28. Juni 2019

Sonnenschutz: Neue Erkenntnisse im Überblick

Ein wichtiger Pfeiler zur Vermeidung von Strahlenschäden durch die Sonne ist regelmäßiges Eincremen. Einer US-Studie zufolge sind bei empfohlener Anwendung von Sonnenschutzmittel, die UV-Filter bereits nach einem Tag im Blut nachweisbar. Welche Konsequenz lässt sich daraus ableiten? 1

Lesedauer: 3 Minuten

Redaktion: Dr. Nina Mörsch

UV-Filter im Blut: Ein Grund zur Sorge?

Sommerzeit ist auch Sonnencreme-Zeit. So lautet die Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz alle unbedeckten Körperstellen großzügig mit einem Sonnenschutzmittel einzucremen. Konkret bedeute dies 2 mg Creme/cm 2 Haut.2 Um den ganzen Körper einzucremen benötigten Erwachsene etwa 30 bis 40 ml. Außerdem sollten Sonnenhungrige mindestens alle zwei Stunden sowie nach dem Baden nachcremen.

Studie im Auftrag der FDA

Da auf diese Weise eine beträchtliche Menge an Sonnencreme auf die Haut gelangt, gingen Forscher der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA um Dr. Murali K. Matta der Frage nach, ob und in welchen Mengen die 4 häufig in Sonnenschutzmitteln enthaltenen Wirkstoffe Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen bzw. Ecamsul ins Blut gelangen.1

Hierfür führten sie eine randomisierte klinische Studie mit 24 gesunden Probanden durch, die auf 4 Gruppen verteilt wurden. 4 Tage lang verwendeten die Teilnehmer 4-mal täglich entweder eines von zwei Sonnensprays, eine Creme oder eine Lotion. Dafür trugen sie den entsprechenden Anwendungsempfehlungen jeweils etwa 2 mg/cm 2 auf etwa 75 % der Gesamtkörperfläche auf.

Schwellenwert bei allen Lichtschutzfaktoren überschritten

© JAMA Network

30 Blutproben wurden über 7 Tage hinweg entnommen und analysiert. Das Ergebnis: Bereits ab dem ersten Tag der Anwendung waren bei allen Teilnehmern alle vier Lichtschutzfaktoren in einer Konzentration von mehr als 0,5 ng/ml im Blut nachweisbar (siehe Abbildung 1).

In den USA sind Sonnenschutzmittel rezeptfreie Arzneimittel und werden von der FDA zugelassen. Ab einer Plasmakonzentration von 0,5 ng/ml fordert die Arzneimittelbehörde eine genauere Untersuchung der Substanzen und ihrer Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Doch bislang hätten die Hersteller auf die mehrfachen Aufforderungen der FDA entsprechende Daten einzureichen, nicht reagiert, sagte Dr. Annegret Blume, Geschäftsführerin der Kommission für Kosmetische Mittel am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), gegenüber Medscape Deutschland.3 Vor diesem Hintergrund sei auch die aktuelle Arbeit zu sehen, so die Erläuterung der Expertin.

In Deutschland gilt die Europäische Kosmetikverordnung

In Deutschland und Europa gelten Sonnenschutzmittel indes als Kosmetika und müssen den Vorschriften der Europäischen Kosmetikverordnung entsprechen, erklärt Blume weiter. In Anhang VI der Verordnung sind alle zugelassenen UV-Filter aufgelistet, wobei jede genannte Substanz vorab eine Sicherheitsbewertung durch das wissenschaftliche Expertengremium der EU-Kommission durchläuft (Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS).

Basis hierfür sind Dossiers der Industrie mit Daten unter anderem

  • zur Mutagenese,
  • zur Kanzerogenese,
  • zur Reproduktionstoxikologie,
  • zur akuten Toxizität,
  • zu Sensibilisierungen oder zu Irritationen.

Experten sehen bislang keine Gefahr

Experten wie der Pharmakologe Prof. Dr. phil. nat. Christian Surber von den Universtitätsspitälern Zürich und Basel, erläutert gegenüber rbb-online: „Der Schwellenwert hat vorläufig keine Bedeutung für den Verbraucher”.4 Man dürfe davon ausgehen, dass keine Gefährdung vorliegt, „da die genannten Filter seit mehreren Jahrzehnten weltweit in sehr grossen Mengen angewendet werden und keine Zeichen schädigender Wirkungen beim Menschen nachgewiesen wurden.” Dennoch hält Surber die Studie für wichtig, da damit erstmals ein Orientierungspunkt gesetzt würde, „der für den wissenschaftlichen Diskurs und Folgestudien sehr wichtig ist.”

Auch die US-amerikanischen Autoren betonen, dass der Nachweis einer systemischen Resorption weit über die FDA-Vorgaben hinaus nicht zwangsläufig bedeute, dass diese Inhaltsstoffe unsicher seien. Vielmehr untermauerten diese Ergebnisse die Notwendigkeit weiterer toxikologischer Studien, um deren klinische Bedeutung zu bestimmen.

Auf Sonnenschutzmittel nicht verzichten!

Sowohl die Autoren als auch anderen Experten betonen: Keinesfalls sollten die Studienergebnisse Personen dazu veranlassen, auf das Auftragen von Sonnenschutzmittel zu verzichten. Dies könnte wesentlich schädlichere Folgen für die Gesundheit haben.

  • Abschließend nennen die Autoren folgende Einschränkungen der Studie:

    • Die Untersuchung wurde unter Innenraumbedingungen durchgeführt, ohne Hitze, Sonnenlicht oder Feuchtigkeit. Dies könne die Absoprtionsrate des Sonnenschutzmittels beeinflussen.
    • Auch sei die Studie nicht darauf ausgelegt, Unterschiede in der Absorption durch die Art der Sonnenschutzformulierung, den Hauttyp oder das Alter des Benutzers zu untersuchen.

Beeinträchtigen Sonnenschutzmittel die Vitamin-D-Synthese?

Immer wieder steht die Frage im Raum, inwieweit die korrekte Anwendung von Sonnencremes und Co. zu einer verminderten Vitamin-D-Synthese führen. Eine aktuelle Studie bringt spannende Erkenntnise zutage. Lesen Sie jetzt den zweiten Teil des Beitrags.

1. Murali K. Matta, PhD; Robbert Zusterzeel, MD, PhD, MPH; Nageswara R. Pilli, PhD; et al: Effect of Sunscreen Application Under Maximal Use Conditions on Plasma Concentration of Sunscreen Active Ingredients, JAMA. 2019;321(21):2082-2091. doi:10.1001/jama.2019.5586
2. Bundesamt für Strahlenschutz, Stand: 25.05.2018: UV-Schutz für die Haut
3. Medscape Deutschland, 24.05.2019: Sonnenschutzmittel: UV-Filter gelangen in relativ hohen Konzentrationen ins Blut – wie gefährlich ist das?
4. rbb-online, 19.06.2019, Experteninterview: Notwendiger UV-Schutz

Titelbild: © Getty Images/Orbon Alija

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