Gesundheitseffekte von Pilates: Was ist durch Studien belegt?
Die im frühen 20. Jahrhundert entwickelte Trainingsform Pilates wird immer populärer und wird zur allgemeinen Fitness und bei verschiedenen Gesundheitsstörungen empfohlen. Doch wie ist die Studienlage zu möglichen positiven Effekten? Das wurde nun in einem Umbrella-Review untersucht und zusammengefasst.1
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Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Nathalie Haidlauf
Gesundheitseffekte von Pilates im Überblick
Endokrine oder metabolische Erkrankungen und Übergewicht
Bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas wurden u.a. die Auswirkungen von Pilates auf Körpergewicht, Body Mass Index (BMI), prozentualer Fettanteil (BFP), Magermasse (LBM für lean body mass) und Hüftumfang untersucht. In Vergleich zu inaktiven Interventionen wurde eine leichte Reduktion von BFP und BMI bei allerdings geringer Evidenz beobachtet. Um einen Effekt zu erzielen, sollte das Training mindestens über 10 Wochen regelmäßig durchgeführt werden.
Kreislauf-System
Pilates verbessert die kardiorespiratorische Fitness und führt im Vergleich zu anderen Trainingsformen zu einem höheren Anstieg der maximalen Sauerstoffaufnahme. Auch hier ist der Evidenzlevel aber gering.
Erkrankungen des Urogenitaltraktes
Eine Verbesserung der Beckenbodenmuskulatur (gemessen mit dem Perineometer) bei Frauen ließ sich mit Pilates nicht erzielen.
Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems und des Bindegewebes
Mittelfristig erwies sich Pilates effektiver bei der Reduktion von Nackenschmerzen und Funktionseinschränkungen der HWS als andere aktive Interventionen. Bei kurzfristiger Anwendung bestanden aber keine Unterschiede. Bei Rückenschmerzen im Lendenbereich führte Pilates kurz- und mittelfristig zur Besserung von Schmerz und Funktionseinschränkung im Vergleich zu Inaktivität, es bestanden aber keine Unterschiede zu anderen Bewegungsprogrammen. Positive Effekte wurden auch bei einer Bewegungsphobie bei LWS-Beschwerden beobachtet.
Am effektivsten ist Pilates bei Wirbelsäulendeformitäten wie Skoliose. Bewegungspielraum und Lebensqualität ließen sich hier verbessern und der Schmerz reduzieren.
Erkrankungen des Nervensystems
Bei Parkinson-Syndrom kann Pilates positive Effekte auf die Funktion der unteren Extremitäten haben. Dies zeigte sich im Timed Up and Go-Test, aber nicht im 30-Sekunden-Stuhl-Stand (30 SCS).
Bei Multipler Sklerose (MS) konnte mit Pilates keine Besserung der Mobilität oder kardiorespiratorischen Fitness erzielt werden, die Balance wurde aber stärker verbessert als bei anderen Interventionen. Dies gilt auch für Menschen nach einem Schlaganfall.
Neoplasien
Bei Frauen mit Brustkrebs wurde eine Verbesserung der funktionellen Kapazität und der Funktion der oberen Extremität sowie eine Reduktion des Schmerzlevels im Vergleich zu anderen zuhause durchgeführten Übungen gezeigt.
Psychische Störungen
Belegt wurde eine Verbesserung der Symptome von Depressionen und Angststörungen. Auch Fatigue-Symptome gingen zurück und des Energielevels nahm zu. Damit einher ging eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Schlaf-Wach-Störungen
Bei einem geringen Evidenzlevel führte Pilates zu einer Verbesserung von Schlafdauer und Dysfunktion am Tag bei gesunden postmenopausalen Frauen über 40 im Vergleich zu gar keinem Training. Schlaflatenz, Schlafeffektivität und Schlafstörungen wurden aber nicht beeinflusst.
Andere Symptome und klinische Beobachtungen
Verschiedene Laborparameter wie postprandialer Blutzucker, Gesamtcholesterin und LDL konnten reduziert werden – kein Einfluss zeigte sich dagegen auf den Nüchternblutzucker und den HbA1C-Wert.
Im Vergleich zu inaktiven Interventionen wurde bei älteren Menschen die körperliche Kondition verbessern. Dies betraf Gleichgewicht, Flexibilität und Funktionalität. Auch das Sturzrisiko wurde reduziert.
Fazit und Limitationen
In die Analyse gingen 27 systematische Reviews mit Metanalyse ein. Davon war allerdings nur eine von hoher und eine von mittlerer Qualität, 15 wurde eine geringe und 10 eine kritisch geringe Qualität bescheinigt. Trotz aller Einschränken kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Pilates viele positive Effekte auf die Gesundheit haben kann. Das gilt vor allem für muskuloskelettale Störungen wie HWS-Syndrom, unspezifische Rückenschmerzen und Skoliose und die körperliche Fitness von älteren Menschen. Durch weitere Studien sollte die Evidenz noch verbessert werden.



