09. Juli 2021

Nutzen von Sonnencremes überwiegt Risiko von schädlichen Inhaltsstoffen

Sonnenschutzcremes können Stoffe enthalten, die sich mit zunehmender Alterung des Produktes zu möglicherweise krebserregenden Stoffen zersetzen. Verbraucher sollten dennoch weiterhin die Haut mit Sonnencreme schützen, aber nur frische Cremes verwenden. 1

Lesedauer: 3,5 Minuten

Sonnenschutzcremes können Stoffe enthalten, die sich mit zunehmender Alterung des Produktes zu möglicherweise krebserregenden Stoffen zersetzen.

Die Konsequenz daraus ist nach Meinung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), dass die Hersteller dieser Produkte die Auswahl der verwendeten UV-Filter kritisch überprüfen und die Formulierungen ggf. ändern sollten.

Das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs kann durch einen umfassenden Sonnenschutz mit Eincremen und Expositionsprophylaxe (Tageszeiten mit hoher UV-Strahlung meiden, Schatten aufsuchen, Sonnenschirme nutzen, Kleidung und Kopfbedeckungen tragen) reduziert werden. Die DDG rät deshalb: Eher mehr als weniger Eincremen, Haltbarkeit und Alter der Cremes beachten.Verbraucherinnen und Verbraucher sollten daher weiterhin die Haut mit Sonnencreme schützen, aber nur frische Cremes verwenden.

Alte Sonnencreme kann schädlich sein

Seit einigen Monaten beunruhigen Nachrichten über die möglicherweise schädliche Wirkung gealterter Sonnencremes die Bevölkerung. Mehr dazu lesen Sie hier >>

Handelsübliche Sonnencremes haben als Wirkmechanismus entweder anorganische, mineralische Substanzen wie etwa Zinkoxid oder Titanoxid oder aber sie arbeiten mit organischen UV-Filtern. Beide Filterarten sind wirksam und halten UV-Strahlung davon ab, die Haut zu schädigen. Den mineralischen Filtern sind kleinste Partikel beigemischt, die UV-Strahlung reflektieren. Die organischen Filter nehmen die UV-Strahlen auf und wandeln sie in Wärme und Fluoreszenzlicht um. 

Sobald ein Sonnenschutzprodukt hergestellt worden ist, altert es. Dass dies ein Problem darstellen kann, zeigte die Untersuchung einer Forschergruppe um C. A. Downs, die im März in der Zeitschrift Chemical Research in Toxicology veröffentlicht wurde. Die Chemikerinnen und Chemiker untersuchten 17 Sonnenschutzprodukte unter der Fragestellung, wie hoch der Benzophenon-Gehalt ist. Bei 16 der getesteten Produkte fanden die Forschenden deutlich erhöhte Benzophenon-Konzentrationen. Da man annimmt, dass der Stoff krebserregende und auf das Hormonsystem wirkende Eigenschaften („endokriner Disruptor“) besitzt, darf er als UV-Filter in der Europäischen Union nur unter Beachtung eines Grenzwertes eingesetzt werden.

UV-Filter Octocrylen kann problematisch werden

Problematisch kann die Verwendung des UV-Filters Octocrylen in Sonnenschutzprodukten sein, da dieses sich zu Benzophenon zersetzt. „Bislang galt der Einsatz von Octocrylen als unbedenklich, sofern bei Patienten keine Photoallergie gegen Ketotifen (ein Antiallergikum) bestand. Diese Forschungen zeigen jedoch, dass der Einsatz zu überdenken ist, da das Vorhandensein von Benzophenon nicht ausgeschlossen werden kann“, erklärt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). „Die Überwachungsbehörden sind aufgefordert zu überprüfen, ob in Deutschland verkaufte Octocrylen-haltige Sonnenschutzmittel bedenkliche Konzentrationen von Benzophenon enthalten.“ 

Bei längerer Lagerung kann sich Octocrylen zu Benzophenon zersetzen. Aus Sicht der europäischen Kosmetikkommission darf Benzophenon in Sonnenschutzmitteln allenfalls in Spuren vorhanden sein. Dem eher hypothetischen Risiko von Benzophenon steht aber ein echtes und durch Studien belegtes Risiko gegenüber, durch zu viel UV-Strahlung an Hautkrebs zu erkranken.

„Die Schlagzeilen zu ‚krebserregenden Stoffen in Sonnencremes‘ dürfen nicht dazu führen, dass das Eincremen reduziert oder gar darauf verzichtet wird. Das wäre fatal“, ergänzt Professor Dr. med. Julia Welzel, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg, Medizincampus Süd und Generalsekretärin der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Die UV-Strahlung der Sonne ist eines der Hauptrisiken für die Entstehung von Hautkrebs und ein bekanntes, starkes Karzinogen. Ein effektiver Sonnenschutz durch Expositionsprophylaxe, also angemessene Kleidung, das Aufsuchen von schattigen Bereichen, das Nutzen von Sonnenschirmen oder -segeln und das Eincremen, bleiben unverzichtbar. Die Dermatologinnen und Dermatologen vermuten, dass letzteres eher noch intensiver betrieben werden sollte. 

Neue Erkenntnisse werden nicht verharmlost

Aus dermatologischer Sicht ist es nur scheinbar ein Dilemma: Der Schutz vor Hautkrebs überwiegt die Gefahr, dass möglicherweise schädigende Substanzen durch die Haut eindringen. „Die neuen Erkenntnisse werden allerdings auch nicht verharmlost. Als dermatologische Fachgesellschaft sind wir an die Hersteller diese Produkte mit der Bitte herangetreten, die möglicherweise von Octocrylen ausgehende gesundheitliche Gefährdung zu untersuchen und Alternativen zu prüfen“, betont Professor Dr. med. Michael Hertl, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Philipps-Universität Marburg und am Universitätsklinikum Marburg (UKGM) und Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Tipps der DDG:

  • Sonnencremes sind der beste Schutz vor UV-bedingtem Hautkrebs!
  • Haltbarkeitsdatum der Sonnencreme beachten.
  • Inhaltsstoffe prüfen: Wenn der Stoff ‚Octocrylene‘ in der INCI-Inhaltsliste bei einer älteren Creme genannt ist, könnte diese Benzophenon enthalten und sollte in diesem Fall nicht mehr verwendet werden.
  • Die Tageszeiten mit der höchsten UV-Strahlung (zwischen 11 und 15 Uhr) meiden.
  • Auf Expositionsprophylaxe achten: Sonnenschirme/Sonnensegel verwenden, Kopfbedeckungen tragen, schattige Orte bevorzugen, leichte (ggf. langärmelige) Kleidung tragen. 

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