet, führte das Breitbandspektrum-Sonnenschutzmittel mit hohem UVA-Schutz zu einer höheren Vitamin-D-Synthese als die Cremes mit geringem UVA-Schutz. Denn ersteres lasse mehr UVB-Strahlung, so die Begründung der Autoren.

Schutz vor Hautkrebs überwiegt Nachteile

Auch weitere Studien im BJD, unter anderem ein systematischer Review von 75 Arbeiten, kommen zu dem Schluss, dass die Vitamin-D-Produktion kaum durch Sonnenschutzmittel beeinträchtigt wird, und dass vor allem der UV-A-Schutz die Vitamin-D-Synthese nicht behindert. Die Vorteile, die Sonnenschutz in Bezug auf die Prävention von Hautkrebs mit sich bringt, überwiegen danach den Studien zufolge mögliche Nachteile bezüglich der Produktion von Vitamin D.

Weitere Studien notwendig

Trotz dieser aktuellen Erkenntnisse sind aus Sicht von Experten weitere Studien etwa zu Sonennschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor 30 und höher erforderlich. Auch müssten Untersuchungen klären, wie die aktuellen Ergebnisse bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe ausfallen, die ein höheres Risiko für einen Vitamin-D-Mangel haben.

Infobox: Soviel Sonne ist gut für die Vitamin-D-Bildung

Wie lange man in der Sonne zur Vitamin D-Bildung bleiben sollte, hängt sowohl vom Hauttyp als auch vom UV-Index ab. Hierzu hat das UV-Schutz-Bündnis eine Empfehlung herausgegeben.4

Diese beinhaltet, dass für eine ausreichende Vitamin-D-Synthese eine Sonnen-Exposition der unbedeckten Hände, Arme und Gesicht zwei- bis dreimal die Woche genügt. Jedes „Sonnenbaden“ soll die Hälfte der Zeit dauern, in der man sonst einen Sonnenbrand bekommen würde. Für Menschen mit einem Hauttyp II (u.a. helle, empfindliche Haut) bedeutet das beispielsweise bei einem UV-Index von 7 (hohe UV-Bestrahlungsintensität) etwa 12 Minuten. Ein Sonnenbrand ist dabei grundsätzlich zu vermeiden. Bei längeren Aufenthalten in der Sonne sollten UV-Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Erwachsene sollten beim UV-Schutz mit gutem Beispiel vorangehen und Kinder von klein auf an den richtigen Umgang mit der Sonne gewöhnen – im Urlaub und im Alltag.

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